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12. Februar 2013

Arheilgen: Kahlschlag an den Totenbergen

Der Anblick schockiert manchen Anwohner.  Foto: Roman Grösser

Ein Waldstück soll aufgeforstet werden - wofür es aber erstmal kahlgeschlagen wird. Die Neubepflanzung soll der Bodenqualität entsprechend edler ausfallen. Das ganze gehört zu den Auflagen, die die GSI annahm, um 20 Hektar für ihren Beschleunigerring freizulegen.

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Im Waldstück Totenberge an der Silz bei Arheilgen sind große Flächen abgeholzt worden. Der gerodete Bereich soll wieder aufgeforstet werden – als Ausgleichsfläche für den Bau des neuen Teilchenbeschleunigers Fair beim GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung.

Den Anwohnern gefällt das jedoch gar nicht: „Ich lebe hier seit über 40 Jahren mit dem Wald“, sagt Gerda Erzgräber. „Die Kiefern hinter dem Haus kenne ich schon, seit man noch darüber hinwegschauen konnte.“ Im Januar seien ohne Ankündigung die Waldarbeiter mit großen Maschinen gekommen. „Das ging ratzfatz. Jetzt hat sich das Bild total verändert. Das tut weh.“

Der Weg durch das Waldstück, der an Gerda Erzgräbers Haus vorbeiführt, mutet derzeit fast wie eine Schlucht an. Zu beiden Seiten sind Kiefernstämme und Baumkronen gestapelt, stellenweise fünf, sechs Meter hoch. Einzelne mächtige Stämme mit bis zu anderthalb Metern Durchmesser liegen längs am Weg. Am Westrand der Totenberge, entlang der Straße zum ehemaligen Forsthaus Kalkofen, sowie einige Hundert Meter ostwärts haben die Waldarbeiter große Flächen komplett freigeräumt. Dort trotzen nur noch vereinzelte Laubbäume zwischen hunderten Baumstümpfen dem eisigen Februarwind. Durch die schütteren Restbestände am Bachlauf kann man bis zu dem Waldgebiet blicken, in dem sich die GSI befindet.

"Bestand fehlbestockt"

Für deren unterirdischen Beschleunigerring wurden rund 20 Hektar Wald abgeholzt. Die GSI ist gesetzlich zu Ausgleichsmaßnahmen verpflichtet. Nach Auskunft des Forstamts Darmstadt ist der Einschlag am Totenberge Teil dieser Kompensation.

„Der Wald wird qualitativ aufgebessert“, erläutert der stellvertretende Forstamtsleiter Hilmar Branz. „Er war bislang nicht sehr hochwertig.“ Auf 4,3 Hektar Fläche habe man sämtliche Pappeln gefällt sowie zahlreiche Kiefern, die bislang das Waldstück dominierten.

„Der Bestand war fehlbestockt“, erklärt Branz. „Kiefern stellen geringe Nahrungsansprüche, dort aber gibt es ein hohes Nährstoffangebot. Wir pflanzen daher im Herbst Edellaubhölzer – Linde, Ahorn, Kirsche, auch etwas Eiche.“ Zudem werde der Waldrand mit Büschen und Sträuchern gestaltet. „In zehn Jahren sind die Bäume doppelt mannshoch, dann ist hier alles wieder zu.“

Abholzen, Aufforsten – worin darin der Ausgleichseffekt für die Fair-Rodung liegen soll, erschließt sich nicht auf Anhieb. „Ökologischen Wahnsinn“ sieht der Uwiga-Vorsitzende und Arheilger Helmut Klett angesichts des „Waldfrevels“ am Werk.

Qualität ist kein Trost

Die GSI macht eine andere Rechnung auf. Die für Fair gerodete Fläche werde eins zu eins wieder aufgeforstet, betont Fair-Sprecher Markus Barnards. In der Knoblochsaue bei Riedstadt, in der Täubcheshöhle bei Arheilgen sowie in Wembach bei Ober-Ramstadt seien Pflanzungen bereits erfolgt.

Nach Fertigstellung des Beschleunigerrings werde auch dort das Areal zu großen Teilen wieder aufgeforstet, plus eine rund 1,7 Hektar große Fläche am Kalkofen. In all diesen Fällen werde Wald neu gepflanzt – insgesamt 20,2 Hektar. Hinzu kämen Kompensationsmaßnahmen, weil ökologisch wertvoller alter Wald durch jungen Wald ersetzt werde. Dazu zählt etwa die Aufstellung von Fledermauskästen.

An den Totenbergen geht demnach alles nach Recht und Gesetz. Die Aussicht auf qualitativ höherwertigen Laubwald ist jedoch nicht allen ein Trost für den gegenwärtigen Kahlschlag. Gerda Erzgräber, die 1970 zu ihrem Mann an die Totenberge zog, zuckt mit den Schultern. „Ich werde diesen Wald als richtigen Wald nicht mehr erleben.“ (bad.)

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