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09. Januar 2013

Babenhausen: Gefiederte Gäste

Das Naturschutzgebiet und das milde Klima locken viele Vögel aus dem kalten Norden an.  Foto: Michael Prasch

In den Hergershäuser Wiesen fühlen sich im Winter Scharen von Gänsen wohl. Wer die vielen gefiederten Gäste aus der Nähe sehen möchte, sollte stets ein Fernglas dabeihaben – auch und gerade auf den Aussichtspunkten.

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Das Naturschutzgebiet der Hergershäuser Wiesen, das mit den Schutzgebieten „Auf dem Sand“ und „Kleine Qualle“ einer weitflächigen Wiesenlandschaft gleicht und sich von Münster bis zum Babenhäuser Stadtteil erstreckt, ist besonders im Winter ein Vogelparadies – vor allem für Gänse.

Die schwergewichtigen Graugänse können über den Winter in den Hergershäuser Wiesen in ganzen Schwärmen auftreten, wie Wolfgang Heimer, Leiter der Naturschutzbehörde beim Landkreis, festgestellt hat. Für die auch in den sibirischen Tundren lebenden Gänse ist das Überwinterungsklima in den mitteleuropäischen Breiten vergleichsweise mild. „Die Graugänse leben teilweise inzwischen das ganze Jahr hier in der Gegend“, weiß der erfahrene Vogelschützer Otto Diehl (86) aus dem Babenhäuser Stadtteil Langstadt, der schon vor sechs Jahrzehnten die Hergershäuser Wiesen beobachtend und fotografierend durchstreifte. Diehl hat damals noch den „Großen Brachvogel“ gesichtet. „Bis 1991 brüteten sie noch, dann waren sie verschwunden“, sagt Diehl.

Wolfgang Heimer hat im Bereich des weiträumigen Schutzgebiets zwischen Münster, Altheim und Hergershausen auch einen Rückgang der Kiebitze registriert. Dafür nimmt die Zahl der Gänse offenbar von Jahr zu Jahr zu.

Die geselligen Graugänse, die ein Gewicht von vier Kilo und ein Alter von etwa 20 Jahren erreichen können, treten in Schwärmen auf. Sie sind Vorfahren der Hausgans und gründeln gerne in den Flachgewässern und tummeln sich auf den Wiesen. Im Sammelflug formieren sich die Schwärme über weite Strecken häufig in kraftschonender V-Formation.

Seidenschwänze gesichtet

Auch die große Kanadagans und die bunte Nilgans sind keine seltenen Erscheinungen mehr in der hiesigen Landschaft. Die Gänse fühlen sich offensichtlich wohl in Südhessen.

Das gilt für andere Vögel ebenfalls: Während der Wintermonate können auch Reiher, Höckerschwäne, Enten, Bekassine, Zwergtaucher, Grauammern und jede Menge Rabenvögel beobachtet werden. Auch Gastvögel, wie etwa Odinshühner aus dem Norden, lassen sich zumindest vorübergehend von Vogelkennern in der weiten Landschaft nahe der Gersprenz erspähen.

Wie Heimer weiter berichtet, konnten am Montag am Reinheimer Teich sogar einige Seidenschwänze gesichtet worden. Diese seltenen, rund 18 Zentimeter großen Vögel sind auffällig rostrot gefärbt, haben eine kleine Federhaube auf dem Kopf und einen schwarz-gelben Schwanz. Der Vogel lebt eigentlich in der sibirischen Taiga und flieht vor der Winterkälte nach Süden.

Wer die vielen gefiederten Gäste im Landkreis aus der Nähe sehen möchte, sollte allerdings stets ein Fernglas dabeihaben – auch und gerade auf den Aussichtspunkten. (eda./det.)

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