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Beat-Ära in Darmstadt lebt wieder auf: Yeah, Yeah, Yeah in Heinertown

The Pralins, The Guys, FBI Guitars und die Beathovens. Wer erinnert sich noch an diese Bands aus Darmstadt? Der Musiker Martinus Boll hat ihnen ein Denkmal gesetzt in seinem Buch. Von Frank Schuster

Gearge, Paul, John, Ringo und noch einer? Nein, nein, es sind die Tramps aus Darmstadt.
Gearge, Paul, John, Ringo und noch einer? Nein, nein, es sind die Tramps aus Darmstadt.
Foto: Büchner Verlag

Liverpool hatte die Beatles, Hamburg die Rattles. Und Darmstadt? Martinus Boll, der die Beat-Ära als Teenager miterlebte, fallen da ganz viele Namen ein: The Pralins, The Guys, FBI Guitars, Beathovens, Guardians, The Tramps, The Cheats, Crash, Flintstone Family und und und.

Doch obwohl die Beatszene - wie überall im von Ami-Clubs und dem Soldatensender AFN geprägten Rhein-Main-Gebiet - in Darmstadt groß war, ist heute kaum noch etwas davon bekannt. Deshalb fasste Boll vor vier Jahren den Entschluss, ein Buch über die Beatjahre am Woog zu schreiben.

Zur Person

Martinus Boll, Jahrgang 1952, ist Kontrabassist im Darmstädter Beatles-Streich- quintett. 2001 initiierte er das 1. Internationale Darmstädter Beatles-Festival.

Das Buch "Beat und Rock in Darmstadt 1960-1975" ist im Büchner Verlag erschienen und kostet 12,90 Euro. Heute um 18 Uhr, stellt Boll es im Schlösschen im Prinz-Emil-Garten vor.

Martinus Boll ist Autor des Buches Beat und Rock in Darmstadt 1960-1970.
Martinus Boll ist Autor des Buches "Beat und Rock in Darmstadt 1960-1970".
Foto: Büchner Verlag

Er wühlte in den Archiven von Lokalzeitungen und führte Interviews mit den Protagonisten der Szene. Nun liegt das Ergebnis unter dem Titel "Beat und Rock in Darmstadt 1960-1975" vor. "Es war eine Art Vergangenheitsbewältigung", sagt Boll. "Bei Vielem war ich überrascht, was ich da alles zutage förderte." Es lägen ja mittlerweile 40 Jahre dazwischen. Da sei einiges anders erinnert, manches damals nicht wahrgenommen worden. Die von vielen Kennern als Darmstadts beste Beatkapelle angesehenen The Pralins zum Beispiel, von denen es heute noch beim renommierten Label Bear Family eine CD gibt, habe er nie live gesehen.

In seinem Buch beschäftigt Boll sich mit den verschiedenen Phasen der Musik, mit der sozialen Herkunft der Musiker, mit typischen Zeiterscheinungen wie den "Kapellenwettbewerben" und der wichtigen US-Club-Szene, ohne die die Bewegung in Deutschland nicht denkbar gewesen wäre. Er beschränkt sich dabei nicht auf die klassische Beat-Phase (1963- 1966), sondern beleuchtet auch später aufkommende Stile wie Psychedelic-, Progressive-, Hard- und Kraut-Rock. Ein Extrakapitel widmet er der legendären britischen Band Nektar, die Anfang der 70er für einige Jahre in Seeheim-Jugenheim in einer Landkommune residierte und häufiger mit ihrer psychedelischen Light-Show in Darmstadt zu Gast war. "Nektar war ein Schlüsselerlebnis", sagt Boll. "Da sagten sich plötzlich viele Darmstädter Bands, das können wir auch mal probieren."

Den Sprung in die Professionalität haben die meisten Darmstädter Bands, die meist amerikanische und britische Vorbilder coverten, indes nicht geschafft. Ausnahmen sind Adolf Mink (The Clouds), der heute Kontrabassist beim BBC Symphonic Orchestra in London ist, sowie Bernd Wippich (The Guys) und Andreas Kirnberger (Crash), die heute als Musikproduzenten in München leben. Kirnberger wirkte am Musical "Ludwig II." mit und gilt als Entdecker von Nena.

Autor:  FRANK SCHUSTER
Datum:  28 | 11 | 2008
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