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07. Januar 2016

Bedürftige in Darmstadt: Ein sozialer Zaun für Bedürftige

Die Initiatoren Sabrina Anna Hänsel und Benjamin Nover vor dem Maschendraht mit Hilfsartikeln in der Kaplaneigasse.  Foto: André Hirtz

Benjamin Nover und Sabrina Hänsel starten in Darmstadt eine private Aktion für Bedürftige. Der soziale Zaun soll das vorhandene Angebot für Obdachlose und Bedürftige in Darmstadt ergänzen.

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An einem Maschendrahtzaun in der Darmstädter Kaplaneigasse hinter dem Justus-Liebig-Haus hängen dutzende durchsichtige Tüten. Alle sind beschriftet, sodass man auf den ersten Blick erkennt, was drin ist. Ein Pulli, Größe 36 etwa, oder eine Jeans in 29/34. Auch Zahnbürsten, Besteck und Hundefutter sind vorhanden. Am „Sozialen Zaun“ können sich Bedürftige holen, woran es ihnen fehlt.

Initiiert hat das Ganze Benjamin Nover. Der 35-Jährige hat selbst viereinhalb Jahre auf der Straße gelebt und weiß daher, was Obdachlose brauchen. Inspiriert haben ihn Aktionen aus anderen Städten. „In einigen Städten gab es im Dezember einen ,Warmnachtsbaum‘“, sagt Nover, „da haben Helfer auf eine Wäscheleine Geschenke für Bedürftige gehängt“. Doch auch nach Weihnachten brauchen Obdachlose Hilfe.

„Der Januar ist der härteste Monat“, weiß Nover aus Erfahrung. An Weihnachten und Silvester seien die Menschen großzügig, hätten aber auch viel Geld ausgegeben. „Da ist am Jahresanfang nicht mehr viel übrig.“

Novers Ziel war daher, eine dauerhafte Stelle einzurichten, an der sich Bedürftige bedienen können. „Der Zaun soll das vorhandene Angebot für Obdachlose und Bedürftige in Darmstadt ergänzen“, erläutert er. Die Tüten werden abends nicht abgehängt, sondern sind täglich rund um die Uhr zugänglich. Das hat einen Grund: „Was macht ein Obdachloser, wenn er nachts eine trockene Hose braucht, weil seine im Regen nass wurde?“, nennt Nover ein Beispiel.

Herkunft spielt keine Rolle

Immer wieder bleiben Passanten stehen, betrachten interessiert die bunte Tütenwand. Die meisten Reaktionen sind positiv, doch gibt es auch Kritik und Bedenken. So lobt etwa eine Frau mittleren Alters die Initiative mit dem Hinweis, nun werde endlich nach all der Hilfe für Flüchtlinge etwas für die eigenen Leute getan. Eine Aussage, die Nover so nicht stehen lassen will: „Die Sachen am Zaun sind für alle Menschen, die bedürftig sind. Unabhängig ihrer Herkunft.“

Dass Flüchtlinge und Obdachlose nicht gegeneinander ausgespielt werden, ist auch Sabrina Anna Hänsel wichtig. Die Marketing-Fachfrau unterstützt Nover, kümmert sich ums Administrative und betreut etwa die Facebook-Gruppe „Sozialer Zaun Darmstadt“. „Ich fand die Idee toll und will Menschen helfen“, sagt die 35-Jährige, die sich schon lange ehrenamtlich für andere einsetzt. In den kommenden Tagen entwirft sie Informations-Flyer:. „Wir wollen möglichst viele Menschen erreichen.“

Füllen kann die Tüten jedermann. „Viele haben zuhause brauchbare Kleidung, die sie in Altkleidercontainer schmeißen, weil sie nicht wissen, wohin damit.“ Mit dem Sozialen Zaun, so die Vorstellung, kann jeder nun unkompliziert, anonym und schnell Dinge verschenken, die er nicht mehr benötigt.

„Mit meiner Idee bin ich einfach zum Ordnungsamt gelaufen“, sagt Nover. Dort stieß er auf offene Ohren, die Genehmigung war schnell erteilt. Sie gilt zunächst für vier Wochen. „Ich finde die Idee wirklich gut“, sagt Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne), „jetzt müssen wir abwarten, wie dieses Angebot angenommen wird.“ Auch den Ort hinter der Stadtbücherei hält sie für geeignet. „Er ist zentral und trotzdem geschützt.“ Ein Anliegen, das die Initiatoren teilen. „Wir wollten nicht, dass die Bedürftigen um etwas bitten müssen.“.

Wenn es gut läuft, könnte der Soziale Zaun eine Dauereinrichtung werden. Dafür gibt es Auflagen: Die Tüten müssen durchsichtig sein und dürfen keine Lebensmittel enthalten. Außerdem darf kein Müll herumliegen. Um das zu gewährleisten, schauen die Freiwilligen mehrmals täglich vorbei und räumen auf, wenn es nötig ist.

Treffpunkt für Helfer am Samstag, 9. Januar, 16 Uhr, in der Kaplaneigasse. (stin)

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