"Wir haben die Demo gestern in Frankfurt noch getoppt", sagt Giorgio Nasseh stolz. Die Frankfurter Polizei sprach am gestrigen Mittwoch von circa 1500 Demonstranten in Frankfurt, die hiesigen Ordnungshüter dagegen von 2500 Schülern in den Straßen der Darmstädter Innenstadt.
Tatsächlich waren in Frankfurt an die 3000 bis 4000 Menschen auf die Straße gegangen, in Darmstadt sind es nach Aussagen unabhängiger Beobachter mehr als 3000.
Mit etwa 1000 Teilnehmern hatte Nasseh gerechnet. Die Zahl derer, die am heutigen Donnerstag zur Kundgebung auf dem Luisenplatz erschienen, habe seine Erwartungen völlig übertroffen. So sehr, dass er sich nicht zutraut, sie zu schätzen.
Ihre Kritik richtete sich auch gegen die kommunale Führung, die für den Zustand der Schulgebäude verantwortlich ist. "Viele Millionen für's Darmstadtium und nichts für unserer Schule", war auf Transparenten zu lesen. Auch Redner der Kundgebung griffen das Wissenschafts- und Kongresszentrum unter Beifall als "unnötigen Prestigebau" an.
Davon angesprochen fühlen dürfte sich auch der Landtagskandidat Michael Siebel, der für die SPD im Stadtparlament sitzt, und an der Demo teilnahm. Auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau erklärte Siebel, es sei ein Fehler die Bildungspolitik der Landesregierung und die Kommunalpolitik gegeneinander abzuwiegen. "Ich halte das Darmstadtium für ein richtiges Strukturprojekt." Das Kongresszentrum bringe der Stadt die nötige Wirtschaftskraft, um richtige Schulpolitik zu betreiben. Bei der Demo laufe er mit um seine Solidarität zu bekunden, "dass die Schüler der Meinung sind, dass G8 abgeschafft gehört."
Nach der Kundgebung auf dem Luisenplatz zogen die Schüler über die Wilheminenstraße, Elisabethenstraße, Schulstraße und den Cityring bis zum Darmstadtium. Bis auf zwei Schneebälle, die das Gebäude nicht einmal trafen, hielten sich die Schüler allerdings zurück: Die Schülervertreter zogen es vor auf der Straße weiter Reden zu halten, der Platz vor dem Darmstadtium blieb dagegen frei.
Eine Handvoll Schüler gingen jedoch in das Gebäude, um sich aufzuwärmen oder die Toilette zu benutzen, was die Pförtner zuließen. Erst nach einigen Minuten kamen einige Polizeibeamte dazu und bewachten den Eingang.
Es sei schwierig, die Schüler in dem großen Gebäude zu beaufsichtigen, erklärte Betriebsleiter Ullrich Kordt. "Wer jetzt wirklich dringend auf Toilette muss, kann natürlich rein". Auch Vertreter einer Schülerzeitung durften von den hohen Fenstern die Kundgebung fotografieren. Zum Abschluss zogen die Schüler wieder zurück auf den Luisenplatz.

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