Michael Siebel (SPD), noch eine Woche direkt gewählter Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis 49 (Darmstadt Stadt), wird auch bei der Wahl am 18. Januar wieder antreten "wenn meine Parteifreunde das so wollen".
Gegenüber der Frankfurter Rundschau betonte Siebel, dass er sich selbst zu den Kritikern des zurückliegenden Weges der SPD zähle. Vor diesem Hintergrund habe er in der Frage einer erneuten Kandidatur "zwei Wochen eines sehr schwierigen Prozesses des Nachdenkens" hinter sich.
Seine Entscheidung und die aktuelle Situation der SPD diskutierte Siebel bei einer Informationsveranstaltung, zu der der Landtagsabgeordnete die SPD-Mitglieder seines Wahlkreises am Montag eingeladen hatte.
Siebel bezeichnete die Stimmungslage bei den rund 60 Teilnehmern als eindeutig. So sei das Verhalten der vier "Abweichler" von einer überwältigenden Mehrheit als parteischädigend eingestuft worden.
Außerdem wurde es "als nicht glücklich" erachtet, wenn Siebels SPD-Kollegin aus dem benachbarten Wahlkreis 50 (Darmstadt II), Dagmar Metzger, nochmals zur Landtagswahl antreten würde.
Bis zum Dienstag gab es von der Landtagsabgeordneten zu diesem Thema nur eine vage Andeutung wonach sie zur Verfügung stehe, wenn die Partei das wolle.
Metzgers Wahlkreis umfasst die südlichen Teile der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Dessen SPD-Unterbezirksvorsitzender Klaus Peter Schellhaas geht davon aus, dass Dagmar Metzger im Falle ihrer erneuten Kandidatur auf jeden Fall Gegenkandidaten bekommt.
Schon 2008 war der Wahlkreis SPD-intern umkämpft. Neben Metzger bewarben sich vier weitere Kandidaten. Die Darmstädterin konnte nur mit einer Stimme Vorsprung obsiegen.
An der Veranstaltung am Montag habe auch ex-Oberbürgermeister Peter Benz und sein einstiger Kämmerer Gerd Grünewaldt teilgenommen. Benz wird zum linken Flügel der Partei gerechnet.
Anfang der 80er Jahre lieferte er sich erbitterte Auseinandersetzungen mit Dagmar Metzgers Schwiegervater dem damaligen Oberbürgermeister Günther Metzger, der dem rechten SPD-Flügel zugerechnet wird.
Vor diesem Hintergrund ging auch Benz mit den Abweichlern hart ins Gericht. Vergleichbare Vorgänge wie der Ausstieg der vier Abweichler vom Montag, sei in der Partei ohne Beispiel. Siebel zitiert Benz mit der Feststellung, dieses Verhalten sei "im höchsten Maß illoyal, nicht zu akzeptieren und nicht zu entschuldigen". Für Siebel dennoch kein Grund, eine Spaltung der Partei zu konstatieren. Siebel: "Unterschiedliche Schattierungen gab es schon immer."
Siebel holte sein Landtagsmandat 2003 via Landesliste, weil er Rafael Reißer (CDU) bei der Direktwahl unterlag. 2008 nahm Siebel dem CDU-Mann das Mandat wieder ab. Ohne Absicherung auf der CDU-Landesliste, schied Reißer aus dem Landtag aus.
Dagmar Metzger trat 2008 erstmals bei einer Landtagswahl an und nahm Ex-CDU-Kultusministerin Karin Wolff auf Anhieb das Direktmandat ab. Wolff hat bereits ihre Bereitschaft erklärt, im Januar erneut anzutreten.
Dagmar Metzger ist bisher von keinem ihrer SPD-Ämter zurückgetreten. Sie ist Beisitzerin im Unterbezirksvorstand Darmstadt, stellvertretende Fraktionsvorsitzende in Darmstadt und gehört dem Vorstand ihres Ortsvereins Darmstadt-Eberstadt an.
Zu ihrem Wahlkreis 50 (Darmstadt II)gehören Teile des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Aus den vier dortigen Ortsvereinen ist deutlicher Widerstand gegen eine erneute Kandidatur der Darmstädterin laut geworden. Auch in Darmstadt selbst wächst der Widerstand.

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