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11. Januar 2013

Darmstadt: Ärger um ein Familiengrab

Seit drei Jahren versucht Kurt Breidert vergeblich, ein altes Familiengrab aufzulösen – Anrufe und Schreiben werden von den Behörden erst nach Monaten beantwortet. Die Stadt begründet dies mit der Tatsache, dass auch ein Soldat im Grab liegt.

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Kurt Breidert ist verärgert. Seit mehr als anderthalb Jahren schlägt sich der 56 Jahre alte Wixhäuser mit der Darmstädter Stadtverwaltung herum – wegen der Auflösung eines Familiengrabes.

„Ich weiß nicht, was das für ein Laden ist“, klagt der Frührentner, der schon auf jede Menge Schriftverkehr und Telefonate zurückblicken kann. Und immer noch auf die notwendigen Informationen wartet. „Das kann man doch mit Bürgern nicht machen“, sagt er.

Der Vorgang stellt sich so dar: Ende Mai 2011 erhielt Breiderts pflegebedürftige Mutter Elisabeth ein Schreiben des Grünflächenamts. Darin hieß es, die Nutzzeit des 40 Jahre alten Grabes ihrer Mutter auf dem Wixhäuser Friedhof laufe im Juni ab, ab dann sei eine Jahresgebühr von 128 Euro fällig. Daraufhin schrieben Breiderts der Stadt, dass sie die Auflösung des Grabes wünschen.

Allerdings wiesen sie darauf hin, dass 1971 der im Zweiten Weltkrieg gefallene Bruder dazu gebettet wurde. Und wollten wissen, ob die Einebnung eines solchen Soldatengrabs zulässig ist. Daraufhin hörte die Wixhäuser Familie monatelang nichts. Sohn Kurt hakte mehrmals nach – beim Grünflächenamt, dem Bezirksverwalter, dem Friedhof. Doch gebracht habe das nichts. Mal habe er gehört, die Akte sei weg. Mal, man sei unterbesetzt. „Ich habe mit so vielen Leuten gesprochen – unterbesetzt können die nicht sein“, sagt Breidert.

Erst Ende Oktober 2011 reagierte die Stadt und teilte mit, dass es sich ihrer Prüfung nach nicht um ein Soldatengrab handelt. Denn ab 1965 gelte die Regelung, dass für im Zweiten Weltkrieg gefallene und in einem Familiengrab beigesetzte Soldaten kein ewiges Ruherecht gelte. Das Grab könne also zurückgegeben werden. Aber wie? Nach weiteren Anrufen ohne Ergebnis teilte die Familie dem Grünflächenamt im März mit, dass sie die Grabstätte zurückgeben wolle. Darauf gab es acht Monate lang wieder keine Reaktion.

Kurt Breidert griff erneut zum Telefon. Und schaffte es Ende November schließlich bis zur Leiterin des Grünflächenamts. Die habe das zur Chefsache erklärt. Wenige Tage später kam ein Brief mit einem Formular, das ausgefüllt zurückgeschickt werden sollte. Eine Fachfirma werde dann mit dem Abräumen des Grabes beauftragt. Breidert antwortete am 28. November – und hat seither wieder nichts gehört.

Kurt Breidert möchte die ganze Sache noch zu Lebzeiten seiner mittlerweile 86 Jahre alten Mutter abschließen. Und nun, im mittlerweile dritten Jahr dieses Vorgangs, hat er keine Lust und Nerven mehr. „Ich soll mich nicht aufregen“, sagt Breidert, der zwei Herzinfarkte hinter sich hat. „Aber das regt mich auf.“

Sigrid Dreiseitel von der städtischen Pressestelle der Stadt bekundet Verständnis. Allerdings sei die Verzögerung nicht durch Engpässe in der Behörde begründet, sondern durch die Ungewöhnlichkeit des Falles. Selten sei bei der Auflösung eines Grabes so viel zu recherchieren gewesen. „Trotzdem ist es bedauerlich, dass das so lange gedauert hat“, räumt Dreiseitel ein.

Normalerweise laufe der Vorgang so ab, dass die Nutzer das Grab per schriftlicher Erklärung zurückgeben. Die zentrale Friedhofsverwaltung schließe sich dann mit dem Kollegen des betreffenden Friedhofs kurz, was genau abzuräumen sei. Dann erhalte der Bürger eine Bestätigung und eine Liste von Fachfirmen, die er damit beauftragen kann.

Und eben dieses Schreiben, versichert Dreiseitel, solle nun in wenigen Tagen an die Familie in Wixhausen geschickt werden. Kurt Breidert aber bleibt vorerst skeptisch: „Schauen wir mal, was kommt.“ (aw.)

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