Die neue Initiative Grünes Bündnis Kultur will in Darmstadt die bestehende Vielfalt ausbauen und innovative kulturpolitische Impulse fördern. "Wir wollen einen anderen Pflock zur kulturpolitischen Debatte in Darmstadt setzen", sagte Klaus Feuchtinger, ehemaliger Umweltdezernent, bei der Gründungsveranstaltung.
Zur Vielfalt gehören nach Auffassung Feuchtingers neben den etablierten Einrichtungen auch die freie Szene, die den Grünen besonders ans Herz gewachsen sei. "Wir haben jetzt keine geheime Stadtkasse oder eine schwarze Grünen-Kasse, aus der wir die Kultur finanzieren können", räumte der 59-Jährige ein. Aber man könne auch neue Kulturschaffende unterstützen und Kontakte vermitteln. "Es ist uns ganz wichtig, dass das keine parteipolitische Veranstaltung ist", betonte Feuchtinger.
Fehlende Konzepte
In der Diskussion nach der Vorstellung des neuen Bündnisses wurde kritisiert, dass Darmstadt konzeptlose Kulturpolitik betreibe. "Es ist nur Gefummel da", fand Reiner Lenz, Vorsitzender vom Förderverein Jazz, und blickte auf die Innenstadt. Bauvorhaben würden wie die Saladin-Eck-Hotelpläne nur berechnet, künstlerisch wertvolle Architektur komme zu kurz. "Und dann wird man von einem Bauverein-Vorstand abgebügelt, der bei den Grünen ist", erinnerte er an Hans-Jürgen Braun. "Wo ist der Kulturdezernent?", fragte ein anderer und kritisierte, dass Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) dieses Dezernat aus seiner Sicht nur "nebenbei" führe.
Ein Blick in den vergangenen Haushalt zeigt, dass die freie Kulturszene rund 240 000 Euro aus dem 34 Millionen Euro schweren Kultur-Etat bekommen hat. Werden noch andere Gruppen wie Chöre berücksichtigt, ergibt sich eine Summe von rund 500 000 Euro.
Projekte unterstützen
Klaus Lavies vom Hoff-Art Theater riet, sich nach Unterstützung umzuschauen. "Was die Stadt nicht kann, kann die Sparkasse", verwies er auf einen 105 000-Euro-Fördertopf. Gremien müsse man bei der Stadt genauso wie bei der Bank überzeugen. Er warb für kreative Ideen, um Geld für die Kultur zu beschaffen. Beispielsweise 50 Cent von jeder Staatstheater-Eintrittskarte für die freie Szene. Bei 250 000 Zuschauern im Jahr käme so einiges zusammen.
Die Grünen-Landtagsabgeordnete Sarah Sorge sah im Streichen kleiner Projekte das Bonmot "Viel Geld ist viel da, wenig Geld ist wenig da" bestätigte sie. 1000-Euro-Projekte würden schneller gestrichen als Millionenprojekte. Sie warnte aber davor, sich in der Kulturszene gegenseitig die Mittel absprechen zu wollen. Man müsse sich für die Kultur generell stark machen. (mawi)

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