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Darmstadt-Dieburg: Arbeit im Ausland bringt Leute auf Trab

Junge Leute, die hierzulande auf dem Arbeitsmarkt schwer zu vermitteln sind, schickt der Kreis Darmstadt-Dieburg ins Ausland. Das Konzept scheint aufzugehen. Jessica Mienack war in Griechenland.

Die Akropolis in Griechenland
Die Akropolis in Griechenland
Foto: dpa

Jessica Mienack aus Pfungstadt ist begeistert von ihrem achtwöchigen Aufenthalt in Griechenland. Vieles lief für die 25-Jährige bisher nicht nach Plan. Dann bekam sie die Chance, an einem Auslandsprojekt teilzunehmen. "Ich habe einen Schreck bekommen und fürchtete, im fremden Land ohne Freunde und Familie überhaupt nicht mehr zurecht zu kommen", erzählt die junge Frau. Heute kann sie darüber lachen.

Integration durch Austausch (IDA) heißt das Projekt der Kreisagentur für Beschäftigung im Landkreis Darmstadt-Dieburg, das im Oktober 2009 als Pilotprojekt mit dreijähriger Laufzeit an den Start ging. Es will frischen Wind und neue Motivation ins Leben junger Menschen bringen, die auf dem Arbeitsmarkt schwer zu vermitteln sind.

Kosten

70 Programme setzen deutschlandweit auf Austausch als Qualifizierung. Die Kosten hierfür liegen bei insgesamt 75 Millionen Euro. An den Kosten sind der Europäische Sozialfonds und das Bundessozialministerium beteiligt.

Mit 225 000 Euro beteiligt sich der Landkreis am Programm der Kreisagentur, das insgesamt 1,5 Millionen Euro kostet. Im Kreis haben derzeit 5474 Menschen keine Arbeit, 1080 von ihnen sind unter 25 Jahre. (lot)

Bis 2012 sollen 150 Arbeitssuchende zwischen 18 und 32 Jahre ins Ausland geschickt werden. 27 junge Leute haben bislang an IDA-Einsätzen in Italien und Griechenland teilgenommen, eine zwölfköpfige Gruppe bereitet gerade ihren Aufenthalt in Österreich vor.

Neues Selbstvertrauen

Das Projekt wird durch Sozialpädagogen des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft vor Ort begleitet. Rolf Klatta, Leiter im Benachteiligten-Management des Bildungswerks, sagt: "Der Auslandsaufenthalt ist ein Selbstständigkeitstraining, das die Sichtweisen junger Menschen verändert. Manche brauchen eben einen Klick, bevor es voran geht."

Jennifer Göttmann hat das Konzept mit entwickelt. "Wir wollen denjenigen den Weg in die Arbeitswelt ebnen, deren Schullaufbahn und psychosoziale Entwicklung Brüche aufweist." Die Beteiligten haben bereits an Fördermaßnahmen teilgenommen, ohne dass sie vermittelt werden konnten.

"Jetzt haben sie den Mut gefasst, ihr Köfferchen zu packen, um sich ins Unbekannte zu begeben. Das ist ein großer Schritt." Oliver Hegemann, Leiter der aktivierenden Hilfe der Kreisagentur, ergänzt: "Formale Qualifikation haben die meisten, doch es fehlt an Arbeitsmarktreife. Durch die Arbeitsmaßnahme in fremder Umgebung werden Sozialkompetenz, Flexibilität und Selbstvertrauen gestärkt."

Das Konzept scheint aufzugehen. Drei IDA-Absolventen haben bereits einen Ausbildungsplatz gefunden, drei weitere sozialversicherungspflichtige Jobs, zwei wollen den Realschulabschluss nachholen. Jessica Mienack hat in Griechenland in einem Restaurant gearbeitet und bewirbt sich jetzt für die Ausbildung als Hotelfachfrau und Arzthelferin. (lot)

Für die IDA-Absolventen werden noch Ausbildungsplätze gesucht. Informationen gibt es unter 06151/8815230.

Datum:  29 | 6 | 2010
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