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Darmstadt-Dieburg: Der Liftbetreiber gibt auf

Kälte allein reicht nicht: Liftinhaber Peter Wendel will seinen Skilift auf der Neunkircher Höhe nicht mehr laufen lassen. Schnee werde eben immer seltener, sagt er.

Nur massig Schnee kann Peter Wendel umstimmen, den Schlepper noch mal anzuschalten.
Nur massig Schnee kann Peter Wendel umstimmen, den Schlepper noch mal anzuschalten.
Foto: Karl-Heinz Bärtl

Auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg gibt es nun ein unübersehbares Zeichen für den weltweiten Klimawandel. Der im Jahr 1965 gebaute, 300 Meter lange Skilift auf der Neunkircher Höhe soll ab dieser Saison nicht mehr laufen.

"Das Geschäft ist zuletzt immer schlechter geworden, der Schnee immer seltener. In den letzten fünf bis acht Jahren hat das alles schon gar nichts mehr gebracht", sagt Liftbetreiber Peter Wendel gestern. "Jetzt wollen wir nicht mehr."

Wendel fällt die Entscheidung nicht leicht. "Ich erinnere mich noch, wie mein Vater, der frühere Bürgermeister, den Lift für 48.000 Mark gekauft hat. Damals war ich gerade 16." Eigentlich müsse man ja nur auf den Knopf drücken und das Ding laufe.

"Aber vor einem Sasionstart gibt es Vorarbeiten, für die ich 14 Tage brauche. Und bis jetzt habe ich noch nichts getan." Wendel zählt auf, dass er unter anderem noch Absperrungen bauen und Hecken schneiden müsste. "Das Einhängen der Bügel wäre noch das wenigste und in einem Tag erledigt."

Wendel hat durchaus sein Ohr am Wetterbericht und weiß auch, dass die Meteorologen derzeit einen Kälteeinbruch für wahrscheinlich halten. "Aber Kälte reicht nicht, es müsste ja auch viel schneien. Erst wenn mir jemand sagt, dass wir vier Wochen dauerhaft Schnee und Frost bekommen, würde ich vielleicht noch mal überlegen."

Wendel und sein Kompagnon tragen sich schon länger mit dem Gedanken, die Sache hinzuwerfen. Da der Lift aber "nichts mehr wert ist und die Hoffnung zuletzt stirbt", bleiben die Stützen noch stehen. Die Idee, den Lift zu verkaufen, sei illusorisch. "Nicht einmal Tschechien, Rumänien oder Jugoslawien haben Interesse", sagt Wendel. "Die nehmen nur Anlagen vom Sessellift aufwärts." Die Blütezeit des Neunkircher Lifts sei Anfang der 80er Jahre gewesen, sagt der Betreiber. "Da hatten wir viele Abende mit Flutlichtbetrieb."

Inzwischen funkt nicht nur der Klimawandel, sondern auch der gesellschaftliche Wandel dazwischen. Selbst wenn genügend Schnee liegt, "schauen wir zu, wie sich der Lift leer dreht", weil keine richtigen Skiläufer mehr kommen. "Entweder sind die Rodler da oder kleine Kinder, die in die Spur stürzen, so dass wir anhalten müssen." Die Mamas oder Papas dagegen würden abwinken. "Wir fahren lieber in der Schweiz oder in Österreich."

Freiluft-Eisbahn verschiebt Saisonstart

Nicht nur auf dem höchsten Berg des Landkreises, sondern auch im Tal hinterlässt der Klimawandel seine Spuren. Die einzige Freilufteisbahn der Region in Roßdorf hat angesichts des milden Dezembers den Saisonstart um eine Woche auf Samstag, 19. Dezember, verschoben. "Es ist der jährliche Kampf mit dem Wetter", berichtet Bürgermeisterin Christel Sprößler.

Obwohl zum Wochenende ein Wetterumschwung in Sicht sei, sei der nächste realistische Saisonbeginn erst mit Beginn der Weihnachtsferien. "Wir brauchen eine Woche Zeit, um das Eis zu präparieren. Dazu darf es höchstens plus fünf Grad sein."

Zweistellige Werte um die zehn Grad, wie sie aktuell auftreten, verkrafte die "betagte Dame Eismaschine" nicht. Sprößler hält gerade angesichts des Klimawandels nichts davon, die Eisfläche trotz frühlingshafter Temperaturen mit extremem Energieaufwand herzustellen. "Uns drängt ja nichts. Wir bieten den Service nur an, wenn das Wetter mitspielt." (sami)

Datum:  9 | 12 | 2009
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