Selbst an Heiligabend hat Wilhelm Neff am Taubenhaus gearbeitet. Das sei schließlich ein halber Arbeitstag, sagt der 71-jährige Groß-Umstädter und pensionierte Fachlehrer der Landrat-Gruber-Schule. Insgesamt 350 Stunden hat Neff gebaut. Ehrenamtlich. Am Donnerstag wurde das Taubenhaus am Parkplatz "Auf der Leer" eingeweiht.
Die Stadt Dieburg hat Ärger mit ihren Tauben. Vor allem die Stadtkirche, das Rathaus und den Mühlturm beschmutzen die Vögel. "Das Problem ist, dass es einige Leute gut meinen und die Tauben füttern", sagt Bürgermeister Werner Thomas (parteilos). Mit dem neuen Taubenhaus soll das anders werden.
Der Magistrat hat gerade eine sogenannte Taubenfütterunsgssatzung beschlossen. Danach soll es künftig verboten sein, die Tauben zu füttern. Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Am 16. März entscheidet die Stadtverordnetenversammlung über die neue Satzung. Das neue Taubenhaus ist für den Bürgermeister die Voraussetzung, um in der Stadt ein Fütterverbot auszusprechen.
"Hier füttern wir", sagt Thomas. Ein Mitarbeiter des Bauhofs wird das Taubenhaus regelmäßig kontrollieren und Futter ausstreuen. Wenn erst einmal Tauben eingezogen sind und hier nisten, will die Stadt auch die Geburtenkontrolle übernehmen. Also die Eier herausnehmen und durch Gipseier ersetzen.
Während andere Kreis-Kommunen wie zum Beispiel Weiterstadt, Reinheim und Groß-Umstadt keine Probleme mit Tauben haben, kämpft Darmstadt schon seit Jahren mit dem Federvieh. Von 2003 bis 2006 fütterte die Stadt sogar eine Antibabypille, musste jedoch damit aufhören, da dem Medikament die Zulassung fehlt.
Gestern teilte die Stadt auf Nachfrage mit, sie plane mittlerweile ebenfalls, Taubenhäuser in der Innenstadt aufzustellen. Bereits im März 2007 habe der Magistrat dazu eine Arbeitsgemeinschaft aus Tierschützern und vier verschiedenen Ämtern eingesetzt. Das Problem sei jedoch die große Population, sagte Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel.
"Insgesamt gibt es 3000 Tauben in der Stadt, der größte Schwarm am Luisenplatz hat geschätzte 500 Tiere." Ein Taubenschlag müsse dementsprechend groß sein. Einen solchen auf dem Dach des Luisencenters zu errichten, sei nicht möglich, sagt Dreiseitel. Das Management befürchte Schäden an den Lüftungsanlagen. Zudem müssten die Mieter zustimmen. Vieles spricht für ein Taubenhaus unter dem Dach des Regierungspräsidiums am Luisenplatz, zumal die Stadt dort einziehen will. Auf dem Rathaus ist dies nicht möglich: "Dort sind auch noch andere Mieter im Haus", sagt Dreiseitel.
Eine andere Möglichkeit wäre das Schloss. Derzeit liefen Gespräche mit der Eigentümerin - der Technischen Universität Darmstadt. Allerdings sei das Präsidium noch nicht eingebunden. Zunächst müsse geklärt werden, ob es dort überhaupt einen geeigneten Standort gebe.
Dreiseitel ruft auf: "Wir wünschen uns Angebote und Vorschläge der Bürger. Vielleicht hat jemand einen Dachboden, den er dem Tierschutz zur Verfügung stellen will."
Kontakt über das städtische Umwelttelefon: 06151 / 133 313

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