Kliniksterben.de ist eine Website im Internet, die sich als Chronik eines angekündigten Todes versteht: Dort sind Kliniken aufgelistet, die geschlossen oder aufgekauft wurden. Wirtschaftsprüfer warnen, dass etwa jedes fünfte Haus an mangelnder Wirtschaftlichkeit krankt. Viele Kliniken rüsten sich mit Kooperationen für den Wettbewerb - die Darmstädter Krankenhäuser sind da keine Ausnahme.
"Nur noch Universitätskliniken können heute die gesamte Bandbreite der medizinischen Versorgung anbieten", sagt der kaufmännische Geschäftsführer des Alice-Hospitals, Richard Röhrig. Das Haus in der Dieburger Straße ist - wie das Marienhospital - ein Belegarzthaus. Belegärzte sind niedergelassene Ärzte, die ihre Patienten nicht nur ambulant, sondern in Kliniken auch stationär behandeln. "Wir kooperieren seit 125 Jahren mit niedergelassenen Ärzten", so Röhrig. Einige von ihnen arbeiten in Ärztehäusern auf dem Klinikumgelände.
Das Alice-Hopital ist ein Belegarztkrankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit 146 Betten. Träger ist die Stiftung Alice-Hospital vom Roten Kreuz zu Darmstadt.
Das Evangelische Elisabethenstift ist mit 393 Betten nach dem Klinikum das zweitgrößte Krankenhaus in Darmstadt. Es wird seit 1995 als gemeinnützige GmbH geführt. Gesellschafter sind die Stiftung Elisabethenstift, das Evangelische Dekanat Darmstadt-Stadt und die Agaplesion gemeinnützige AG.
Das Klinikum Darmstadt ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung und Akademisches Lehrkrankenhaus mit 785 Betten und knapp 2000 Mitarbeitern. Seit vergangenem Jahr ist das kommunale Haus eine gemeinnützige GmbH. Die Stadt ist Alleingesellschafterin.
Das Marienhospital ist ein gemeinnütziges Belegkrankenhaus mit 115 Planbetten und wird vom Verein der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung Mainz geführt. (hin)
"Für die Ärzte hat die enge Anbindung an uns wirtschaftliche Vorteile", erklärt Röhrig. Sie könnten etwa Geräte des Klinikums nutzen. Die Patienten profitierten von der engen Verbindung zur Klinik und den Synergieeffekten. Die Abläufe seien effizienter, die Wege kürzer, die Betreuung durch die Belegärzte intensiver. "Es gibt keine häufig wechselnden Ansprechpartner."
Das Modell sei ein Selbstläufer, sagt Röhrig: Auf dem Gelände des Alice-Hospitals entstehen gerade ein drittes und ein viertes Ärztehaus.
Günstigere Einkaufspreise
Wenn es um das Thema Kooperationen geht, steht Röhrig auch beim Klinikum Darmstadt und dem Agaplesion-Elisabethenstift nicht vor verschlossenen Türen. Paradebeispiel sind die Kinderkliniken Prinzessin Margaret: Die Intensivstation bildet zusammen mit der Frauenklinik des Klinikums das Südhessische Perinatologische Zentrum.
Und auch, was Labor- und Medizintechnik betrifft, erledigen die beiden Häuser die Einkäufe zusammen. "Da erreichen wir ganz andere Preise."
Gut funktioniere auch die Zusammenarbeit von Alice-Hospital mit dem Elisabethenstift, etwa beim Herzkatheterlabor. "Wir hatten zwei Möglichkeiten", sagt Michael Keller, Geschäftsführer des Elisabethenstifts: "Entweder wir gehen in den direkten Wettbewerb, oder wir arbeiten zusammen." Beim Thema Katheterlabor sei schnell klar geworden, dass sich zwei Standorte nicht lohnen.
"Die Zusammenarbeit läuft in Darmstadt sehr gut", sagt Röhrig. Im Umland dagegen tobe zum Beispiel der "Katheter-Krieg" zwischen dem St. Rochus-Krankenhaus in Dieburg und der Kreis-Klinik in Groß-Umstadt. Beide investieren 1,5 Millionen Euro in einen Kathetermessplatz - dabei sind sie nur wenige Kilometer voneinander entfernt.
Ärzte fürchten die Konkurrenz
Zur Standortsicherung in Darmstadt gehören auch überregionale Kooperationen: Im Jahr 2002 hat das Elisabethenstift mit den Frankfurter Diakoniekliniken einen Verbund gegründet. Mittlerweile gehören ihm bundesweit 20 Kliniken, 20 Altenpflegeeinrichtungen und mehrere Krankenpflegeschulen an. Es gibt ein Ärztehaus und ein Darmzentrum.
Letzteres ist für Keller ein Musterbeispiel einer Kooperation mit externen und internen Partnern: Unter anderem treffen sich Ärzte aller Fachgruppen im Darmzentrum regelmäßig zu Fallkonferenzen. Ein ähnliches Modell gibt es im Klinikum Darmstadt. Als onkologisches Schwerpunktkrankenhaus gibt es dort gemeinsame Konferenzen mit Ärzten aus mehreren Kliniken in ganz Südhessen.
Kritik an den Kooperationsmodellen der Kliniken kommt von niedergelassenen Ärzten. Viele von ihnen fürchten die Konkurrenz, wenn Kliniken etwa durch die Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums mit angestellten Ärzten versuchen, Patienten aus dem ambulanten Bereich zu gewinnen. Ein solches Zentrum betreibt etwa das Elisabethenstift als Tochterunternehmen.
Auch Jürgen Banzer (CDU), hessischer Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit, warnt davor, dass Kliniken zu Gesundheitszentren werden und die medizinische Versorgung dominieren. Er plant deshalb im Krankenhausgesetz, das in diesem Jahr novelliert werden soll, den Kommunen und Landkreisen beim Thema Sicherstellung eine größere Rolle zuzuschreiben. (hin)

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