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Darmstadt
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15. Februar 2016

Darmstadt: Günstig für Mensch und Natur

In der Lincoln-Siedlung entstehen 40 neue Sozialwohnungen mit Modellcharakter.  Foto: Guido Schiek

40 neue Sozialwohnungen werden energieeffizient geplant / Pauschale Nebenkosten.

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Im Rahmen eines Modellprojekts sollen in der Darmstädter Lincoln-Siedlung 40 neue Sozialwohnungen zu besonders günstigen Bau- und Mietnebenkosten entstehen. Erreicht wird das durch eine Reduzierung der Arbeitszeit und des Energieverbrauchs. 2017 könnte Einzug sein. Die Mieter in den neuen Sozialwohnungen sollen im Monat nur noch pauschal zwei Euro pro Quadratmeter für sämtliche Nebenkosten bezahlen – statt derzeit fünf Euro, die laut einer Statistik des Mieterbunds im Schnitt dafür fällig werden. Bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung würden die Nebenkosten somit von rund 350 Euro auf 140 Euro monatlich minimiert.

Möglich wird das durch energiesparende Technik sowie eine Reduktion des Wasser- und Stromverbrauchs. So erklärte es Folkmer Rasch vom Darmstädter Architekturbüro „Faktor 10“, welches das Projekt mit Stadt und Neuer Wohnraumhilfe auf dem Gelände der Lincoln-Siedlung realisieren will.

Verbrauch über Monitor überwachen

Die Wohnungen sollen etwa mit stromsparenden Geräten ausgestattet werden. Dazu gehört auch der Einbau energieeffizienter Küchen oder die Verwendung von LED-Licht. Für die Toilettenspülung, die 40 Prozent des Wasserverbrauchs ausmache, soll statt Frischwasser aufbereitetes Brauchwasser genutzt werden.

Doch auch die Bewohner sind gefragt. Gegen Zahlung der Nebenkostenpauschale stehen jeder Person 20 Kubikmeter Wasser im Monat zur Verfügung. Laut Raschs Erfahrung mit anderen Objekten wird das zumeist reichen. Wer mehr brauche, könne sich mehr hinzukaufen. Dasselbe gelte für den Strom. Dieser werde auf 1000 bis 1500 Kilowattstunden pro Haushalt jährlich festgelegt, was bei Ein- bis Zwei-Personen-Haushalten gut funktioniere. Bei Bedarf müsse zugekauft werden, doch blieben die Nebenkosten auch dann deutlich unter den üblichen. „Wir sind der festen Überzeugung, dass das bei 80 bis 90 Prozent der Bewohner funktioniert.“

Über einen Monitor im Flur können die Mieter ihren Verbrauch überwachen. Und wenn jemand sein Kontingent überschreitet und nicht zukaufen will, stünde immer Strom für Licht, Kühlschrank und Radio sowie Trinkwasser parat.

„Wir sehen das auch als Chance, die Menschen zu entbürokratisieren“, befindet Doreen Petri von der Neuen Wohnraumhilfe. Bislang müssten sie für Strom oder GEZ-Gebühren selbst zahlen und teils Zuschussanträge stellen. Das falle durch die Pauschale weg. Auch eröffne die Energiereduzierung die Möglichkeit, das Bewusstsein der Bewohner dafür mit sozialpädagogischer Unterstützung zu fördern.

„So was gibt es im sozialen Wohnungsbau zumindest in Darmstadt noch nicht“, lobt Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne), und spricht von einem „hohen Wohnkomfort bei geringer Mietbelastung“. Die Stadt trage 10 000 Euro bei zur Finanzierung dieses ökologisch-sozialen und „auch in der Umsetzung intelligenten Sparprojekts“.

Laut Architekt Folkmer Rasch sollen schon die Baukosten deutlich niedriger ausfallen – durch eine Reduzierung der Arbeitszeit um 25 bis 30 Prozent. Dies werde erreicht durch „eine andere Art von Logistik“. Man beschreite hier einen „innovativen Weg“, um den Zuzug sozial und ökologisch zu bewältigen, sagt Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne).

Das Land Hessen will sich mit fast fünf Millionen Euro beteiligen. Sofern man den Zuschlag für das Grundstück in der Lincoln-Siedlung erhalte, könnte der Bau 2017 erfolgen. Geplant ist auch eine wissenschaftlich-forschende Begleitung des Projekts. Wenn es so erfolgreich läuft wie prognostiziert, sollen die Erkenntnisse laut Partsch „Einzug in den angekündigten Neubau von 10 000 Wohnungen bis zum Jahr 2020 finden“. (aw)

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