Politische Zuordnungen von Reisezielen interessieren Urlauber nicht. Das hat Anja Herdel auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin gerade erst wieder bestätigt bekommen. "Der Kunde hält sich nicht an Destinationsgrenzen", sagt die Geschäftsführerin der Stadt-Tochter Darmstadt Marketing GmbH, "für ihn endet beispielsweise die Bergstraße erst in Mannheim."
Mit zwei Mitarbeiterinnen hat Herdel auf der Reisemesse für Darmstadt als Tourismusziel geworben. Dass solche Aktionen nur in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Region sinnvoll sind, gilt bei Tourismusfachleuten längst als Binsenweisheit - nur an der Umsetzung hapert es hier und da noch. Die zum dritten Mal gemeinsam veranstalteten Messen Touristica und Internationale Apfelweinmesse am kommenden Wochenende im Darmstadtium wollen diese Kooperation weiter verbessern.
Städtereisen seien im Trend, berichtet Herdel von der ITB. Nach den klassischen Zielen wie Frankfurt, Hamburg und München suchten viele Veranstalter nach Alternativen. Das könne eine große Chance sein. Viele Unternehmen veranstalteten mehrtägige Busreisen und kämen dabei auch durch Darmstadt. Doch: "Busreiseveranstalter wissen zwar, dass es in Darmstadt den Jugendstil gibt, aber außer diesem Einzelpunkt ist da wenig Fundament", bedauert Herdel.
Mit Geo-Rangern auf Tour
Wegen der Nachfrage nach Zielen in der Umgebung kommt hier auch die Region ins Spiel. Unter dem Stichwort Natur pur würden zum Beispiel von Geo-Rangern geführte Wanderungen am und ums Felsenmeer im Odenwald immer beliebter. Auch Besuche bei Elfenbeinschnitzern und anderen Handwerkern in Erbach oder eine Visite beim in Michelstadt lebenden Weltmeister der Konditoren seien stark nachgefragt. Die Bergstraße punktet mit Programmen wie "Burgen, Schlösser, Wein" und dem Blütenwanderweg. In Darmstadt selbst seien neben der Mathildenhöhe das Europäische Raumflugkontrollzentrum Esoc und andere wissenschaftliche Einrichtungen attraktive Ziele.
Eine immer größere Rolle bei den Anfragen spielten auch die Grube Messel wegen der Fossilienfunde und das Heimatmuseum. Die für den Sommer geplante Eröffnung des Besucherzentrums am Weltnaturerbe bringe vermutlich einen weiteren Aufschwung.
Die meisten Darmstadt-Pakete gingen von Donnerstag bis Sonntag. Viele Tagesbesucher kämen später wieder, um sich Stadt und Land näher und länger anzuschauen.
Studie soll Zahlen liefern
Neben dem typischen Städtereisenden - ab 30 und vor allem kulturell interessiert - verzeichne Darmstadt auch einen Zustrom von Familien, berichtet Herdel. Mit dem Bioversum habe man einen Superspielplatz. Die Auslastung der 3200 Hotelbetten in 33 Betrieben - der Durchschnittsgast bleibt zwei Tage - ist nach Herdels Angaben sehr gut. Aussagekräftige Zahlen liegen allerdings nicht vor, räumt Herdel ein. Dem soll demnächst eine umfassende Tourismusstudie abhelfen. (ryp)Touristica und Internationale Apfelweinmesse im Darmstadtium stehen Besuchern von Freitag bis Sonntag, 19. bis 21. März, offen.

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