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11. Januar 2013

Darmstadt: Kampf gegen Tauben

Vor allem am Luisenplatz und am Hauptbahnhof halten sich große Schwärme auf.  Foto: Claus Völker

Mitte November 2011 wurde bei einer generalstabsmäßig vorbereiteten Aktion die Tauben in der City gezählt. Ergebnis: 5000 Vögel auf 38 Plätzen. Die Plage soll nun mit städtischen Taubenschlägen und Gips-Eiern bekämpft werden.

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Wie in vielen Städten haben sich auch in Darmstadt die Tauben zu einer Plage entwickelt. Was manche Tierfreunde erfreut, beschert Hausbesitzern enorme Kosten durch die Beseitigung von Taubendreck. Deshalb hat der Magistrat im Mai 2008 – damals regierte noch die Ampel-Koalition – beschlossen, die Taubenplage nach dem Vorbild des sogenannten Augsburger Modells zu bekämpfen.

Augsburg hatte Mitte der 90er Jahre städtische Taubenschläge eingerichtet, in denen die Tiere artgerecht ernährt werden, deshalb dort den größten Teil des Tages verbringen und auch ihren Kot hinterlassen. Durch den Austausch der Taubeneier mit Gips-Attrappen wird zudem der Bestand dezimiert. Die Stadt bezahlt das Futter und zahlt freiwilligen Helfern, die sich um die Taubenschläge kümmern, eine kleine Entschädigung. Dafür spart sie Reinigungskosten und Ausgaben für spezielle Gitter und andere Abwehrmaßnahmen an Gebäuden und Denkmälern.

Von solchen Ideen, die mittlerweile rund 40 größere Kommunen übernommen haben, hatte sich auch die städtische Arbeitsgruppe „Tierschutzgerechte Regulierung der Stadttaubenpopulation“ überzeugen lassen. So gelang es am Frankfurter Westbahnhof, mit der Einrichtung eines betreuten Taubenschlags die Population binnen fünf Jahren um 85 Prozent zu reduzieren. „Das Konzept gilt es jetzt mit Leben zu füllen“, verlangte die damalige umweltpolitische Sprecherin der mitregierenden Grünen und heutige Stadtverordneten-Vorsteherin Doris Fröhlich.

Doch das blieb bisher ein frommer Wunsch. Lange Zeit geschah nichts, außer dass eine innerstädtische Arbeitsgruppe tagte. An den Sitzungen nahmen unter anderem auch Vertreter des Bundesverbands Menschen für Tierrechte und die Bundesarbeitsgruppe Stadttauben teil.

Die AG entwickelte ein Konzept nach Augsburger Vorbild, das mit Darmstädter Firmen und Geschäften der Innenstadt, Vertretern der Technischen Universität (TU) Darmstadt, der staatlichen Vogelschutzwarte, der Geschäftsführung des Citymarketing-Vereins und des Gesundheitsamtes unter Federführung des städtischen Umweltamtes abgestimmt und vereinbart wurde.

Dann wurden Mitte November 2011 bei einer generalstabsmäßig vorbereiteten Aktion die Tauben in der City gezählt. Der Diplom-Biologe Björn Kleinlogel, Inhaber eines Darmstädter Schädlingsbekämpfungsunternehmens, und 44 Helfer fotografierten am 16. November um exakt 9.45 Uhr (jeder Helfer hat einen Funkwecker bei sich) an verschiedenen Standorten die Taubenschwärme. Die Auszählung ergab rund 5000 Tauben an 38 Plätzen. Die größten Schwärme wurden am Luisenplatz und am Hauptbahnhof registriert.

Der Magistrat stellte daraufhin in einem weiteren Beschluss Ende November vergangenen Jahres einmalig 8000 Euro für die Einrichtung von Taubenschlägen zur Verfügung sowie für die Dauer von fünf Jahren jährlich weitere 4800 Euro. Die Einrichtung eines Schlags in einem Dachgeschossraum kostet laut Magistrat 2000 bis 3000 Euro.

Bleibt die Betreuung. Nach Angaben der städtischen Pressesprecherin Eva Bredow-Cordier „zeigen einige Darmstädter Einrichtungen und Firmen Interesse an der Reduzierung der Taubenpopulation durch solche Schläge, wollen aber noch nicht genannt werden“.

Hatte die Stadt anfangs noch die Hoffnung, ehrenamtliche Helfer – beispielsweise beim Brieftaubenzüchter- und dem Tierschutzverein – zu finden, hat sich dies anscheinend zerschlagen. Abschreckend dürften die vertraglichen Vereinbarungen wirken, die die Stadt von Taubenbetreuern fordert. Und so flattern die Tauben weiter fröhlich durch die Lüfte. Von Gipseiern und städtischen Schlägen keine Spur. (ryp.)

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