In den 70er Jahren entstanden in Kranichstein zwei Einkaufszentren. Während sich das Zentrum am See positiv entwickelt hat, fehlen am Fasaneriezentrum wenige hundert Meter weiter die Kunden.
So wie an diesem Tag: Es ist Einkaufszeit. Doch die Passage im Fasaneriezentrum an der Ecke Siemensstraße/Bartningstraße ist nahezu leer. Ein Kunde läuft durch den Gang. Vor dem Secondhandladen für Kindersachen stapeln sich Kuscheltiere in einem Regal. Die Tische im benachbarten Pizza-Haus-Service sind leer. „Zu verkaufen“ steht auf einem Blatt Papier am Schaufenster der verlassenen Bäckerei. „Es ist nicht so richtig einladend hier“, sagt ein Kranichsteiner, der im türkischen Lebensmittelladen eingekauft hat.
Das gleiche Urteil fällt der Gewerbeverein. „Steril“, sagt Ulrike Poth, die stellvertretende Vorsitzende. Das Ambiente müsse sich ändern.
Längst hat das Einkaufszentrum am See dem Fasaneriezentrum den Rang abgelaufen. Dabei gab es durchaus Versuche, die Geschäftsansiedlung unter den Hochhäusern aufzuwerten. Zu sehen ist dies an der Aufschrift „Fasaneriepassage“, die auf hellgrünem Untergrund an der Fassade prangt. „Wir haben einiges getan“, sagt Jens Vitt, Geschäftsführer der Wohnungsverwaltungs- und Vermietungsgesellschaft Darmstadt (WVVG), die für die Immobilie zuständig ist.
Gewerbeverein engagiert sich
Ein neuer Fassadenanstrich, eine bessere Beleuchtung und ein neues Pflaster. Schaufenster sind nicht mehr komplett zugeklebt, es gibt eine einheitliche Farbe. 250 000 Euro hat die WVVG in den vergangenen Jahren investiert. Auch Geld aus dem Programm Soziale Stadt ist in das Fasaneriezentrum geflossen.
„Unsere Mitglieder und Kunden, aber auch der Gewerbeverein Kranichstein sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden“, sagt Gewerbevereinsvorstand Poth. Denn geändert hat sich offenbar wenig. „Hier ist nicht mehr viel los“, sagt die Verkäuferin in dem Lebensmittelmarkt mit südländischen Spezialitäten. Vor zwei Jahren sei das noch besser gewesen.
Ist die Nähe zum Discounter Lidl von Nachteil? Peter Schäfer, der in der Passage einen Markt mit überwiegend russischer Ware betreibt, glaubt das nicht. „Im Gegenteil, dadurch gibt es Laufkundschaft“, sagt er.
Änderungsvorschläge gibt es durchaus. Schäfer könnte sich beispielsweise eine bessere Werbung vorstellen. Die vier Hinweisschilder an den Zugängen seien zu klein. Die Betonwände neben den Treppenaufgängen stören Apotheken-Inhaber Volker Buffleb. „Wenn die weg sind, kann man besser sehen, dass es hier noch Geschäfte gibt“, lautet sein Vorschlag. Mit der Mauer drumherum „sitzen wir wie auf einer Festung“, sagt seine Mitarbeiterin Iris Dosch. Die Rüsselsheimerin Lydia Zeller, die eigens in den russischen Mixmarkt kommt, könnte sich zudem weitere Geschäfte vorstellen, um das Zentrum attraktiver zu machen.
Die Möglichkeiten scheinen begrenzt. In den nächsten Jahren plant die WVVG nach eigenen Angaben keine weiteren Investitionen in das Ambiente. „Wir sind kein Centermanagement und haben nicht solche Möglichkeiten“, begründet Vitt das Vorgehen. Er sieht allerdings auch die Ladenbesitzer in der Pflicht. Diese könnten auch etwas für das äußere Erscheinungsbild tun.
„Es sind alle Beteiligten in der Pflicht, etwas zu bewegen“, sagt Ulrike Poth. Der Gewerbeverein sei deshalb an einem Gespräch über die Zukunft des Fasaneriezentrums interessiert. (rf./mawi.)

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