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Darmstadt: Schlamm nach Offenbach

Vor mehr als vier Monaten hat die 1,3 Millionen Euro teure Entschlammung des Steinbrücker Teichs begonnen, sämtliche Fische wurden umgesiedelt, alles Wasser abgelassen. Von heute an wird die schwarzbraune Pampe abtransportiert.

Bagger tragen bis zu 90 Zentimeter dicke Ablagerungen von Sand und Laub ab.
Bagger tragen bis zu 90 Zentimeter dicke Ablagerungen von Sand und Laub ab.
Foto: Roman Grösser

Tief stecken die beiden gelben Bagger im Schlamm. Mit ihren breiten Schaufeln schichten sie die Sedimente vom Boden des Steinbrücker Teichs meterhoch auf. Dort, wo sich zuvor eine 3,7 Hektar große Wasserfläche ausgebreitet hat, ist derzeit eine Hügellandschaft mit Gräben zu sehen. Vor mehr als vier Monaten hat die 1,3 Millionen Euro teure Entschlammung des Teichs begonnen, sämtliche Fische wurden umgesiedelt, alles Wasser abgelassen. Von heute an wird die schwarzbraune Pampe abtransportiert - von Darmstadt in den Landkreis Offenbach.

Rund 18.000 Kubikmeter Schlamm müssen Lastwagen weg schaffen. "Das dauert vier bis fünf Wochen", sagt Wolfgang Kostial. Der Projektleiter vom Tiefbauamt der Stadt hat erst gestern die Genehmigung für den Abtransport bekommen.

Reich an Nährstoffen

Die bis zu 90 Zentimeter dicke Ablagerung von Sand, Laub und anderen organischen Stoffen haben Arbeiter mit Baggern in den zurückliegenden Wochen aufgetürmt. Aus den Hügeln sickert das Wasser in das Grabensystem, das in den Teichboden gebuddelt worden ist. "Der Schlamm blutet aus", beschreibt das Wolfgang Kostial. Denn erst wenn sich der Matsch in eine trockene Masse verwandelt hat, kann diese verladen werden. Zumindest gilt das für den weitaus größten Teil des Schlamms. Die Pampe, die nicht ausreichend "ausblutet", wird in den nächsten Wochen in spezielle Tankwagen gepumpt und weggefahren.

Ziel der Transporte ist der Landkreis Offenbach. Dort wollen Landwirte die Fracht als Dünger auf die Felder bringen. "Der Schlamm ist reich an Nährstoffen", begründet Projektleiter Kostial das Interesse der Bauern. Die müssen bei dieser Form der Düngung vorgegebene Werte einhalten. "Wie bei jedem anderen Dünger auch", sagt der Mitarbeiter des Tiefbauamts.

Wer dieser Tage auf dem Uferweg unterwegs ist, wird eines vermissen: den Ruthsenbach. Das kleine Gewässer, das den Steinbrücker Teich seit jeher speist, fließt nur noch bis zum Ufer im Südosten des Sees in seinem Bett. Von dort aus gelangt sein Wasser in ein Rohr und wird durch eine am Ufer entlang führende Metallleitung zum Teichausgang an der westlichen Böschung unter der Landesstraße nach Dieburg gepumpt. Tag und Nacht läuft die Maschine. Auf diese Weise soll der abgegrabene Boden nicht nasser werden als notwendig.

Erst wenn die letzte Fuhre abgefahren ist, wird der Teich wieder geflutet. Etwa eine Woche dauert es, bis der Teich wieder gefüllt ist. "Bei mittlerem Zulauf", ergänzt Kostial. Das heißt: Regnet es im Mai viel, ist der Teich schneller voll, regnet es wenig, dauert es länger. Danach kehren auch die Karpfen zurück, die vor fünf Monaten vom Oberwaldhaus in den Waldsee umgesiedelt worden sind. Auch 100 der rund 460 Kilogramm Teichmuscheln, die damals entnommen wurden, werden umgesiedelt. "Alles zurückzubringen, wäre für den See nicht gut", sagt Kostial.

Das gilt auch für die Fische. Welse, die im Oktober noch abgefischt wurden, haben in dem Teich künftig keinen Platz. Dafür nimmt der Angelverein Fische aus dem Ruthsenbach und setzt sie in den Teich. In einem Jahr, wenn "der Teich wieder fit" ist, setzen die Angler weitere Fische ein. Rund 5000 Euro wollen sie nach Angaben von Gewässerwart Ralf Tank ausgeben. Dafür sucht der Verein noch Spender. (rf)

Datum:  25 | 3 | 2010
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