Der Grüne Jochen Partsch gewann am Sonntag die OB-Stichwahl gegen den 58-jährigen SPD-Amtsinhaber Walter Hoffmann. 69,1 Prozent der rund 106.000 Wahlberechtigten entschieden sich für den 48-jährigen Sozialdezernenten. Die Wahlbeteiligung war mit 36,2 Prozent sehr gering.
Partsch ist nach dem Bad Homburger Michael Korwisi der zweite grüne Oberbürgermeister in Hessen. In dem Bundesland ist er der erste OB einer Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern.
Vier weitere Kandidaten, die zur OB-Wahl angetreten waren, sind aus dem Rennen: Rafael Reißer (CDU/26,4 Prozent), Helmut Klett (Uwiga/3,8), André De Stefano (Piraten/2,9) sowie Raffaele Feniello (parteilos/0,4).
Die Grünen waren auch Gewinner der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung. Sie gingen aus der Kommunalwahl am 27. März mit 32,9 Prozent der Stimmen als stärkste Fraktion hervor.
Sie erhalten damit künftig 23 der 71 Sitze im neuen Stadtparlament. Zweitstärkste Kraft wurde die CDU (24,8 Prozent/18 Sitze), gefolgt von SPD (21,3/15), Uffbasse (6,5/5), Linke (3,9/3), Uwiga (3,5/3), FDP (3,2/2) sowie Piraten (2,9/2).
Schon unmittelbar zu Beginn des offiziellen Wahlabends im Justus-Liebig-Haus, der mit Schließung der Wahllokale um 18 Uhr begann, sah es so aus, als ob Partsch der Gewinner der Wahl sein würde.
Vor dem Gebäude, in dem regelmäßig das Stadtparlament tagt, feierten fast nur Grünen-Anhänger. Als Partsch zu den Klängen einer fränkischen Blaskapelle seiner früheren Heimatgemeinde einzog, wurde er von großem Jubel begrüßt.
Hoffmann und die SPD-Politiker zeigten kaum Präsenz. Als der Politikwissenschaftler Michael Stoiber, Moderator des Abends, um 18.15 Uhr das erste Ergebnis nach Auszählung von zehn der 117 Wahllokale bekanntgab – 64,1 Prozent für Partsch –, brach im Saal lautes Freudengeschrei aus.
„Ich bin sehr, sehr glücklich“, sagte Partsch in einer ersten Reaktion. Er führte seinen Erfolg und den der Grünen bei der Kommunalwahl vor zwei Wochen, als seine Partei führende Kraft wurde, in erster Linie auf die Fähigkeit zurück, den Bürgern und den anderen Parteien zuhören zu können.
Partsch kündigte eine bessere Form der Bürgerbeteiligung an. Hoffmann und seine SPD waren in den vergangenen Jahren häufig wegen bürgerferner Entscheidungen in die Kritik geraten, etwa mit dem geplanten Museumsneubau auf der Mathildenhöhe oder mit der innerstädtischen Entlastungsstraße Nordostumgehung.
Erste Gespräche
Hoffmann räumte am Wahlabend Fehler ein. „Es gab in den vergangenen Jahren einige Dinge, die dafür sorgten, dass die Wähler sich anderen Parteien zuwenden“, sagte der Sozialdemokrat. Der Erfolg seines Herausforderers Partsch sei aber auch auf den derzeit guten Trend der Grünen zurückzuführen.
Entscheidend sei überdies gewesen, dass es ihm und der SPD nicht gelungen sei, für die Stichwahl Wähler aus dem konservativen Lager zu mobilisieren, meinte der langjährige Oberbürgermeister.
Partsch kündigte an, dass die Grünen noch in dieser Woche erste Sondierungsgespräche mit der SPD und der CDU führen wollten. Am Donnerstag soll dann eine Mitgliederversammlung darüber entscheiden, mit wem als Juniorpartner die Grünen eine Koalition eingehen wollen.