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Darmstadt: Zu Fuß in die City

Unter dem Pflaster liegt der Strand." Der Sponti-Spruch aus den Siebzigerjahren stimmt, wenn man die Gleisbauarbeiten am Willy-Brandt-Platz beobachtet.

Nach den Herbstferien sollen die Bahnen wieder fahren.
Nach den Herbstferien sollen die Bahnen wieder fahren.
Foto: Roman Grösser

Unter dem Pflaster liegt der Strand." Der Sponti-Spruch aus den Siebzigerjahren stimmt, wenn man die Gleisbauarbeiten am Willy-Brandt-Platz beobachtet. Unter Schienen und Pflaster ist eine Lage Sand, darunter ein Schotterbett. Seit Ende September erneuert die Heag mobilo für knapp eine Million Euro die Gleise am Mathilden- und am Willy-Brandt-Platz. Zum Luisenplatz gibt es für Bahnen derzeit keine direkte Verbindung. Wer in die Innenstadt will, muss laufen, und so machen sich regelmäßig ganze Fahrgästetrupps auf den Weg.

Die Gleise werden auf dämmendes Material montiert, das Erschütterungen abfangen soll und eine längere Weiche soll die Wartezeiten für die Bahn reduzieren. Sie kann dank einer "vorgezogenen Zunge" - einer Art zweitem Gleis - für die Folgebahn umgestellt werden, schon bevor die erste Bahn sie komplett passiert hat.

Insgesamt hatten die Darmstädter dieses Jahr nur zehn Wochen freie Fahrt auf allen Straßenbahnlinien. Bis Sommer wurde in Arheilgen an den Neuen Wegen gebaut, im Sommer dann in Bessungen und Eberstadt, wobei in Eberstadt Tiefbauarbeiten der Grund für Umleitungen waren.

Radler quetschen sich vorbei

Diese Woche ist für die Gleissanierung sogar die Bismarckstraße gesperrt. Aus Westen kommend ist es nicht möglich, links in die Frankfurter Straße abzubiegen. Was nicht jeden Radfahrer interessiert. Immer wieder quetschen sich welche auf dem provisorischen Fußgängerweg neben der Baustelle durch, oder fahren zwischen Passanten und ankommenden Straßenbahnen kreuz und quer über die Gleise. Und als ein Polizeiwagen in einem straßenbahnfreien Moment gemütlich über den Willy-Brandt-Platz fährt, um doch links in die Frankfurter abzubiegen, fahren einfach drei Personenwagen hinter ihm her.

Am 26. Oktober - am ersten Schultag nach den Herbstferien - soll die Strecke für Bahnen wieder frei sein, ab 1. November - nach abschließenden Pflasterarbeiten - auch wieder für Busse. "Im Moment liegen wir noch gut in der Zeit", sagt Heag mobilo-Pressesprecherin Silke Rautenberg. "Ob das so bleibt, ist vor allem vom Wetter abhängig. Insbesondere Starkregen könnte uns zu schaffen machen."

Kein Preisnachlass

Parallel zu den Arbeiten im Sommer in Bessungen und Eberstadt habe man am Willy-Brandt-Platz nicht arbeiten können, erklärt Rautenberg. "Wir hätten dann den Ersatzverkehr noch erheblich umfangreicher konzipieren müssen - größere Umleitungen, noch mehr Ersatzfahrzeuge." Die Unwägbarkeiten wären dann zu groß gewesen. Die Pressesprecherin hofft, dass die Heag durch die vielen Baumaßnahmen nicht langfristig Fahrgäste verlieren wird. Zumal das Netz verbessert werde. Derzeit aber stiegen die Fahrgastzahlen sogar leicht an.

An Preisnachlässe wegen der vielen Baustellen, beispielsweise für Jahreskarteninhaber, denkt die Heag Mobilo allerdings nicht. "Der eine oder andere wird sich das sicher wünschen, aber das sieht das Tarifsystem des RMV nicht vor", erklärt Silke Rautenberg. RMV-Pressesprecherin Petra Eckweiler bestätigt dies: "In der Tat gibt es keine Preisnachlässe auf Fahrkarten bei Bauarbeiten." Unter anderem seien Rabatte recht kompliziert einzuräumen. Für Nachlässe auf Einzelfahrkarten müssten Automaten aufwendig umprogrammiert werden, und Jahreskarteninhaber bezahlten ihre Karten komplett. (eda)

Datum:  15 | 10 | 2009
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