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02. November 2015

DDR-Museum in Reinheim: Ein Stück DDR im Keller

Burkhard Fiebig will die DDR so zeigen, wie er sie erlebt hat.  Foto: Karl-Heinz Bärtl

Ein Sammler aus Bad Vilbel betreibt in einem Keller ein kleines privates DDR-Museum. Die mehreren hundert Exponate sind unterteilt in drei Themengebiete: die Grenze, das DDR-Design und das zivile Leben in der DDR.

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Burkhard Fiebig aus Bad Vilbel hat im Keller eines Reinheimer Mehrparteienhauses ein privates DDR-Museum eingerichtet. Auf 40 Quadratmetern gibt es mehrere hundert Exponate aus dem Arbeiter- und Bauernstaat zu sehen. Wer den Raum betritt, wird von Stacheldraht empfangen – ein Teil der Grenzanlage, die mehr als drei Jahrzehnte lang die beiden deutschen Staaten trennte. Dahinter ist ein kleines Modell der innerdeutschen Grenze zu sehen, wie sie zum Schluss aussah. Eine Puppe mit DDR-Grenzsoldatenuniform schaut den Besucher an, und aus einem Lautsprecher ist die DDR-Nationalhymne zu hören.

Fiebig, der „Sammler aus Leidenschaft“, wie er über sich selbst sagt, hat eigentlich die Luftfahrt als Hobby, ist Initiator des August-Euler-Museums in Griesheim. Mit dem DDR-Museum arbeitet er nun auch seine eigene Vergangenheit auf. „Meine Familie war geteilt“, sagt er, „die Eltern sind vor dem Mauerbau rüber, aber die restliche Verwandtschaft blieb drüben.“

Grenze, Design und Ziviles

Bei Besuchen in Dresden und im Erzgebirge bekam Fiebig am eigenen Leib zu spüren, welche Auswirkungen die deutsche Teilung hatte. „Im Zug mussten wir alle aus dem Abteil raus und wurden untersucht, später haben sie meinem Vater das Auto auseinandergebaut.“ Nun will er die oft verteufelte DDR so darstellen, wie er sie erlebt hat.

Dazu hat er ein Konzept erarbeitet. Die mehreren hundert Exponate sind unterteilt in drei Themengebiete: die Grenze, das DDR-Design und das zivile Leben in der DDR. Reinheim als Standort für sein Museum begründet Fiebig damit, dass das Haus seinem Bruder und ihm gehört.

Grenzschilder, eine komplette Mannschaftsstube der DDR-Grenzsoldaten, Uniformen, sogar Nachbildungen von Waffen und Sirenen, Lautsprecher und Grenzschilder dokumentieren die Grenze. Ein Original-Segment der Berliner Mauer vom Potsdamer Platz mit Echtheitszertifikat und eine originale schwarz-rot-goldene Grenzsäule besitzt Fiebig zudem noch, ebenso zwei Trabis.

Unter dem Stichwort Design sind etwa ein „RG 28“-Rührgerät zu sehen, ein Omega-Staubsauger oder eine „Luftdusche“ – ein DDR-Fön. „Die hatten schon gute Sachen“, sagt Fiebig, „nur die normalen Leute kamen nicht dran, die Waren wurden für Devisen in den Westen verkauft.“ Etwa bei Quelle, natürlich unter anderem Namen. Andersherum ging es aber auch: Die Ampel mit den inzwischen berühmten Ampelmännchen wurde von Siemens produziert. Das Zivilleben ist in einem separatem Raum mit einer Mini-Küche im Schrank abgebildet, darin steht neben dem „Bulgar“ – Pflaumenkompott aus dem sozialistischen Bruderland Bulgarien – auch Original-Geschirr aus dem Palast der Republik.

Durch Kontakte und das Internet kommt Fiebig an die Exponate. „Man bekommt alles, man braucht nur Geduld.“ Neuestes Stück wird wohl eine Zellentür aus dem berüchtigten Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen.

Die Idee für die Sammlung wurde aus seiner Leidenschaft für die Luftfahrt geboren. Vor zehn Jahren bekam er eine MiG 21 angeboten, nahm aber aus Platzgründen nur das Cockpit des russischen Kampffliegers, der auch in der DDR-Armee zum Einsatz kam. Dann lernte er einen Sammler aus dem Taunus kennen, was zum Gedanken führte, die DDR „so darzustellen, wie ich sie kannte, wie sie war“.

Und bei einer Kur 2010 in Bad Kissingen schaute Fiebig sich auch oft an der ehemaligen Grenze um. Wieder kam ihm eine Idee: Schließlich lief er 2012 die rund 1300 Kilometer lange ehemalige deutsch-deutsche Grenze ab, war 57 Tage unterwegs. Seine Erfahrungen hat er in einem Buch festgehalten. „Das hat mir den Impuls gegeben, die Sammlung zu vertiefen, eine Ausstellung zu organisieren“, sagt er. Es sei ein Stück Ostalgie, „aber ich verniedliche das nicht. Das diktatorische System kann ich nicht gutheißen“. (bach)

Das DDR-Museum kann nach Anmeldung bei Burkhard Fiebig, 06101/1304, besichtigt werden.

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