Auf der Mathildenhöhe hat die erste Sommerschule des Deutschen Polen-Institutes mit deutschen und polnischen Nachwuchswissenschaftlern begonnen.
Am heutigen Montagabend wird dazu die Politikwissenschaftlerin und SPD-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, im Justus-Liebig-Haus einen öffentlichen Vortrag halten. Schwan ist Präsidentin der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder), Beauftragte der Bundesregierung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und sitzt im Kuratorium des Polen-Institutes in Darmstadt.
Gesine Schwan ist der "Stargast" der ersten Sommerschule des Institutes, zu dem 20 Wissenschaftler sowie zahlreiche Fachreferenten aus beiden Ländern erwartet werden. Sie werden bis 13. September in Darmstadt und Görlitz die politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen in Polen in den vergangenen 20 Jahren analysieren. "Das Polen-Institut", sagt Direktor Dieter Bingen, "versteht sich als Mittler zwischen den Ländern, als Scharnier für die Polen bezogene Forschung in Deutschland."
Das Institut auf der Mathildenhöhe arbeitet an einem Netzwerk für Wissenschaftler und Institute, die sich mit dem Nachbarland befassen. Es sammelt und gibt Publikationen heraus, plant Tagungen und klinkt sich mit Veranstaltungen ins Darmstädter Wissenschafts- und Kulturleben ein. "Die Sommerschule ist ein Experiment", so Bingen. Sie soll den Nachwuchs beider Seiten zusammenbringen. Mit Gesine Schwan als publikumswirksamen Gast will das DPI seine Arbeit mehr in die Öffentlichkeit bringen.
Die Politikwissenschaftlerin ist eine "lebhafte und spontane Rednerin", freut sich Bingen auf ihren Besuch. Sie wird von ihren Erfahrungen über die Veränderungen in Polen sprechen und einen persönlichen Zugang zum Thema schaffen. Es soll kein rein wissenschaftlicher, sondern auch für Laien spannender Vortrag werden. "Über ihre Kandidatur für das Präsidentenamt wird sie aber nicht sprechen",dämpft Bingen weitergehendes politisches Interesse.
Im Oktober wartet das Institut mit einem weiteren deutsch-polnischen Geschichts-Gespräch auf. "Die geteilte Revolution" lautet der Titel. Dabei geht es um die unterschiedlichen Realitäten, den Protest der 68er-Generation im Westen und den "Prager-Frühling" im Osten sowie den "polnischen März", das Aufbegehren gegen die kommunistische Führung. Akteure aus Darmstadt, Frankfurt, Berlin, Prag und Warschau berichten.
Im November zeigt das Institut dazu begleitend den Dokumentarfilm "Danziger Bahnhof" - über die 1968 von der Kommunistischen Partei Polens erzwungene Ausbürgerung jüdischer Polen in ihr "Mutterland" Israel. Ein antisemitisches und dunkles Kapitel der Nachkriegsgeschichte Polens, so DPI-Sprecher Andrzej Kaluza.
Vortrag Gesine Schwan, heute, 20 Uhr, Justus-Liebig-Haus. Podiumsgespräch "Die geteilte Revolution",29. Oktober, 19 Uhr, Liebig-Haus; Film "Danziger Bahnhof", 6. November, 20.30 Uhr, Programmkino Rex, Wilhelminenstr.

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