Die Blauen Damen des Klinikums sind ein Erfolgsmodell. Sie entlasten seit 1966 das Pflegepersonal, indem sie nichtmedizinische Dienstleistungen übernehmen. Im vorigen Jahr wurden ihre Verträge gekündigt. Seit 14 Tagen haben sie im Klinikum neue Aufgaben.
Als Mitte vergangenen Jahres feststand, dass es die Blauen Damen in der bisherigen Form nicht mehr geben würde, waren viele von ihnen verunsichert. Aber auch ehemalige Patienten bedauerten die Entscheidung und würdigten das Engagement der Frauen. Sollte das jetzt alles vorbei sein?
Klinikum will Kosten sparen
Bei zwei Workshops wurden die Ängste und Bedenken der rund 110 Frauen im Hinblick auf die geplante organisatorische Umstellung des internen Transportwesens im Klinikum aufgearbeitet. Klinikdezernent und Kämmerer André Schellenberg (CDU) machte die Blauen Damen zur Chefsache. Gestern erklärte er, die Unklarheiten seien zur Zufriedenheit aller beseitigt und die Ehrenamtlichen zu ihren Ursprungsaufgaben – Hilfe und Serviceleistung für Patienten – zurückgekehrt. Das neue Konzept funktioniere gut, meint auch Pflegedirektor Klaus Tischler. Die Frauen hätten attraktive Ersatztätigkeiten bekommen.
Von den einstmals 110 Ehrenamtlichen werden 60 weiterhin über den Verein Darmstädter Pflege- und Sozialdienst an das Klinikum vermittelt. Sie bekommen eine Aufwandsentschädigung von 4,70 Euro pro Stunde. Bisher bestand ihre Aufgabe im Wesentlichen darin, Patienten im Bett oder Rollstuhl von den Stationen abzuholen, zu Herzkatheter, Ultraschall, Elektrokardiogramm, zu Röntgenabteilung, Computer-Tomografie oder Magnetresonanz-Tomografie zu bringen und von dort wieder abzuholen. Dafür ist nun ein Transportdienst zuständig.
Die 60 vorwiegend älteren Frauen tragen aber weiterhin die blau-weiß gestreiften Kittel, denen sie ihren Spitznamen verdanken. Ihre neuen Aufgaben sind körperlich weit weniger anstrengend als das „Bettenschieben“. Seit Anfang Januar helfen sie ergänzend bei der Patientenaufnahme. Sie begrüßen die neu angekommenen Patienten, zeigen ihnen, wie der Fernsehapparat funktioniert, helfen beim Entfernen der Essenstabletts, räumen Schränke aus und ein, kümmern sich um Blumen.
Für einige ändert sich nichts. Sie arbeiten wie zuvor an den drei Informations-Schaltern des Klinikums und weisen Besuchern den richtigen Weg. Andere werden weiterhin im Material- und Labortransportdienst gebraucht.
Für den Patiententransport ist seit Anfang Januar eine klinikeigene Tochtergesellschaft 24 Stunden pro Tag verantwortlich. Sie hat 13 fest angestellte Kräfte. Etwa 30 ehemalige Blaue Damen wurden zusätzlich auf 450-Euro-Basis von dieser Gesellschaft angestellt.
Im vorigen Monat gab es knapp 6000 Patiententransporte – intern und zwischen den beiden Klinikum-Standorten Grafenstraße und Heidelberger Landstraße. Sie belasten den Haushalt des Klinikums mit jährlich rund 1,5 Millionen Euro. Etwa zehn externe Dienstleister sind mit den Transporten beauftragt. Pflegedirektor Tischler hofft, diese Zahl auf ein bis zwei reduzieren zu können, um mittelfristig Kosten zu sparen. Ein erster Schritt sei der Ausbau der internen Patientenlogistik der Klinikum-Tochtergesellschaft. (pyp.)
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