Dick und warm eingepackt mit Schlittschuhen über den Darmstädter Woog zu gleiten, dabei den Wind spüren – das kann keine Eissporthalle bieten. Doch seit 1994 warnen Schilder: „Eisfläche betreten verboten.“ Das hinderte einige nicht daran, immer wieder über den Zaun zu klettern und sich auf dem zugefrorenen See zu tummeln. Die Polizei verwies sie des Geländes, die Stadt verzichtete auf Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs.
Jetzt aber gibt es eine gute Nachricht: Angesichts der anhaltenden Kälteperiode ist die Stadt über ihren Schatten gesprungen und gibt den Woog an diesem Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr für Schlittschuhläufer frei. Der Eigenbetrieb Bäder organisiert für diese Zeit einen Aufsichtsdienst. Die Eisfläche ist nur vom Eingang Heinrich-Fuhr-Straße 20 (am Trainingsbad) zugänglich. „Wir reagieren damit auf die frostigen und eisigen Temperaturen und das daraus resultierende Jahrhundert-Eis und auf Anfragen aus der Bevölkerung“, sagt Bürgermeister Rafael Reißer (CDU).
Der Pächter des Kiosks auf der Wooginsel wird am Wochenende Verpflegung für die Eisläufer anbieten. „Ich gehe mal davon aus, dass er kein Eis anbietet, sondern Glühwein und andere warme Getränke“, sagt Reißer.
Markierte Gefahrenstellen
Anlass für das Eislaufverbot auf dem Woog ab 1994 war ein Unfall, bei dem zwei fünfjährige Mädchen durchs Eis gebrochen waren. Den Kindern passierte nichts, weil Retter schnell zur Stelle waren. Doch die Stadt zog Konsequenzen, untersagte generell aus Haftungsgründen das Eislaufvergnügen.
Die Jahre davor hatte sie das Eis ab einer Dicke von zehn Zentimetern freigegeben. Bei Naturgewässern sei es allerdings problematisch, die Eisdicke zu garantieren, hatte die Stadt damals argumentiert und Quellen, Wasserströmungen und im Eis eingeschlossene Äste als mögliche Gefahrenstellen genannt.
Wegen dieser Bedenken und der Verkehrssicherungspflicht der Stadt blieb dieses Verbot 18 Jahre bestehen. Doch Bürgermeister Reißer wagt nun einen neuen Anlauf.
Am Mittwoch sägte die Berufsfeuerwehr mit Motorsägen ein Loch ins Eis und übte das Retten eines eingebrochenen Eisläufers. Das Ganze soll heute wiederholt werden.
Wie der technische Einsatzleiter Volker Reibold gestern erläuterte, wird dabei ein Feuerwehrmann in einem Überlebensanzug ins Wasser gelassen und Kollegen müssen ihn rausziehen. „Der Unglückliche kann sich nicht selbst retten, denn es ist ihm beispielsweise unmöglich, sich aufzustützen, weil die Eisränder wegbrechen“, sagt Reibold. Die rettenden Kollegen nähern sich dem Eingebrochenen entweder mit einem speziellen Eisrettungsschlitten oder legen normale Steckleitern auf dem Eis aus. „Das muss ratzfatz gehen“, so Reibold, „denn die Kleider des Eingebrochenen saugen sich schnell voll, werden immer schwerer.“
Gestern war das von der Feuerwehr gesägte Loch schon wieder mit einer dünnen Eisschicht bedeckt, wie Heiner Mink feststellte. Der Betriebsingenieur beim Eigenbetrieb Bäder hackte die neue Schicht weg, um die Eisdicke messen zu können: 19 Zentimeter.
Dennoch ist diese Dicke nicht überall garantiert. Mink und sein Kollege Manfred Rachut, Abteilungsleiter Bäder im Eigenbetrieb, gingen deshalb den Woog ab, um Gefahrenstellen zu markieren. So kann man am Wochenende den Schlittschuhlauf auf dem See gefahrlos genießen. (ryp.)

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