"Wir wollten einfach nur unseren Sport ausüben", sagt Moritz Baumann. Der junge Mann ist regelmäßig mit seinem Mountainbike die "Rinne" runtergefahren, einen Waldweg nahe der Burg Frankenstein. Doch damit ist jetzt Schluss. Das Darmstädter Forstamt hat an der Strecke Buchen gefällt - die versperren nun die Abfahrt der Downhiller. Das sind Radsportler, die bevorzugt steile, hindernisreiche Wege wie die Rinne befahren.
"Ich finde es unmöglich", beschwert sich Alexander Krombacher vom Bikerverein Wheels Over Frankfurt (WOF). Der Verein habe sich sehr für den Erhalt und die Legalisierung der Strecke engagiert, den Kontakt zum Forstamt und den Fußgängern gesucht. Denn den Streit zwischen den Radlern und dem Forstamt gibt es schon länger.
"Die Biker sorgen für Erosion und verängstigen Wanderer", begründet Hartmut Müller, Leiter des Forstamts, seinen Ärger auf die Radler. Bei ihm hätten sich schon viele Fußgänger beschwert. Bei der Polizei wohl nicht: "Weder in Pfungstadt noch in Ober-Ramstadt gab es Beschwerden oder Unfälle", so Ferdinand Derigs, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Südhessen. Die Bäume habe er nicht wegen der Rinne gefällt, sondern routinemäßig zur Waldpflege. Dass die Stämme ausgerechnet darauf fielen, sei aber Absicht gewesen. "Das Kronenmaterial an der Stelle bleibt liegen, die Rinne gibt es jetzt nicht mehr", sagt er.
Die Eberstädter CDU und Grünen stellen sich hinter das Forstamt. "Der Wald soll für alle Nutzergruppen gefahrlos offen stehen, nicht nur für semi-professionelle Downhiller", sagt Ludwig Achenbach von der CDU Eberstadt. Deshalb hat die Partei am Freitag vergangener Woche erklärt, sie unterstütze Müllers Bestreben, die Rinne zu schließen. Dass Müller zu diesem Zeitpunkt schon Tatsachen geschaffen hatte, wusste da noch keiner. Seit Mittwoch vergangener Woche ist die Rinne dicht.
Für Anfang April hat Müller ein Treffen mit den Biker-Vereinen, dem Odenwald Club und der Unteren Naturschutzbehörde initiiert. Alternativen sollen verhandelt werden, etwa ein Ausbau des Bikerparks in Beerfelden im Odenwald. Krombacher scheint für die Lösung offen. Aber: Mit Bus und Bahn sie Beerfelden nur umständlich zu erreichen. "Für die 81 Kilometer fährt man von Frankfurt aus zwei Stunden und steigt bis zu viermal um." Von Darmstadt aus sind es knapp zwei Stunden, die ein Radler im Zug verbringt, bis er die Berge hinabsausen kann.
Und ein Autos besäßen nur die wenigsten Downhiller, sagt Krombach. "Das sind nämlich Schüler, Studenten und Azubis." Der Biker engagiert sich in für den Nachwuchs in seinem Verein und sagt, er könne nicht nachvollziehen, warum der Sport nicht gefördert werde. Auch Moritz Baumann, meint Jugendlich seien auf dem Rad in der Natur besser aufgehoben "als mit der Bierflasche am Bahnhof."

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