Der große Verlierer in Darmstadt ist die SPD. Mit fast 18 Prozent Minus in beiden Wahlkreisen fährt sie in Darmstadt die landesweit größten Verluste ein.
Die großen Gewinner sind die Grünen. Sie haben ihr bestes Ergebnis aller Zeiten erreicht - bei Erst- und Zweitstimmen und in beiden Wahlkreisen. Hessenweit gibt es keine Stadt und keinen Kreis, in dem die Grünen mehr Stimmen holten.
Und sie haben einen neuen Star: Christian Grunwald, 33 Jahre alt und zum ersten Mal Direktkandidat. Er kam im Norden Darmstadts auf 20,6 Prozent. Bei den Zweitstimmen erhielten die Grünen in seinem Wahlkreis sogar 25,9 Prozent. Es ist der größte Zuwachs und das zweitbeste Ergebnis für die Grünen in einem hessischen Wahlkreis. Nur im Frankfurter Nordend bekam die Partei mehr Stimmen.
Doch obwohl sich Darmstadt zur Grünen-Hochburg Nummer eins in Hessen mausert, in der Landespolitik spielen die hiesigen Mitglieder keine Rolle. Eine Vertreterin in Wiesbaden hatten sie zuletzt von 1987 bis 1994 mit der späteren Schuldezernentin Daniela Wagner. Grunwald hingegen kommt auf der Landesliste an 24. Stelle, weitab der sicheren Plätze. "Die Entäuschung ist intern sehr stark", berichtet Grunwald. Die fehlende Präsenz auf der Liste sei ein "wunder Punkt".
Vor der Neuwahl sei zu wenig Zeit geblieben, einen guten Listenplatz auszuhandeln, erklärt Grunwald. Er stellte sich erfolglos für den Platz 14 gegen den Frankfurter Marcus Bocklet zur Wahl. Am Sonntag gewann Bocklet auch das Rennen um den Wahlkreis mit dem besten Landesergebnis.
Die Niederlage um den Listenplatz erklärt sich Grunwald auch durch die Basisdemokratie in seiner Partei. "Da ist der Blick auf die regionale Verantwortung verstellt." In fünf Jahren soll sich das ändern, sagt Grunwald. "Unsere Ergebnisse werden Berücksichtigung finden." Welchen Kandidaten der Kreisverband dann nach vorne schicke, sei jedoch noch offen. "In fünf Jahren kann viel passieren." Klar ist jedoch, die Darmstädter Grünen werden sich auf einen Kandidaten beschränken müssen. "Ich stehe gerne wieder zur Verfügung", sagt Grunwald.
Ebenfalls zu den Gewinnern gehört die FDP. Sie erhielt zuletzt in den 1970er Jahren ähnlich viele Stimmen. Allerdings bleiben die Liberalen in Darmstadt knapp unter dem Landestrend. Dabei liegen sie traditionell eher drüber. Und im Gegensatz zu den Grünen gelingt es ihnen schon seit Jahren im Landtag präsent zu sein. Seit 1954 gab es nur von 1974 bis 1983 eine Unterbrechung. Auf die 20 Jahre dauernde Ära Ruth Wagner folgte 2008 der 34 Jahre junge Leif Blum - auf Listenplatz 8.

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