Einst standen sie für Modernität und Fortschritt und boten den Studierenden der ehemaligen Telekom-Kaderschmiede ein Dach über dem Kopf. Seit 2002 sind die Hochhäuser auf dem Campus-Gelände in Dieburg zugesperrt, weil sie den brandschutzrechtlichen Anforderungen nicht mehr genügen und eine Sanierung zu teuer wäre. Für Reinhard Krieger, Geschäftsführer von Corpus Sireo, einer Tochtergesellschaft der Telekom, symbolisieren die Wohntürme das Dilemma, in dem die Telekom mit dem Hochschulgelände bis dato steckte.
Das Ende des Dilemmas ist da: Das Land Hessen kauft etwa sechs Hektar des Areals und ein Stück Wald für einen Euro und investiert in den Hochschulstandort Dieburg. "Das Land wird den Standort so ausbauen, dass er für die nächsten Jahrzehnte fit ist", kündigte Wissenschaftsministerin Silke Lautenschläger (CDU) am Montag in Dieburg an.
In den 60er Jahren wird Dieburg als Standort der Ingenieur-Akademie der Deutschen Bundespost ausgewählt.
1971 erfolgt die Umwandlung zur Fachhochschule der Deutschen Bundespost. Von 1979 bis 1999 ist hier die Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung angesiedelt.
Seit 2000 ist der Campus Dieburg eine Dependance der Fachhochschule Darmstadt (heute Hochschule Darmstadt).
Ein zweistelliger Millionenbetrag solle aus dem hessischen Hochschulbauprogramm Heureka nach Dieburg fließen. Zurzeit arbeiten am Standort Dieburg rund 1800 Studierende und 200 Beschäftigte. Der Ansatz sei "relativ einmalig", sagt Maria Overbeck-Larisch, Präsidentin der Hochschule Darmstadt. Der Mediencampus Dieburg sei sehr umfassend und interdisziplinär ausgelegt.
Mit der Entscheidung des Landes Hessen, einen Teil des Campus zu kaufen und in den Standort Dieburg zu investieren, gewinne die Hochschule Planungssicherheit, sagte Overbeck-Larisch. Bislang gab es einen Erbbaurechtvertrag, der bis 2014 läuft und um weitere 15 Jahre hätte verlängert werden können.
Mit dem Kauf des Areals wird der Campus Dieburg kompakter. Der Sozialraum wird auf das Gelände verlagert, in Zukunft soll es wieder Wohnungen geben - für Studierende, Dozenten und Gaststudenten und -professoren.
Die Hochhaustürme fallen. Corpus Sireo wird das ebenfalls rund sechs Hektar große Gelände außerhalb des Campus neu ordnen und verkaufen. Binnen zwei Jahren soll für das restliche Gelände Baurecht geschaffen werden. Krieger hofft, dass am Ende eine schwarze Null herauskommt.
Die Sporthalle soll in Zusammenarbeit mit der Stadt Dieburg saniert werden; das Hallenbad ist an den Wassersportverein vermietet. Bürgermeister Werner Thomas (parteilos) hofft - jetzt, da Klarheit über die Zukunft des Geländes herrscht - darauf, dass sich hier Gewerbe ansiedelt, das mit dem Mediencampus kooperieren kann. "Dieser Tag ist von uns lange herbeigesehnt worden", sagte Landrat Alfred Jakoubek (SPD). Es sei "eines der schönsten Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr".
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