Für Bernd Jörs gibt es eigentlich keine Trennung mehr zwischen Lehre und Forschung. „Wer heute Studenten ausbildet, der muss sie auch für die angewandte Forschung qualifizieren“, sagt der Professor im Fachbereich Media an der Hochschule Darmstadt. Nur so ließen sich die Berufschancen der jungen Menschen steigern. Der Professor hat daher schon vor zehn Jahren Kontakt zum Kommunikationsunternehmen T-Online gesucht, um Kooperationsprojekte für seine Studenten zu initiieren. „Die Inhalte der Lehre müssen der Dynamik außerhalb der Hochschule angepasst werden“, sagt Jörs.
Nur: Der ständige Austausch mit der Praxis kann in vielen Fachbereichen teuer oder unbezahlbar sein. „Die stets modernste Soft- und Hardware können sich die Hochschulen meist gar nicht leisten“, weiß Jörs. Es sei denn durch Kooperationen wie diese. Die Fachhochschulen in Hessen haben seit 1998 einen offiziellen Forschungsauftrag. Der Passus wurde damals ins Hochschulgesetz aufgenommen. „Doch mit Universitäten werden wir nie um Nobelpreise konkurrieren können“, sagt Professor Bernd Steffensen, Vizepräsident der Hochschule Darmstadt (HDA).
Zwar haben FH-Professoren seither offiziell die Dienstaufgabe zu forschen, doch die Bedingungen dafür unterscheiden sich enorm. So müssen Hochschuldozenten 18 Wochenstunden Vorlesungen geben, Uni-Professoren acht. Auch gibt es an der FH keine Assistenten wie an der Uni, die Professoren entlasten und die sie bei der Antragstellung für Forschungsprojekte oder Fördermittel unterstützen. „Uns fehlt der personelle Mittelbau“, so der Vizepräsident. „Die Forschung kommt da zur täglichen Arbeit noch obendrauf.“
Steffensen lobt daher das Engagement seiner Kollegen. Darmstadt könne sich als einzige hessische Fachhochschule regelmäßig bei FH-Forschungsrankings positionieren. Es gebe zahlreiche Forschungs-„Leuchttürme“ an der Hochschule. 40 Projekte stellten sich am Dienstag beim jährlichen Tag der Forschung der HDA vor.
Seit einem halben Jahr gibt es mit Steffensen auch erstmals einen Vizepräsidenten für den neu geschaffenen Bereich Forschung und Entwicklung. Er will die Kräfte an der HDA bündeln. Helfen kann dabei das Zentrum für Forschung und Entwicklung, das seit 2001 Dozenten bei Projekten sowie Verträgen berät und auch schon mal Geld bereitstellt. „Das Forschungspotenzial ist gerade wegen der Praxis-Ausrichtung der FHs groß“, betont er.
Und noch eine Neuerung stellt der Vize in Aussicht. 2012 soll es an der Hochschule für alle Fachbereiche einen neuen Titel geben: Den Master of Science by research – einen Forschungs-Abschluss.

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