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Illegale Sprungschanzen: Forstamt will Biker stoppen

Sie gefährden Fußgänger und stören die Bewohner des Waldes: Downhillfahrer, die mit 40 Sachen von der Burg Frankenstein durch den Wald heizen. Von Claudia Horkheimer

Downhill-Fahrer lieben riskante Sprünge auf abschüssigen Waldterrain.
Downhill-Fahrer lieben riskante Sprünge auf abschüssigen Waldterrain.
Foto: Arnold/FR

Quer durch den Wald geht's mit 40 Sachen den Berg hinunter. Je steiler und hindernisreicher eine Strecke ist, desto beliebter ist sie bei Extrem-Mountainbikern. So wie beispielsweise die sogenannte Frankensteinrinne unterhalb der Burg Frankenstein im Mühltal.

Sie ist seit Jahren Treffpunkt für Downhillfahrer aus der ganzen Region. An manchen Tagen kommen hunderte hierher, um sich den etwa zwei Kilometer langen Hohlweg durch den Wald hinunter zu stürzen.

Doch damit soll es nach dem Willen des Darmstädter Forstamts jetzt vorbei sein. Denn die Biker schmälern laut Behörde nicht nur den Erholungswert des Waldes, sondern gefährden auch Spaziergänger und beeinträchtigen die Natur.

Außerdem "ist Radfahren gemäß Forstgesetz nur auf Waldwegen erlaubt", sagt der Leiter des Forstamts Darmstadt, Hartmut Müller. Das Forstamt kann da nicht wegschauen sagt er, die Behörde habe hier die Verkehrssicherungspflicht. Da die Rinne die Spazierwege kreuzt, sei es schon zu zahlreichen "Beinaheunfällen" mit Fußgängern gekommen. Die Beschwerden häuften sich.

"Spaziergänger und Pilzsucher können sich oft nur noch durch Sprünge zur Seite retten", sagt Revierleiter Rudolf Schilling. Zudem seien auch die Biker selbst gefährdet, wenn sie über die illegal errichteten ein bis zwei Meter hohen Schanzen springen. "Das grenzt schon an Artistik", so Schilling,

Die Fahrrinne sei mittlerweile stellenweise 20 Meter breit. Es entstünden immer neue Strecken. Die Folgen: Verletzte Wurzeln, Bodenerosion und zerstörte Waldrinnen. "Es kann nicht sein, dass der hessische Steuerzahler für solche Zerstörung aufkommt", sagt Müller. Denn der Wald um den Frankenstein gehört dem Land Hessen.

Auch das Wild werde gestört, weil manche Biker nach Feierabend und in der Dämmerung kommen. "Ich habe schon nachts um zwölf hier Leute herumfahren sehen", sagt Schilling. Stoppen könne man die jedoch kaum. Das sei zu gefährlich. Einmal habe es einen Einsatz mit berittener Polizei gegeben. Doch just an diesem Tag habe sich kein Downhillfahrer blicken lassen.

Deshalb appelliert das Forstamt jetzt an die Vernunft der Mountainbiker und will das Gespräch suchen. "Wir sind bereit für einen Runden Tisch um nach Alternativen zu suchen," sagt Müller. Wenn sich ein Betreiber fände, könne an einem anderen Ort vielleicht eine legale Bahn eröffnet werden. Doch das Forstamt findet auf Biker-Seite keinen Ansprechpartner.

Kein Ansprechpartner

Man habe schon verschiedene Radverbände angesprochen, jedoch fühle sich niemand zuständig. Die Downhillfahrer seien eine anonyme Gruppe, die sich meist über das Internet verabrede. Dort werden auch Routen ausgetauscht und gerade die Strecke am Frankenstein wird in vielen Internetforen angepriesen. "Man kann hoch bis zur Burg fahren sich anziehen und dann von oben runterdonnern", schreibt ein Biker.

Um dem Treiben Einhalt zu gebieten, will das Forstamt die Pisten künftig kontrollieren. Außerdem will Hartmut Müller weitere Verbotsschilder aufstellen lassen. Denn bei Verstoß droht eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro. Zudem sollen bei routinemäßiger Holzernte alle 15 Sprungschanzen beseitigt werden.

Autor:  CLAUDIA HORKHEIMER
Datum:  2 | 12 | 2008
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