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Darmstadt
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23. Januar 2013

Kammerjäger Darmstadt: Auf Mäusejagd

In Darmstadt sind derzeit vor allem Mäuse eine Plage.  Foto: Roman Grösser

Kammerjäger Robert Göhler bekämpft seit 23 Jahren allerlei unerwünschtes Getier. Im Rhein-Main-Gebiet tummelt sich allerlei Getier, von Ratten und Mäusen über Kakerlaken bis hin zu Bettwanzen.

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Über Langeweile kann Robert Göhler nicht klagen. Sein Job ist krisenfest. Seit 23 Jahren ist er als Kammerjäger in Südhessen und Rhein-Main unterwegs. Ein gern gesehener Gast ist er jedoch nicht. Im Grunde will niemand etwas mit ihm zu tun haben. Außer, man braucht ihn. Dann soll er möglichst sofort kommen, so diskret wie möglich. Seinem Wagen sieht man die brisante Ladung nicht an. Nichts deutet darauf hin, dass im cremefarbenen Transporter Gasflaschen zur Schädlingsbenebelung liegen, Atemschutzmasken, Rattengift. Er selbst kommt in Zivil. Sein Schutzoverall kommt nur in Extremfällen zum Einsatz.

„In Rüsselsheim sind die Ratten los, Darmstadt und der Frankfurter Flughafen haben ein Mäuseproblem“, sagt Göhler (54). In Wiesbaden tummeln sich aufgrund der heißen Quellen amerikanische Kakerlaken im Rohrleitungssystem, und in Frankfurt ist die Gemengelage in Schädlingsfragen gemischt. „Ratten, Kakerlaken, Mäuse und Bettwanzen zählen zu den bekämpfungspflichtigen Schädlingen“, sagt er. Nicht bekämpfungspflichtig, aber auch ein Dauerbrenner sind Wespen- und Hornissennester. „Von März bis September haben wir Saison.“ Kosten je nach Aufwand. 130 Euro kostet etwa das Entfernen eines Wespennestes. Seine Arbeit ist ebenso spannend wie abwechslungsreich. Mal ist er in Restaurants, Schwimmbädern und Altenheimen unterwegs, mal in Wohnblöcken, Einkaufspassagen oder Bürohäusern. Gerade hat er in einem Privathaushalt die Rollladenkästen gecheckt. „Da hausen die Mäuse drin“, sagt er. Um der Plage Herr zu werden, gibt es regelrechte Wartungsverträge. Er legt Köder aus, kontrolliert sie in regelmäßigen Abständen, erneuert sie bei Bedarf.

Den Nachwuchs auslöschen

Meistens hat er einen Kollegen dabei. „Einer schafft, einer schwätzt“, sagt er. „Das brauchen die Leute.“ Während sein Mitarbeiter Andre Zerger auf allen Vieren im Badezimmer einer Darmstädter Hochhauswohnung Fraßgel für Kakerlaken ausspritzt, spricht Göhler mit dem alten Herrn, der dort wohnt, scherzt mit ihm, stellt Fragen. Wie viele Kakerlaken hat er seit seinem letzten Besuch gesehen? Wie groß waren sie? „Das ist wichtig. Man muss die Biologie der Tiere kennen. Möglich, dass die Kakerlakenweibchen vor ihrem Tod noch ganze Eierpakete abgelegt haben. Dann müssen wir dran bleiben.“

Göhlers nächster Termin ist im Darmstädter Stadtteil Bessungen. „Ich glaube nicht, dass wir was finden“, sagt er. Es gebe eine Menge Leute, die sich fest einbildeten, von Schädlingen heimgesucht zu werden. „Schädlingswahn“, nennt er das.

Seit 1. Januar dürfen Privatleute Rattengift übrigens nicht mehr selbst auslegen, sagt Göhler. Grund: „Zu 99 Prozent haben die Leute das falsch gemacht.“ Die Ratten hätten nicht genug von dem Gift gefressen, konnten Resistenzen entwickeln und seien mittlerweile schon in der dritten Generation immun dagegen. Göhler hat einen „Befähigungsschein zum schmerzfreien Töten von Wirbeltieren“.

In den USA hoch angesehen

In Deutschland sei man als Kammerjäger ein ausgemachter Niemand, sagt er. In den USA hingegen sei dies eine hoch angesehene Berufsgruppe. „Der Job heißt dort Pest-Control“, sagt er grinsend. „Und man selbst ist der Exterminator.“ Das gefällt ihm.

Doch Göhler ist auch Entweser. Hin und wieder bekommt er einen Anruf vom Morddezernat. „In der Wohnung eines Toten weiß ich, was mich erwartet“, sagt er. Er kennt die Gerüche, die Fliegen, die Maden, die Flecken. Dann kommen sein weißer Overall zum Einsatz, Schuhüberzieher, Einmalhandschuhe. „Sofern der Geruch erträglich ist, verzichte ich auf die Atemschutzmaske. Man gewöhnt sich an alles.“ (ers.)

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