Für Landrat Alfred Jakoubek (SPD) war es ein schwarzer Wahlsonntag: Der Absturz der hessischen SPD unter 25 Prozent sei "eine Katastrophe, deprimierend", der "absolute Tiefpunkt nach 1945".
Im Landkreis Darmstadt-Dieburg war die Hessen-Wahl am Sonntag der Auftakt zum Superwahljahr. Am 26. April folgt bereits der nächste Urnengang: Bürgermeisterwahlen in Roßdorf und Reinheim - und die Landratswahl. Jakoubek, der seit 1997 amtiert, tritt nicht mehr an.
Eine Personenwahl
Im Westkreis Darmstadt-Dieburg muss die SPD bei der Landtagswahl den hessenweit dritthöchsten Stimmenverlust hinnehmen. Wirkt sich das miserable Ergebnis auf die Landratswahl aus? Jakoubek glaubt das nicht. Bei der Landratswahl komme es sehr viel stärker auf die Personen an, sagt er.
"Die Umstände, die in Hessen zu diesem Wahlergebnis geführt haben, schmerzen sehr", sagt Jakoubek. Die Umstände sind seiner Ansicht nach Andrea Ypsilantis "strategischen Fehlern" geschuldet. Sie habe "überhastet und übereilt" gehandelt. Sie hätte Wort halten sollen - und abwarten, ob die FDP sich nicht doch noch bewege. Jakoubeks Einschätzung: Wäre es ohne Wortbruch zu Neuwahlen gekommen, hätten das die Wähler honoriert - das SPD-Ergebnis hätte anders ausgesehen. "Kochs minimaler Gewinn bestärkt mich in dieser Aussage", sagt der Landrat.
In Darmstadt-Dieburg treten bisher nur zwei Kandidaten an: der Erste Kreisbeigeordnete Klaus Peter Schellhaas (SPD) und Harald Buschmann (CDU), zur Zeit noch Bürgermeister von Erbach im Odenwald.
Die Grünen wollten im Februar eine klare Aussage treffen, kündigt der Kreisbeigeordnete Christel Fleischmann an. Das Landtagswahlergebnis sieht die Partei trotz ihres Sieges mit gemischten Gefühlen. "Ich bin nicht so hoch erfreut, wie die Grünen sich freuen müssten", sagt Brigitte Harth. Die Kreisfraktionsvorsitzende war als Direktkandidatin im Wahlkreis 52 angetreten. Das gute Ergebnis der Grünen beruhe auf "geliehenen Stimmen", sagt Harth. Sie hätte Heike Hofmann (SPD) liebend gerne Stimmen fürs Direktmandat abgegeben. Innerparlamentarisch sei das gute Grünen-Ergebnis positiv, so Harth. Neue Gesichter würden den Landtag mit neuen Ideen auffrischen.
Schellhaas tröstet sich damit, dass die Ergebnisse der SPD-Direktkandidaten in Darmstadt-Dieburg immer noch "respektabel" seien, weil sie "noch weit" über den Landesergebnissen liegen.
Überraschung bei der FDP
Für die FDP ziehen Leif Blum (34, Darmstadt) und Wilhelm Reuscher (55, Dieburg) in den Landtag ein. Zumindest für Reuscher ist das eine große Überraschung. Auf Platz 19 der Landesliste hatte er sich nicht unbedingt Chancen ausgerechnet. "Aber ich nehme das natürlich gerne an", sagt der künftige Abgeordnete.
Der FDP-Kreisfraktionsvorsitzende Klaus-Jürgen Hoffie spricht von einem "herausragenden Ergebnis". Die FDP müsse nun "Triebfeder für den politischen Neubeginn in Hessen" sein.

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