Darmstadt
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10. Januar 2013

Kultur: Offen für Verrücktes

In der schaurig-schönen Michael-Jackson-Büste können Unterstützer ihre Spenden loswerden.  Foto: Grösser

Der Veranstaltungsraum Zucker im Darmstädter Martinsviertel ist seit zwei Jahren erfolgreich und präsentiert Kunst und Veranstaltungen so bunt wie sein Konzept.

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Es gibt Momente im Café Zucker, da geht Barbara Beckmann das Herz auf. Wie an dem Tag, als ein unbekannter Gast einfach hinter die Theke kam und ihr eine Spende von 50 Euro in die Hand drückte, weil er das Projekt in der Darmstädter Liebfrauenstraße unterstützen wollte.

Vor zwei Jahren haben die Macher des Zucker beschlossen, aus dem ehemaligen Laden einen offenen Raum für Veranstaltungen zu machen und einen Mitmach-Verein zu gründen. Die Räumlichkeiten im Martinsviertel sind dank rollbarer Regal-Elemente hochflexibel: Mal räumt ein Konzeptkünstler alles leer und schüttet lediglich einen Haufen Sand auf, mal warten auf den Tischen alte Platten oder Ingwer-Cupcakes mit Zimtbuttercreme auf neue Besitzer.

„Gerade bei Leuten, die neu in der Stadt sind, kommt das Zucker gut an“, sagt Beckmann, deren Leben in etwa so bunt ist wie das kunstaffine Konzept und der dazugehörige Verein zur Förderung der Selbstmach-Kultur: Sie arbeitet als Innenarchitektin, kellnert im Café Chaos, engagiert sich bei Uffbasse und malt.

Beckmanns Vermutung: Wer neu ist, ist besonders positiv überrascht von kreativen Sprenklern in dieser kleinen Großstadt. In Darmstadt erwartet man vielleicht nicht, dass es Schlechte-Witze-Abende und Bier-Häkel-Stunden gibt.

Am 1. Februar wird das Zucker als Veranstaltungsraum zwei Jahre alt. Jeder kann die 32 Quadratmeter Fläche plus 28 Quadratmeter Lager für fünf Euro die Stunde mieten – fast jeder. Anfragen von politischen Parteien lehnt der Kreis aus zwölf Vereinsmitgliedern ab. Und auch die religiöse Gruppe, die „ein bisschen sektenmäßig“ daherkam, war dem Verein zu viel. Verrückt, das geht, aber Missionarisches ist tabu. Welche Idee, welche Veranstaltung funktioniert denn eigentlich am besten? Schwer zu sagen, meint Vorstandsmitglied Petra Blank: „Die Konzerte laufen sicherlich gut, und auch die Ausstellungen.“ Manchmal sei es beim Bierhäkeln ziemlich voll, während an anderen Tagen gerade mal drei Leute kämen.

Acht bis zehn Mal im Monat wird das Zucker im Schnitt gebucht. Eine Konstante hat Blank ausgemacht: „Je unklarer der Titel der Veranstaltung, desto besser läuft sie.“ Das spricht für Outdoor-Häkel-Aktionen wie „Zucker vor der Tür“ oder Foto-Ausstellungen wie „2ScheibenMortadella“.

Häkeln und schlechte Witze

Auch die Finanzen stimmen, sagt der Vorstand: Obwohl der Eintritt frei ist und sich der Verein hauptsächlich über die Beiträge der Mitglieder (245 und 145 Euro monatlich) finanzieren muss, reicht es halbwegs für die monatlichen Kosten. Damit aber sichtbar ist, dass freiwillige Beiträge gefragt sind, steht die Spendendose stets bereit: Eine schaurig-schöne, silberne Büste von Michael Jackson mit einer Blumenkette.

Alles in allem also eine positive Bilanz. Würde sie anders ausfallen, gäbe es das Zucker ohnehin nicht mehr, sagt Barbara Beckmann. „Das steht und fällt alles mit dem Engagement der Gäste. Wird das Angebot nicht mehr genutzt, stellen wir das alles ein.“ Und Petra Blank ergänzt: „Wir müssen niemandem etwas beweisen.“ (ers.)

Termine und mehr gibt es auf der Seite www.zuckersachen.de.

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