Darmstadt
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14. Januar 2013

Lange Nacht der Hausarbeiten: Kampf dem Schweinehund

Mit Unterstützung von Profis haben sich rund 50 Studierende eine Nacht lang ihren wissenschaftlichen Arbeiten gewidmet.  Foto: Claus Völker

Bei der „langen Nacht der Hausarbeiten“ können Studenten 24 Stunden an der Hochschule Darmstadt büffeln. Und eine entsprechende Infrastruktur wie Kaffee als Wachhaltehilfe oder Isomatten für Müdigkeitsnotfälle gibt's auch.

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Die Sonne ist schon vor Stunden untergegangen. Wie ausgestorben liegt das Verlagsviertel in der Dunkelheit. Nur aus dem großen Gebäude in der Schöfferstraße strahlt helles Licht – wie ein Leuchtturm in der Nacht ragt Darmstadts höchstes Haus empor.

Auf den letzten Drücker mit fachlicher Hilfe eine wissenschaftliche Arbeit angehen: Dieses Angebot haben am späten Samstagabend etliche Studierende bei der „Langen Nacht der Hausarbeiten“ an der Hochschule Darmstadt (HDA) genutzt.

Im Saal namens „Glaskasten“ sitzen die Studenten an quadratisch zusammengestellten Tischinseln. Nur vereinzelt ist Gemurmel zu vernehmen, ansonsten herrscht konzentrierte Stille. Augen schauen auf Monitore, Finger tippen auf Tastaturen, Köpfe sind über Papiere und Bücher gebeugt – für manche wird das noch bis zum Morgen so gehen.

Anders als bei der Premiere im Sommer war die 24-Stunden-Veranstaltung ab Samstag 15 Uhr diesmal wirklich als Nachtschicht angelegt – inklusive entsprechender Infrastruktur wie Kaffee als Wachhaltehilfe oder Isomatten für Müdigkeitsnotfälle.

Mit Kaffee und Zigarette steht Kai Mauelshagen vor der Tür und gönnt sich eine Pause. Eisiger Wind pfeift ihm um die Ohren, seine Lippen bibbern beim Reden: „Ich fand die Idee gut“, lobt der 29 Jahre alte Informationswissenschaftler, der an seiner Bachelor-Arbeit sitzt. „Und die machen das wirklich gut hier.“

Mit „die“ meint der Frankfurter den Trainerpool, der die ganze Nacht hindurch für Fragen und Anregungen parat steht. Mauelshagen hat das bereits mit Erfolg in Anspruch genommen. Er hatte etwa Fragen zur Seiten-Nummerierung, zu denen er im Internet nichts gefunden hat. Gut vorangekommen sei er heute. Ob er allerdings die ganze Nacht durchhält, ist fraglich: „Ich bin mir noch nicht sicher, wie lange ich bleibe.“

Kein Wunder, mitten in der Nacht wissenschaftlich arbeiten ist ja auch kein Zuckerschlecken. Warum überhaupt dieses eigentümliche Angebot? „Um bei Arbeiten auf den letzten Drücker bei der Überwindung des inneren Schweinehunds zu helfen und Motivationshilfe zu geben“, erläutert Oliver Glindemann vom Kompetenzzentrum Lehre plus. Aber geht das nicht auch tagsüber? Schon, räumt er ein. „Aber das andere ist der Spaßfaktor.“

Nach Spaß sieht das allerdings nicht gerade aus, was beim Blick über die konzentriert arbeitenden Studierenden zu beobachten ist. Doch! Ganz hinten in einer Ecke wird gekichert. Gut gelaunt nutzen in einer Sofanische Andreas Schaeffer und Ruth B. de Souza das Angebot – zerknülltes Muffinpapier und geleerte Kaffeetassen vor sich.

„Das ist ein Geschenk“, schwärmt die Informatikstudentin, die sich mit ihrem Kommilitonen auch an anderen Samstagen hier zum Schreiben trifft. Aber so sei es viel besser: „Weil wir nicht allein sind und immer Bewegung ist, das gibt Schub.“ Und auch dass sie die ganze Nacht hindurch dranbleiben könnten, kommt den beiden gelegen – kommende Woche haben sie Abgabe.

„Für viele ist es eine Motivation, dass man hier nicht alleine hockt“, sagt Maggi Walz, studentische Kraft des Trainerpools. „Und weil es auch mal was anderes ist.“ Zudem ist die Betreuung ja nicht von schlechten Eltern: Getränke und Snacks gehören zu dem kostenlosen Angebot ebenso wie Tipps zu richtigem Zitieren, Vorträge zu Zeitmanagement oder Lockerungsübungen für zwischendrin.

Das kommt gut an. Gut fünfzig Studierende haben sich angemeldet, zehn davon haben bis zum Morgen gearbeitet. Zur Belohnung gibt’s ein Frühstück. Nicht für Kai Mauelshagen. Er hat nicht so lange durchgehalten und vorher die Biege gemacht. Das Büffeln bis zum Morgengrauen ging ihm dann wohl doch zu weit. (aw.)

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