Im Landkreis Darmstadt-Dieburg waren Ende Januar insgesamt 7374 Menschen ohne Job. 31,4 Prozent von ihnen sind 50 Jahre und älter. Ähnlich ist es in anderen südhessischen Kreisen. An der Bergstraße sind es 31,3 Prozent, in Darmstadt 25,8, in Groß-Gerau 25,7. Den Negativrekord hält der Odenwaldkreis mit 32,8 Prozent. Schon das Alter ist also oft ein Problem bei der Arbeitssuche. Kommt dazu noch Langzeitarbeitslosigkeit, gesundheitliche Einschränkungen oder überholte Qualifikation, senkt sich der Daumen vieler Personalchefs erst recht.
Finanziert wird Impuls 50Plus vom Bundesministerium für Arbeit. Es ist ein Unterprogramm des Projekts Perspektive 50Plus, das sich an Langzeitarbeitslose mit besonderen Problemen wendet.
Im Landkreis Darmstadt-Dieburg begann das Projekt im Jahr 2010 mit zunächst 100 Kunden. Seit dem Jahr 2011 werden 391 Arbeitslose betreut.
Seit Frühjahr 2010 wurden nach Angaben des Kreises Darmstadt-Dieburg 33 Arbeitslose in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit vermittelt.
Im Kreis Offenbach gibt es 320 Projektteilnehmer. 2011 wurden nach Angaben des Kreises 38 von ihnen in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit vermittelt.
Fünf Landkreise haben sich zusammengetan, um Menschen aus dieser Gruppe zu helfen. Außer Darmstadt-Dieburg und Offenbach, die wegen der räumlichen Nähe besonders eng kooperieren, sind das der Kreis Bergstraße, der Rheingau-Taunus-Kreis und der Landkreis St. Wendel im Saarland.
Impuls 50Plus heißt das Programm, wofür das Arbeitsministerium in Berlin bundesweit jährlich 350 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Gegenleistung: Zehn Prozent der „Kunden“ (wie die Arbeitsvermittler ihr Klientel nennen) sollen pro Jahr in eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit vermittelt werden.
Verborgene Talente entdecken
Der Name Impuls 50Plus ist mit Bedacht gewählt, denn es geht zunächst genau darum: Menschen, die teils mehr als zwei Jahre ohne Arbeit sind und die erfolglos Bewerbungen im Dutzend verschickt haben, einen positiven Impuls zu geben. Die Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit sind nämlich gravierend, „psychisch und physisch“, wie Jörg Halama weiß, Projektleiter bei der Darmstadt-Dieburger Kreisagentur für Beschäftigung. Das Selbstbewusstsein ist im Keller, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten verloren. Bisherige Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Kunden vom Impuls 50Plus „zunächst weit von einer unmittelbaren Arbeitsmarktintegration entfernt sind“, sagt Brunhilde Link, die das Programm in Offenbach koordiniert.
Impulse geben – wie geht das? Zunächst steht Kreativität im Vordergrund. Foto, Musik, Bild, Bewegung, Theater: Die Arbeitslosen werden in alle möglichen Gruppen geschickt – in der Hoffnung, dass sie dort Eigeninitiative entwickeln, verborgene Talente entdecken und durch den Austausch mit anderen Teilnehmern Selbstbewusstsein entsteht. „Die Leute haben dadurch wieder Erfolgserlebnisse“, sagt Halama.
Bei vielen ist es erst dann sinnvoll, ein Jobcoaching mit Beratung, Bewerbung, Vermittlung zu beginnen, sagt Link. Die Verantwortlichen in den beiden Kreisen halten Kontakt zu Arbeitgebern und versuchen, sie zu überzeugen, dass es lohnt, ältere Beschäftigte einzustellen. Kein leichter Job für die Vermittler, denn in vielen Firmen gilt noch das alte Denken, nur junge Beschäftigte seien gute Beschäftigte. (reh.)

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