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Lovepoint in Darmstadt: "Ich bin Amor"

Ein Traumpartner auf Dauer oder für gewisse Stunden gesucht? Wolfgang Herkert vermittelt Seitensprünge. Seit kurzem kann der Dienstleister sogar das TÜV-Siegel vorweisen. Von Astrid Ludwig

Wolfgang Herkert ist Geschäftsführer von Lovepoint.
Wolfgang Herkert ist Geschäftsführer von Lovepoint.
Foto: Diana Djeddi

Sein Büro liegt versteckt im dritten Stock eines Geschäftshauses an der Rheinstraße. Ein schlichtes Schild mit dem Hinweis "Networld Projects" weist den Weg. Überall auf dem Flur stehen PCs, Laptops und Kartons. Wolfgang Herkert teilt sich die Etage mit der Computerfirma seines Bruders.

Alles wirkt eher unscheinbar, sieht aus wie ein Ort für Informatik-Freaks und Software-Spezialisten. Darauf, dass Wolfgang Herkert Gründer und Chef der derzeit bundesweit führenden Internet-Agentur für Erotikabenteuer und Seitensprünge ist, deutet nichts hin. Nicht einmal Herkert selbst.

Der 31-Jährige wirkt wie der nette Junge von nebenan, der Schwiegersohn-Traum vieler Mütter. Freundliches Lächeln, gediegene Kleidung, Brille, kurze Haare. Harmlos auch das Firmenlogo. "Lovepoint" heißt der Server, eine Zeichentrick-Blondine lehnt auf dem Schriftzug mit dem roten Herzen. "Anonym, diskret, niveauvoll", so wirbt Herkert für seine Kontakt-Agentur, die den Traumpartner auf Dauer oder für gewisse Stunden vermittelt. Seriosität, betont er, sei ihm wichtig. Seit kurzem kann er sogar das TÜV-Siegel vorweisen.

Das Zertifikat hat er bundesweit als einziger Anbieter der Internet-Erotik-Sparte für Datenschutz und Schutz der Nutzerrechte bekommen. Lovepoint war 2008 Sieger bei sieben Online-Dating-Tests und ist bei "saferdating.de" gelistet, einem Dienst, der die Partnersuche im Netz sicherer machen will und von Ökotest und Stiftung Warentest empfohlen wird. "Meine Idee war etwas Seriöses zu schaffen, kein Portal mit billigem Flirt-Touch", sagt der 31-Jährige.

Vor zehn Jahren hat er die Agentur gegründet, die heute mehr als 190.000 Nutzer und zehn Mitarbeiter zählt. "Sie ist aus dem Privatleben entstanden." Herkert hat schon als Abiturient selbst online gedatet. "Ich war auf der Suche nach der Partnerin fürs Leben und wurde enttäuscht, weil ich oft an Frauen geriet, die auf eine Affäre aus waren."

Also bastelte er mit 21 Jahren seinen eigenen Server zusammen. "Das war 1999 ohne großen Aufwand zu realisieren. Heute ist das schwerer." Von Anfang an hat er die Agentur in Angebote für Menschen, die einen festen Partner suchen und solche, die nur einen Seitensprung wollen, unterteilt.

Herkert hatte offenbar ein sicheres Gespür für künftige Märkte. "Es gibt elf Millionen Singles und sechs Millionen davon suchen eine Beziehung per Internet. Heute trauen sich die Leute das auch zuzugeben, und übers Netz werden sicherlich die meisten Partner gefunden", sagt er. Lovepoint wirbt damit, 2008 mehr als 3,5 Millionen Mal erfolgreich Partner vermittelt zu haben. Der Markt scheint jedoch mehr für Seitensprünge denn Traumpartner herzugeben. Denn unterdessen ist die Erotik-Sparte bei dem Darmstädter Anbieter mehr gefragt als die für die feste Bindung.

Skrupel, die Plattform für Untreue zu sein, hat der smarte 31-Jährige nicht. "Wir befriedigen das Bedürfnis der Masse, die Sehnsucht der Menschen nach Liebe. Moralische Bedenken habe ich keine. Was der Einzelne daraus macht, über seine moralischen Werte muss jeder selbst entscheiden", sagt er. Übrigens suchen mehr Männer den Seitensprung und mehr Frauen den Traumpartner. Das zeigen die Anmeldungen bei der Agentur.

Die meisten Nutzer sind zwischen 30 und 50 Jahre alt, das ist auch die Zielgruppe. "Bis 25 und ab 55 Jahren läuft wenig", sagt Herkert. Lovepoint fragt per Fragebögen die Interessen und Übereinstimmungen der Partnersuchenden ab, überprüft die Identität seiner Nutzer gezielt durch persönliche Anrufe und die Vorlage von Ausweispapieren. Nutzer können anonym miteinander in Kontakt treten. "Das erste Kennenlernen soll sicher sein", so Herkert. Frauen zahlen bei Lovepoint übrigens keine Gebühr.

Herkert selbst hat unterdessen auch die Frau fürs Leben gefunden. Über seine eigene Agentur. Und die Angebetete hat kein Problem mit seiner Profession. "Warum auch? Ich hab den tollsten Job der Welt", grinst der 31-Jährige als könne er kein Wässerchen trüben: "Ich bin Amor."

Autor:  ASTRID LUDWIG
Datum:  9 | 2 | 2009
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