Bamako/Heidelberg/Stuttgart/Berlin/Bern. Die Bundesregierung bemüht sich um die Freilassung einer im westafrikanischen Mali entführten Deutschen. Im Auswärtigen Amt sei ein Krisenstab eingerichtet worden, der am Morgen unter Leitung von Staatssekretär Reinhard Silberberg getagt habe, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Berlin. Das Gremium stehe in Kontakt mit den schweizerischen, britischen und den malischen Behörden, um zu einer Lösung zu kommen.
Nach der Entführung einer Deutschen und drei weiterer europäischer Touristen im zentralafrikanischen Mali gibt es noch keine Erkenntnisse über die Hintergründe.
"Man kann in der Tat davon ausgehen, dass eine deutsche Staatsangehörige in Mali verschleppt worden ist", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Freitag in Berlin. Man sei bemüht, "den Sachverhalt aufzuklären und zu einer Lösung zu kommen".
Der Ministeriumssprecher wies darauf hin, dass das Auswärtige Amt "seit längerem" für diese Region eine Reisewarnung herausgegeben habe. "Die Sicherheitslage im Norden Malis wird durch bewaffnete, grenzüberschreitend operierende Gruppierungen erheblich gefährdet. Es besteht die Gefahr bewaffneter Überfälle auch auf Reisegruppen", heißt es in dem Reisehinweis. Der Sprecher appellierte an Einzelpersonen und Reiseveranstalter, diese Warnungen sehr ernst zu nehmen. "Alles andere wäre aus unserer Sicht unverantwortlich."
Reiseveranstalter weist jede Verantwortung von sich
Der Heidelberger Reiseveranstalter Oase-Reisen hat die Entführung von vier Kunden im zentralafrikanischen Mali bestätigt. Wie der Geschäftsführer des Afrika-Spezialisten, Werner Gartung, unter Berufung auf seinen afrikanischen Partner Mahaman Yaou am Freitag mitteilte, handelt es sich dabei um eine 75-jährige Deutsche aus Darmstadt, ein Schweizer Ehepaar und einen weiteren Europäer.
"Die Gruppe von sieben Kunden reiste zusammen mit meinem Partner Mahaman Yaou in drei Fahrzeugen. In einem saßen die vier Entführten, im zweiten drei weitere Kunden", berichtete Gartung. Das dritte Fahrzeug war ein Versorgungswagen. Wer die Entführer seien, konnte Gartung nicht sagen. "Meine Einschätzung ist, dass sie einer Tuareg-Rebellengruppe angehören, möglicherweise der nördlich von Gao operierenden 'Allianz für den Wandel'."
Gartung wies jede Verantwortung von sich. Zwar gebe es Warnungen des Auswärtigen Amtes für Mali-Reisen. "Diese beziehen sich aber auf den Norden des Landes. Unser Reisegebiet liegt weit südlich dieser möglichen unsicheren Situation, in der es noch nie Vorkommnisse gab. Deshalb haben nicht nur wir, sondern auch andere vor allem französische Veranstalter diese Reise angeboten", betonte Gartung.
Einer der drei Reisenden im nicht überfallenen Fahrzeug - ein Luxemburger - schilderte Gartung am Donnerstagmittag dramatische Szenen der Entführung: "Wir hätten tot sein können", habe der Luxemburger am Telefon noch unter Schock erzählt.
Tuareg schießen auf Reifen des Touristen-Fahrzeugs
Das Entführungsdrama der Individualtouristen begann laut Gartung bei der Rückreise aus dem grenznahen Ort Andéramboukane in Mali. Dort hätten sie das alle zwei Jahre stattfindende Kulturfest der Tuareg und anderer Gruppen besucht. "Noch in Mali und bei schlechter Sicht nach einem Sandsturm, tauchte ein Fahrzeug mit bewaffneten Tuareg auf. Es wurde sofort auf die Reifen des ersten Fahrzeugs geschossen.
Die fünf Insassen mitsamt dem Fahrer wurden zum Aussteigen gezwungen und auf ein Fahrzeug der Entführer verladen", berichtete Gartung. Der Fahrer des zweiten Wagens mit den anderen drei Oase-Kunden sei nach dem ersten Schuss mit Vollgas davongefahren. Das Fahrzeug sei vom malischen Partner Yaou gefahren worden.
Yaou habe danach sofort das malische Militär an der Grenze informiert. Später - am Ort der Entführung - seien zwei Fahrzeuge gefunden worden. Bei dem einen Fahrzeug seien alle Reifen durchschossen gewesen. Im Versorgungsfahrzeug habe der Koch verstört überlebt, nachdem er eine "Schein-Exekution" durchgemacht habe. Dabei hätten die Entführer bewusst knapp an seinem Kopf vorbeigeschossen. "Vom Gepäck der Entführten wurde nichts entwendet", sagte Gartung. (dpa/ddp/rtr)

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