Dieburg. Als einen "Spaziergang bei Gegenwind" bezeichnet der evangelische Pfarrer Clemens Bittlinger den Aufruhr um seinen Papst-Song. Seit er ihn vor einigen Monaten herausbrachte, wird er nicht nur wüst beschimpft und erhält Morddrohungen, jetzt darf er auch nicht mehr mit anderen Inhalten in einer katholischen Kirche auftreten.
Ein interkulturelles Konzert, bei dem Bittlinger am 4. Oktober in der Dieburger Kirche Peter und Paul gemeinsam mit dem moslemischen Lyriker Gerhard Abdulqadir einen musikalischen Dialog zwischen Christentum und Islam vortragen wollte, ist abgesagt. Es muss ein anderer Aufführungsort gefunden werden.
"Eine katholische Kirche ist für dieses Konzert nicht der geeignete Ort", sagte der Leiter der Pressestelle im Bischöflichen Ordinariat Mainz, Tobias Blum. Gestern teilte man dem Landratsamt deshalb mit, dass es nach einem anderen Veranstaltungsort suchen solle. Man nehme die Bitte sehr ernst und respektiere sie, sagte Kreis-Sprecher Peter Tränklein.
Als Begründung teilte die katholische Kirche lediglich mit, dass im Vorfeld nicht die "Rede von Koran-Zitaten" gewesen sei. Dies habe man erst auf den Plakaten erfahren. "Blauäugig" findet das Bittlinger, der Referent für Mission und Ökumene im Dekanat Darmstadt-Land ist.
Koranzitate als Vorwand?
Es wäre klar, dass bei einem interreligiösen Konzert mit einem Moslem auch aus dem Koran zitiert werde. Der Liedermacher sieht den wahren Grund für die Absage in der Debatte um seinen Song "Mensch Benedikt".
In dem Lied gibt er dem katholischen Kirchenoberhaupt unter anderem die Mitschuld an der Ausbreitung von Aids durch das strikte Verbot von Kondomen und kritisiert eine Verklärung der Missionsgeschichte.
Er wollte damit weder Papst Benedikt diffamieren noch ein anti-katholisches Lied machen, sagt Bittlinger, den die Welle der Empörung unerwartet und aus den anonymen Kanälen des Internets traf. Was den Text angehe, habe er massive Rückendeckung von Katholiken, sagt Bittlinger.
Ein katholischer Amtsbruder habe ihm bescheinigt, "wie gut es ist, dass es eine Schwesterkirche gibt, in der man Dinge sagen kann, die wir genauso sehen, aber nicht formulieren dürfen, weil wir sonst rausfliegen würden".
Der Anstoß für den Pfarrer, das umstrittene Lied zu schreiben, kam vergangenes Jahr. Die römische Kongregation für Glaubenslehre hatte im Juli 2007 erneut die Stellung der römisch-katholischen Kirche als einzig wahre Kirche bekräftigt, was "ein Schlag ins Gesicht" gewesen sei.
Die katholischen Kirche verweigert eine Stellungnahme zu der Debatte. Man habe "keine Veranlassung, sich zu äußern. Wenn sich jemand bedroht fühle, sei das Sache der Polizei", sagt Blum. Auch Papst Benedikt, der die erste CD mit dem Song zugeschickt bekam, habe nicht reagiert, so Bittlinger. Der Liedermacher sieht es gelassen: "Lasst uns aufhören, Öl ins Feuer zu gießen."

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