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18. Januar 2013

Museen: Fossile Schätze

Ein Museum in Oslo erwarb Äffchen „Ida“ 2009 für 750 000 US-Dollar.  Foto: dpa

Hobby-Paläontologen können mit ihren Funden reich werden / Verkauf an Museen

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Mit Fossilien aus der Grube Messel erzielen Hobbypaläontologen stattliche Gewinne – und die Preise steigen. Für den Ankauf von Funden gab allein der Messeler Museumsverein seit 1990 etwa 312 000 Euro aus. Das Landesmuseum Darmstadt erwarb 2001 Fossilien im Gesamtwert von 2,25 Millionen Mark. Äffchen „Ida“ brachte ihrem Ausgräber 750 000 US-Dollar ein.

Nach der Einstellung des Tagebaubetriebs 1971 bis zur Sperrung 1975 herrschte in der Grube Messel regelrechte Goldgräber-Stimmung. Über die Angemessenheit des Verkaufs von Funden aus dieser Zeit gibt es heute kaum noch Meinungsverschiedenheiten. „Solche Funde gehören in Fachhände. Also in Museen, zur wissenschaftlichen Bearbeitung und für die Öffentlichkeit“, ist Hobby-Paläontologe Gerhard Jores überzeugt.

Der Darmstädter Steuerberater hatte 1974 den bisher einzigen Ameisenbären außerhalb Südamerikas in der Grube Messel ausgegraben und damals für eine Sensation in der internationalen Fachwelt gesorgt. Jores übergab den Ameisenbären Eurotamandua joresi 2001 für 650 000 Mark ans Landesmuseum Darmstadt. Die angeblich komplette, überaus wertvolle Privatsammlung der Hobby-Paläontologen Christa und Albert Behnke gelangte beim gleichen Ankauf für 1,6 Millionen Mark in den Darmstädter Messel-Bau. „Da wurde nicht gehandelt. Das Kaufangebot kam vom Landesmuseum, und ich habe zugestimmt“, sagt Jores heute.

Das Urhuftier Kopidodon macrognathus, vom Hobbypaläontologen Otto Feist zwischen 1970 und 1972 ausgegraben, brachte im vergangenen Herbst 100 000 Euro ein, als es der Messeler Museumsverein mit Hilfe zahlreicher Sponsoren erwarb. „Das äußerst wertvolle Fossil war uns angeboten worden“, berichtet Michael Höllwarth vom Messeler Museumsverein. „Aus der Sammlung Feist hatten wir schon mehrere Stücke angekauft, darunter auch ein schönes Urpferdfohlen.“

Äffchen „Ida“, das 2009 an das Naturhistorische Museum Oslo ging, war zuvor mehreren Museen in Hessen angeboten worden – doch die winkten wegen der geforderten Preise ab. Er selbst habe das einmalige Primaten-Fossil in den 90er Jahren in der Wohnung des Ausgräbers gesehen, berichtet Höllwarth. Doch ein kleines, im Ehrenamt betriebenes Museum wie das in Messel könne keine großen Anschaffungen machen.

Doch die Eigentumsansprüche an „Ida“ lassen sich mit denen an Funden der frühen Jahre nicht vergleichen, ist sich Franz-Jürgen Harms, ehemaliger Leiter der Senckenberg-Forschungsstation Messel, ziemlich sicher. Derzeit laufe gegen den „Ida“-Ausgräber ein Verfahren vor Gericht, der „Ida“-Streit gehe also weiter. „Legalisiert sind illegale Grabungen in Messel nicht – weder früher noch heute“, so der Geologe, der die Forschungsstation bis vor einigen Jahren leitete.

Nur die Ytong AG hatte Ende der 90er Jahre auf Wunsch des wissenschaftlichen Beirats der Grube Messel auf ihre Ansprüche verzichtet, sodass Funde aus der Zeit vor Dezember 1974 ins Eigentum ihrer Finder übergehen konnten, sagt Harms.

Juristisch sei ein Prozess um die Ansprüche an einmaligen Funden wie „Ida“ sicher vernünftig, meint Harms. „Aber aus Sicht eines Wissenschaftlers beziehungsweise der Museen ist der Vorgang recht problematisch.“

Privatsammler dürften sich in Zukunft wieder genau überlegen, ob und wem sie Zugang zu ihren oft bedeutenden Sammlungen geben. „Wer verkaufen will, wird es aber trotzdem tun“, vermutet Harms, denn illegale Funde lassen sich auch über Strohmänner weiterverkaufen – vermutlich direkt ins Ausland.

Außerdem könnten Messel-Fossilien auf die Zeit vor 1974 umdatiert werden – einfach, denn kaum zu kontrollieren. „Für die Messel-Forschung wäre beides nicht gut. Es dürften sich noch immer wichtige Stücke in Privatsammlungen befinden, die dann für immer in dunklen Kanälen verschwinden.“ (eda.)

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