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Neue Zukunft fürs Vivarium: Zoo wird dem Abfall zugeschlagen

Stadtrat Feuchtinger will das Vivarium retten. Die "Energieschleuder" kostet die Stadt jährlich eine Millionen Euro. Nun soll der Zoo bei der Müllabfuhr angegliedert werden.

Streichelzoo im Vivarium Darmstadt.
Streichelzoo im Vivarium Darmstadt.
Foto: Monika Müller

Noch einen Wunsch will sich Grünen-Stadtrat Klaus Feuchtinger bis zum Ende seiner regulären Dienstzeit im September erfüllen: "Ich möchte das Vivarium auf eine tragfähige Basis stellen, um so seine Zukunft zu sichern."

Feuchtingers Sorge liegen drastische Zahlen zu Grunde. Der dem Gartenamt zugeordnete kleine Zoo "mit uralter Darmstädter Tradition" hat die Stadt 2008 an Zuschüssen rund 1,226 Millionen Euro (bereinigtes Betriebsergebnis) gekostet - Tendenz steigend. 1999 waren es noch 0,96 Millionen Euro.

Zoo-Statistik

Tiere gibt es im Vivarium rund 760, darunter 128 Säugetiere und 188 Reptilien.

Mitarbeiter werden rund 30 beschäftigt, darunter 11 Tierpfleger und neun im Bereich Handwerk und Gartenpflege.

Von den Gerichten werden jährlich rund 300 Personen zugewiesen (gemein- nützige Arbeit).

Der jährliche Zuschuss der Stadt liegt derzeit bei 1,255 Millionen Euro.

Für die stetige Steigerung sind vor allem die Energiekosten verantwortlich. Feuchtinger: "Das Vivarium ist eine einzige große Energieschleuder." Feuchtingers Plan, der dem Grundsatz nach bereits vom Magistrat gebilligt wurde: Das Vivarium wird in den Eigenbetrieb Energie und Abfallwirtschaft (EAD) überführt.

Zu diesem Zweck hat sich vergangene Woche eine Ämter übergreifende Arbeitsgruppe bei der Stadt etabliert, die zügig die Details ausarbeiten soll. Von der Neuorganisation erhofft sich Feuchtinger vor allem Synergien: "Viele unserer hochqualifizierten Tierpfleger müssen heute auch Nebenarbeiten machen, die eigentlich nicht zu ihren Aufgaben gehören." Der EAD mit seinen Möglichkeiten, etwa bei der Reinigung der Wege, könne hier wertvolle Hilfe leisten.

Feuchtinger beeilt sich dabei klar zu stellen, dass mit der Neuorganisation "beim Vivarium niemand seinen Job verliert". Nur die Veränderung der Organisation ist für Feuchtinger aber keine ausreichende Strategie.

Der auf Tiergartengestaltung spezialisierte Experte Eckhard Wiesenthal wurde deswegen bereits von der Stadt eingeladen. Sein Credo: "Heute in den Frankfurter-, morgen in den Opel-Zoo und übermorgen ins Vivarium." Dahinter verbirgt sich die Herausarbeitung eines Alleinstellungsmerkmales, wie Wiesenthal es bereits beim Wormser Zoo mit dem Thema "Drachenland" umgesetzt hat. Fast der gesamte Tierbestand wird dem Thema untergeordnet.

Für den derzeitigen Vivarium-Chef Thomas Becker und den Vorsitzenden des Vivarium-Fördervereins "Kaupiana", Roman Scheidel, keine wirklich neue Idee. Nach einer Überprüfung des Tierbestandes gilt heute für das Vivarium bereits das Motto: Gondwanaland - eine Reise durch die südliche Halbkugel. Ein thematisches Konzept ist für Feuchtinger "absolut richtig". Feuchtinger: "Es geht darum, die Stärken zuzuspitzen."

Zunächst müssten aber auch andere Probleme gelöst werden. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität werde derzeit nach Wegen gesucht, wo und wie Energie eingespart werden könne. Viele Gebäude müssten nicht nur energetisch saniert werden. Zudem bedürfe es eines Gesamtkonzeptes, das auch die Zoo-Gaststätte einschließe. Feuchtinger: "Aber wir sind auf einem guten Weg."

Autor:  Frank W. Methlow
Datum:  3 | 6 | 2009
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