In den großen Kühlschränken stapeln sich graue Kästchen mit tausenden Motteneiern. In ihnen warten schon Trichogramma-Schlupfwespen darauf zu schlüpfen. Keine Panik. Trichogramma ist gerade mal 0,4 Millimeter groß. Mit bloßem Auge sieht man ihr die Verwandtschaft mit der Wespe kaum an. Im Gegensatz zur großen Schwester kann sie nicht fliegen, sticht nicht und man holt sie gezielt in Haus. Denn die Schlupfwespe ist der natürliche Gegenspieler vieler Schädlinge wie etwa der Futtermotte oder des Maiszünslers.
In Pfungstadt züchtet die Firma AMW-Nützlinge jedes Jahr Milliarden der so genannten Eierparasiten. Die Schlupfwespe legt ihre Eier in den Eiern von Schädlingen ab. Das Schädlingsei wird dabei abgetötet und es entwickelt sich darin ein kleiner Nützling. Aus dem Ei schlüpft nach etwa zehn Tagen eine Schlupfwespe und sucht nach weiteren Eiern. Der Zyklus wiederholt sich solange Schädlingseier vorhanden sind.
"Damit ist diese Art der Schädlingsbekämpfung im Gegensatz zu chemischen Insektiziden ungiftig und umweltfreundlich", sagt Geschäftsführer Bernd Wührer. Man stehe damit nicht nur in Konkurrenz zur chemischen Industrie, sondern mache auch Genmais überflüssig. Ein weiterer Vorteil sei, dass man für das Ausbringen von Trichogramma im Freien keine Technik braucht. Denn die Eier gibt es nicht nur auf kleine Pappkärtchen gepresst zum Auslegen im Vorratsschrank, sondern auch in kleinen Plastikkugeln, die von Hand ins Maisfeld gestreut werden können. Dennoch werden nur etwa 15 000 von geschätzten 50 000 Hektar, die alljährlich vom Maiszünsler befallenen sind, mit Trichogramma behandelt. Denn die Kosten liegen etwa 20 Prozent höher als für Insektizide, rechnet Wührer vor. Etwa die Hälfte der ausgebrachten Schlupfwespen stammt aus dem nur fünf-Mitarbeiter-starken Unternehmen in Pfungstadt. 95 Prozent der Kunden sind konventionelle Landwirte.
Die Mehrkosten für Trichogramma entstehen durch den erhöhten Produktionsaufwand, erklärt Wührer. Vieles sei Handarbeit und zeitabhängig, weil die Insekten nur wenige Tage leben. Der Biologe zeigt auf die Maschine, mit der jeweils 2000 parasitierte Schädlingseier auf ein streichholzschachtelgroßes Pappkärtchen gepresst werden. "Die Eier sind altersmäßig gestaffelt, so dass die Nützlinge nicht alle gleichzeitig schlüpfen, sondern über einen Zeitraum von zwei Wochen", erklärt Wührers Geschäftspartnerin Sylvia Melchior. Nach zwei Wochen werden dann die nächsten Kärtchen im Haushalt ausgelegt. Die Bekämpfung von Vorratsschädlingen mit Trichogramma gibt es erst seit 1994. AMW-Nützlinge ist hierfür laut Wührer der einzige Produzent in Europa. Bereits seit den 80er Jahren wird dagegen in großem Stile in der Landwirtschaft mit den Nützlingen gearbeitet. AMW liefert seine Tierchen auch nach Frankreich, Österreich und in die Schweiz.
Bedenken, das natürliche Gleichgewicht zu stören, hat Wührer nicht. Man verschiebe höchstens das Gleichgewicht zwischen Nützling und Schädling, so Wührer. Zum Ausrotten der Schädlinge wären Milliarden von Trichogramma pro Feld nötig. Zudem überlebten die Schlupfwespen, die ja auch in der Natur vorkommen, den Winter nicht. Dennoch dürfen nur die heimischen Arten freigelassen werden. Weltweit sind 150 Trichogramma-Arten bekannt. Zehn davon werden zur Parasitenbekämpfung eingesetzt. In Pfungstadt züchtet man für Forschungszwecke auch Arten aus Australien, Südamerika und Afrika.

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