Diesmal waren alle dabei, die zu einem offiziellen Spatenstich nun einmal gehören: Silke Lautenschläger(CDU), Landtagsabgeordnete und Umweltministerin in Hessen, Achim Großmann (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Berliner Bundesverkehrsministerium, Klaus Peter Güttler, SPD-Staatssekretär im FDP-geführten hessischen Verkehrsministerium, Karl Hartmann (SPD), Bürgermeister der Stadt Reinheim. Außerdem noch Stadtverordnete, Planer und Neugierige.
Denn der Spatenstich für die Ortsumgehung Reinheim im Zuge der B38 ist ein Projekt, auf das die Stadt - wie es in einem angestaubten Text heißt - schon "seit der Erfindung des Automobils gewartet hat". Noch immer quält sich der Verkehr über die Bundesstraße 38 durch Reinheim und schnürt die Entwicklung der Stadt ein, trennt eine Straßenseite von der anderen. Bis zu 20.000 Fahrzeuge wurden täglich gezählt.
Länge der Ortsumgehung Neubau B 38 Reinheim: 4,7 Kilometer. Kosten : 16,7 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt. Gesamtkosten: rund 18 Millionen Euro.
Flankierende Projekte: Verlegung der Landesstraße 3114 Kosten: 3,5 Millionen Euro vom Land Hessen. Zubringer Stadt Reinheim Kosten: circa 3,5 Millionen Euro von der Stadt Reinheim. Fertigstellung 2012 .
Eine Umgehungsstraße gehört seit fünf Jahrzehnten zum Forderungskatalog der Stadt, die alles getan hat, um den Straßenbau voranzutreiben. Nach dem Planfeststellungsbeschluss fehlte dem Bund das Geld. Gleichzeitig aber räumte die Stadt die Bedenken von 29 Klägern aus. Die Überzeugungsarbeit der Stadt bei den Klägern verdient nach Meinung des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) hohe Anerkennung. Der Stadt sei es so gelungen, Verzögerungen zu verhindern.
Dafür hat die Stadt eigenes Geld in die Hand genommen. Rund 600 000 Euro kostete die Stadt Reinheim laut Bürgermeister Karl Hartmann diese Beschleunigung der Ortsumgehung. "Die Stadt hat Geld bereitgestellt, um den Ausbau zu flankieren", sagte Hartmann. Finanziert werden sollen davon Lärmschutzmaßnahmen, "die so vom Bund nicht bezahlt worden wären".
Gescheitert wäre der Ausbau im vergangenen Jahr fast, weil er an die Mehreinnahmen durch eine Lkw-Mauterhöhung gekoppelt war, die das Land Hessen zunächst nicht mittragen wollte. Nun werden die Millionen für die Bundesstraßen-Umfahrung von Reinheim über das Konjunkturprogramm I finanziert.
Fertig gestellt werden soll die Baumaßnahme, zu der auch noch 1,2 Kilometer Landesstraße und der Zubringer der Stadt Reinheim gehören, im Jahr 2012. "Dann wird der Verkehr in Reinheim deutlich reduziert sein", freut sich Bürgermeister Karl Hartmann über die erhofften Auswirkungen.
Dem offiziellen Spatenstich am Mittwoch ging bereits im April ein "inoffizieller" Spatenstich voraus, zu dem "Bürger für Hartmann" im Bürgermeister-Wahlwahlkampf im April eingeladen hatten. Schon damals waren Bagger für erste Vorarbeiten aufgefahren. Einen Termin für einen offiziellen Spatenstich mit Beteiligung der hessischen CDU-Landesregierung hatte es vor dem Wahltermin jedoch nicht gegeben. Schließlich trat ein SPD-Amtsinhaber an.
Hartmann war jedenfalls schon beim "inoffiziellen Spatenstich" dabei, so wie er nun im "ganz offiziellen Rahmen" wieder zum Spaten gegriffen hat. "Es war derselbe Spaten - mein eigener", verriet er schmunzelnd, "der ist überall einsetzbar."

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