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Pauluskirche in Darmstadt: Gemeinde zieht alle Register

Die Sanierung der Orgel in der Darmstädter Pauluskirche soll 200.000 Euro kosten. Um das Geld zusammenzubekommen, wirbt die Gemeinde um Spenden.

An dem mehr als 40 Jahre alten Instrument müssen einige Teile ausgetauscht werden.
An dem mehr als 40 Jahre alten Instrument müssen einige Teile ausgetauscht werden.
Foto: Roman Grösser

Obwohl der Kantor und Organist der Pauluskirche Orgeln aus der ganzen Welt kennt und gespielt hat, sagt Wolfgang Kleber überzeugt: „Diese Orgel ist irgendwie gut.“ „Diese Orgel“ ist das 1969 von der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke erbaute und seitdem die Pauluskirche musikalisch ausfüllende Instrument mit 4438 Pfeifen. Jetzt soll die Orgel saniert werden. Unter anderem müssen die Pfeifen gereinigt werden, was bei der Anzahl einen großen Teil der Kosten ausmacht.

Historie

Als 1905 bis 1907 die Pauluskirche erbaut wurde, baute die Firma Steinmeyer dort eine Orgel mit 35 Registern. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Orgel zerstört; beim Wiederaufbau entschied man sich für ein provisorisches Instrument der Firma Walcker.

1969 wurde für den Bau einer neuen Orgel die Orgelbauwerkstätte Karl Schuke in Berlin ausgewählt. Mittlerweile hat die Schuke-Orgel Denkmalswert.

An der Orgel müssen nun Verschleißteile in der Spiel- und Registermechanik erneuert und spröde Lederabdichtungen ersetzt werden. Die durch eigenes Gewicht verformten Pfeifen werden wieder stabilisiert und der Staub, der sich seit der letzten Reinigung 1990 angesammelt hat, wird entfernt.

Die Initiative Paulusorgel im Niebergallweg 20 ist erreichbar unter Telefon 06151/427812.

Die letzte Überholung der Orgel war 1990. „Und eigentlich sollte man eine Sanierung planen, wenn alles noch gut klingt“, sagt Kleber, der das Instrument seit nunmehr zweieinhalb Jahrzehnten spielt. Trotz kontinuierlicher Pflege sind jedoch viel Orgelteile verschlissen, und in absehbarer Zeit, so der Kantor „wird sie nicht mehr zuverlässig funktionieren“.

Pneumatische Apparate müssen ersetzt werden, erklärt Kleber. Auch arbeiteten die elektromagnetischen Schaltkreise unzuverlässig. Die Pfeifen hingegen sind alle in so gutem Zustand, dass keine einzige erneuert werden muss.

Pfeifen sind zusammengesunken

Dennoch wird jedes Exemplar – die kleinsten sind wenige Zentimeter, die größten fünf Meter hoch – ausgebaut und gereinigt. Einige der schweren Prospektpfeifen, deren Gewicht nicht durch eine spezielle Aufhängung getragen wird, zeigen Verformungen. Die Pfeifen aus Weichmetall – die großen wiegen laut Organist durchaus mehrere Zentner – sind zum Teil in sich zusammengesunken.

220.000 Euro werden für die Sanierung inklusive einer Klangerweiterung um ein Bassregister veranschlagt. „Eine Summe, die Landeskirche und Paulusgemeinde nur zu einem kleinen Teil aufbringen können“, sagt Christine Schreiber, Vorsitzende des Kirchenvorstands.

Daher hat sich die Gemeinde unter dem Motto „Ziehen Sie mit uns alle Register“ zu einer Spendenkampagne entschlossen, die am Sonntag, 29. Januar, um 17 Uhr mit einem Benefizkonzert ihren Anfang nimmt. Außerdem können Bausteine ab zehn Euro etwa für die Reinigung und Intonation einer Pfeife erworben werden. Schirmherrin der der Spendenaktion Paulusorgel ist die ehemalige FDP-Landtagsabgeordnete Ruth Wagner.

Die Gemeinde, die auch eine Spendengala plant, hat schon einen Grundstock: 10.000 Euro Fördermittel stehen aus dem „Matching Fund 2012“ zur Verfügung, den die Evangelische Kirche Hessen und Nassau zum siebten Mal ausgelobt hat. Während der Sanierung wird die Orgel weiter zu spielen sein. „Es wird keinen Gottesdienst ohne Orgelmusik geben“, verspricht Kleber. (an.)

Datum:  27 | 1 | 2012
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