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Pflege in Darmstadt: Pflege in Gefahr

Schon jetzt fehlen in Darmstadt Pflegekräfte. Pläne der Europäischen Union zur Ausbildung, die die Einstiegshürde in den Beruf erhöhen, könnten den Mangel verschärfen.

An den hohen Ansprüchen des Berufs scheitern viele Auszubildende schon heute.
An den hohen Ansprüchen des Berufs scheitern viele Auszubildende schon heute.
Foto: Claus Völker

Die EU-Kommission plant, künftig eine zwölfjährige Schulzeit als Bedingung für das Erlernen eines Pflegeberufs anzusetzen. Eine höhere Qualifikation der Auszubildenden sei zwar wünschenswert, gehe aber an der Realität vorbei, meinen allerdings Vertreter von Darmstädter Einrichtungen.

Birgit Steindecker ist Pflegedirektorin am Krankenhaus Elisabethenstift und weiß nicht so recht, was sie von den EU-Plänen halten soll. „Nahezu in der ganzen Europäischen Union geht dem Beruf des Krankenpflegers keine Ausbildung, sondern ein Fachstudium voraus. So gesehen ist eine Angleichung richtig.“ Andererseits sei es mittlerweile schwer genug, überhaupt qualifiziertes Personal zu finden. Von den 15 Nachwuchskräften, die pro Jahr eine dreijährige Ausbildung in der Krankenpflege des Elisabethenstifts beginnen, scheitern bereits einige nach der Probezeit an dem hohen Anspruch, den vor allem die Theorie mit sich bringe. „Die Anforderungen auf den Stationen steigen, die Pflegekräfte müssen auch in kritischen Situationen den Überblicken behalten können und in der Lage sein, das erlernte Wissen in die Praxis umzusetzen. Nicht zuletzt tragen die Menschen eine hohe Verantwortung für die Patienten.“

Steindecker hofft auf eine flexible Handhabung: „Uns wäre schon geholfen, wenn Leute mit gutem Realschulabschluss und Berufserfahrung eine Ausbildung machen können.“ Denn der demografische Wandel werde die Situation nicht gerade leichter machen, ergänzt die Fachfrau.

Fach-Abi als Voraussetzung

Heidi Bergner vom Ortsverband Darmstadt-Starkenburg des Arbeiter-Samariter-Bunds hat wenig Verständnis für die geplanten Vorgaben aus Brüssel: „Die Einstiegshürde in den Beruf zu erhöhen, wird den ohnehin prekären Notstand in der Pflege noch verstärken.“

Als Hintergrund vermutet sie, dass damit die Möglichkeit geschaffen werden soll, stetig wachsendes Arbeitsaufkommen in Kliniken teilweise auf qualifizierte Hilfskräfte übertragen zu können – was in der häuslichen Pflege aber wenig Sinn mache. Zudem seien Abiturienten bereits heute wenig an Pflegeberufen interessiert, da sie körperlich schwer belastend seien.

Gertraude Römer-Torrecillas von der Martin-Behaim-Schule kann die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bestätigen. Die Studiendirektorin hält es für fragwürdig und überzogen, mindestens ein Fach-Abitur vorzuschreiben. „Ich frage mich, ob sich mit Blick auf die Bedingungen, die vor allem in der Altenpflege herrschen, in Zukunft genug Bewerber finden lassen.“

Römer-Torrecillas leitet den Fachbereich Gesundheit, der den Erwerb der allgemeinen Fachhochschulreife in zwei Jahren anbietet. Ihre Erfahrung: „Nach dem ersten Ausbildungsabschnitt, der Praktika in Altenheimen und Krankenhäusern vorsieht, haben erfahrungsgemäß viele Jugendliche genug von der Altenpflege – und wenden sich verstärkt der Gesundheits- und Krankenpflege zu, die einen höheren Stellenwert genießt und bessere Beschäftigungsmöglichkeiten bietet.“

Ohne die Bereitschaft, die Arbeitsbelastungen zu ändern oder den Beruf finanziell attraktiver zu gestalten, werde der Fachkräftemangel nur schlimmer, ist die Schulleiterin überzeugt. (ers.)

Datum:  12 | 1 | 2012
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