Dramatische Szenen haben sich am Samstagmittag gegen 12 Uhr am Pfungstädter Tiergarten Am Mühlberg zugetragen. Rund anderthalb Stunden versuchten Polizisten, Feuerwehrleute und die Tierparkbetreiberin Heike Nold, einen ausgebrochenen Affen in Schach zu halten. Der achtjährige Makake war gegen 11.40 Uhr aus seinem Gehege entkommen, hatte sich auf den etwa 1,80 Meter hohen Außenzaun des Zoos gesetzt und ließ sich nicht zurücklocken. Als sich nach anderthalb Stunden die Lage zuspitzte und eine junge Radlerin aus der Nachbarschaft an dem Tier vorbeifuhr, musste der Affe seinen Ausbruch mit dem Leben bezahlen.
"Chewbacca setzte zum Sprung an, da hat der Polizist geschossen", berichtet Tierpark-Chefin Nold am Sonntagnachmittag. "Unser Affe hat sich schwer verletzt zurück in Richtung seines Geheges geschleppt, ich wollte zu ihm und ihm helfen, aber die Polizisten haben mich nicht gelassen. Chewbacca bekam stattdessen den finalen Todesschuss." Nold ist am Tag nach dem Vorfall noch hörbar angeschlagen: "Alles ist ganz schrecklich", sagt sie, "wir sind fix und alle."
Die Umstände seien äußerst unglücklich gewesen. Chewbacca als Ranghöchster einer sechsköpfigen Affenhorde habe am Samstagmorgen wohl am Käfig gerüttelt und sich ein Schlupfloch geschaffen. Die Tierparkbetreiber hängten sofort ein Schild am Eingang auf: "Affe frei, Notfall, heute geschlossen."
Besucher seien noch keine in dem kleinen Zoo gewesen. Nold habe versuchte, einen Tierarzt mit Betäubungsgewehr aufzutreiben. "Mein Mann, der Chewbacca hätte immobilisieren können und obendrein seine Respektsperson gewesen ist, war nicht da." Auch der Polizei gelang es nicht, einen Betäubungsspezialisten aufzutreiben. Nold macht der Polizei keine Vorwürfe, "die Beamten vor Ort haben ihr Bestes gegeben". Was den Ablauf bis zum Todesschuss betrifft, unterscheidet sich ihre Darstellung aber von den Polizeimeldungen: Beispielsweise sprach die Polizei von einem 30 bis 35 Kilo schweren Männchen mit starkem Raubtiergebiss, das von den Verantwortlichen als "angriffslustig, bissig und gefährlich" beschrieben worden sei.
Tier wurde nervös
Nold widerspricht: "Das ist doch kein Gorilla, das Tier wog bestenfalls zehn bis fünfzehn Kilo." Chewbacca habe auch keinerlei Drohgebärden gezeigt. Der Ausbrecher sei wie alle Berberaffen "sozial und freundlich, sonst hätten wir ihn in Pfungstadt auch gar nicht gehalten".
Vielmehr habe ein Passant die Lage zum Kippen gebracht, sagt Nold. Der Schaulustige habe sich immer weiter genähert. "Die Polizisten haben ihn angeschrien, da wurde auch der Affe nervös", schildert Nold die Situation. Als dann auch noch die junge Frau mit dem Rad vorbeikam, die den Affen gekannt, die Situation aber nicht überblickt habe, sei die Sache aus dem Ruder gelaufen.
Der Schaulustige sei später sogar nochmal in den Tiergarten gekommen. "Ich habe ihn aber rausgeschmissen", sagt Nold. Am Sonntag war der Zoo, der inmitten eines Wohngebiets liegt, wieder geöffnet. (sami)

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+
Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus Darmstadt. Aus der Nachbarschaft informieren wir auf den Seiten über den Kreis Offenbach und den Kreis Groß-Gerau.