Der erste gewählte Präsident des freien Polen, Lech Walesa, kommt auf Einladung des Polen-Instituts (DPI) Anfang Juni nach Darmstadt. Er werde im Staatstheater zum 20. Jahrestag des demokratischen Umbruchs mit der früheren Bundestagspräsidentin und Präsidentin des DPI, Rita Süssmuth, über Polens Weg in das demokratische Europa und die neuen gemeinsamen Herausforderungen in Europa sprechen, teilte das Institut gestern mit.
Das Gespräch biete die Gelegenheit, eine Symbol- und Leitfigur der europäischen Geschichte des ausgehenden 20. Jahrhunderts zu erleben. Walesa sei "eine beispielhafte Person und Kernfigur" des demokratischen Umbruchs in Europa, sagte Instituts-Direktor Dieter Bingen. Der Politikwissenschaftler wird das Gespräch am 8. Juni moderieren, sowie ein weiteres Podium einen Tag später in Berlin.
Lech Walesa kommt am Montag, 8. Juni, um 20 Uhr ins Staatstheater Darmstadt. Dort spricht er beim 13. deutsch-polnischen Podiumsgespräch über "1989-2009: Zwanzig Jahre nach dem Umbruch: Polen, Deutschland und Europa vor neuen Aufgaben".
Anmeldungen sind bis zum 25. Mai per E-Mail an das Deutsche Polen-Institut zur richten: brauhof@dpi-da.de. Der Eintritt ist frei.
"Wir haben das Jahr der Jahrestage", erklärte DPI-Sprecher Andrzej Kaluza. "Vor 20 Jahren gab es am 4. Juni die erste freie Wahl in Polen. Das hat die Bewegung eingeleitet für die erste nicht-kommunistische Regierung." An deren Spitze stand Lech Walesa, der Führer der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc. Es folgten der Mauerfall, Revolution in Ungarn und Rumänien.
"In Polen hatte es Jahre gedauert, bis die Weichen gestellt waren", berichtet Kaluza. "Aber als der Zug ins Rollen kam, traf er in anderen Ländern mit viel größerer Wucht ein." Kaluza erlebte den 4. Juni von Deutschland aus. "Das Gefühl war überwältigend, man spürte den Wind der Veränderung, auch wenn keiner so genau wusste, wohin es fürt."
Ob und wie weit sich die Sehnsüchte nach Demokratie und Freiheit mit dem Kapitalismus erfüllt haben, "darüber wollen wir mit Walesa sprechen", sagt Kaluza. "Es hat natürlich auch Enttäuschungen gegeben, aber der größte Teil der Bevölkerung wünscht sich den Kommunismus nicht zurück."
Vor allem aber gehe es dem Polen-Institut um den "Blick in die Zukunft", sagte Direktor Bingen. Das Institut wolle die friedlichen Veränderungen aus einem europäischen Blickwinkel heraus betrachten und als eine Art Scharnier zum besseren Verständnis zwischen den Menschen in den Nachbarländern beitragen.
Thema des Podiums seien deshalb auch die neuen Aufgaben, die Polen, Deutschland und Europa zwanzig Jahre nach dem Umbruch zu meistern hätten. "Jetzt sitzen wir in einem Boot und sind Partner in der Europäischen Union", sagte Kaluza. "Die großen Herausforderungen der deutsch-polnischen Politik sind die europäischen Herausforderungen. Kein Land in Europa kann allein die Fragen der Sicherheitspolitik, Migration oder Energiepolitik lösen."
Polen wolle die Idee von Frieden und Wohlstand in Europa vorantragen, sagte Kaluza. "Das ist die gleiche Solidarität, die auch die Solidarnosc als Bewegung ausgezeichnet hat."

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