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Straßenwahlkampf: Zittern in Darmstadt

Die SPD hat Frust, die CDU schlachtet diesen auf ihren Wahlplakaten aus. Die Grünen schimpfen über die Linken - nur frieren tun sie bei minus acht Grad alle gleich. Von Claudia Horkheimer

Walter Busch-Hübenbecker (Die Linke) im Gespräch mit Robert Ahrnt (Grüne).
Walter Busch-Hübenbecker (Die Linke) im Gespräch mit Robert Ahrnt (Grüne).
Foto: Müller/FR

Samstag, 12 Uhr, minus acht Grad in der der Darmstädter City. An den Infoständen der Parteien frieren sich die Wahlhelfer und Spitzenkandidaten die Zehen kalt. Mit Glühwein begegnet man der Kälte bei der SPD vor dem Weißen Turm. Auch hitzige Kommentare wütender Wähler zu den "internen Querelen der SPD" und den "Egotrips von Metzger und Co" sorgen für heiße Ohren.

Der Frust ist Wählern wie Wahlkampfhelfern anzumerken. Trotzdem sei das Engagement der Helfer unerwartet groß, sagt Ortwin Anders von der SPD. Auch wenn einige wetterbedingt krank wurden und er seine Ablösung herbeisehnt. Bis 15 Uhr müssen die Genossen durchhalten. Dann geht's zum Aufbau für den Abendempfang von Bundes-Fraktionschef Peter Struck im Justus-Liebig-Haus.

Plakate sorgen für Ärger

Vom CDU-Infostand nebenan lacht den Sozialdemokraten CDU-Direktkandidat Rafael Reißer vom Plakat entgegen, und ein karikierter Michael Siebel (SPD) schwingt das Metzgersbeil über denen als Schweine dargestellten SPD-Abweichlern. "Das zeigt ja das Niveau der CDU", wettert SPD-Mitglied Stefan Suppes.

Nur einen Steinwurf entfernt wirkt man dagegen selbstzufrieden: "Bis heute Nacht um vier Uhr haben die Mitarbeiter von der Jungen Union Plakate aufgestellt", lobt Manfred Kubal von der CDU und bietet einem Passanten Kaffee an. Die Plakate würden kontroverse Diskussionen auslösen. Vor allem jüngere Passanten fänden sie gut, ältere weniger. Staatssekretär Andreas Storm (CDU) steht - mit Schal und Handschuhen eingemummelt - daneben. Seit 8.30 Uhr ist er in der Kälte unterwegs, will weitere Infostände besuchen, die über die Stadt verteilt sind. "Die Frage ist: Wie viele Wähler können wir tatsächlich mobilisieren?", sagt er. Denn viele denken vielleicht, die Sache sei schon gelaufen. In letzten Umfragen lag Schwarz-Gelb schließlich vorne.

Entspannter blickt man vom Luisenplatz auf die Umfragewerte. Zumindest die Linken sind zuversichtlich. "Wir bangen heute weniger als vor einem Jahr", sagt Uli Franke vom Kreisvorstand. Sieben Prozent hält er für realistisch. Bei Themen wie Hartz IV und Zeitarbeit könne man punkten.

Wie bei den Grünen nebenan gibt es hier - mangels Schankgenehmigung- keine warmen Getränke für die Wähler. Unter dem Tisch mit den Flyern steht eine Thermoskanne. Einige Helfer helfen sich mit Wärmekristallen, verrät Franke. Andere führen hitzige Debatten mit den Mitbewerbern vom Stand daneben.

Ein Helfer von der Linkspartei will Grünen-Chefin Daniela Wagner ein Programm in die Hand drücken. "So einen Blödsinn lese ich nicht", reagiert sie brüsk. Kein Erbarmen also mit den Neuen. Dabei sagt ein Passant: "Vor 15 Jahren wurdet Ihr genauso angefeindet." "Wir waren aber anders", hält Stadtrat Jochen Partsch (Grüne) dagegen. "Wir hatten nicht die Millionen einer Partei hinter uns, und wir brachten wirklich einen neuen ökologischen Gedanken in die Politik."

Von Frust wegen der Neuwahlen, wo man doch beinahe in der Regierung gesessen hatte, will Partsch nichts hören. In 25 Jahren habe er schon härtere Wahlkämpfe erlebt. Für einen Politikwechsel habe es in der Bevölkerung eben noch "keine ausreichende Basis gegeben".

Autor:  CLAUDIA HORKHEIMER
Datum:  12 | 1 | 2009
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