Das denkmalgeschützte Hörsaalgebäude der Experimentalphysik an der Technischen Universität in Darmstadt ist fertig saniert. Die energetische und technische Aufrüstung des Gebäudes von 1955 hat rund 4,3 Millionen gekostet. Charakteristisches sollte bei dem Umbau möglichst erhalten bleiben, der Hörsaal sieht daher fast aus wie vorher, nur sind die Elemente eben neu.
Wo gepinselt worden war, wurde wieder gepinselt, wo mit kleinen Kellen verputzt worden war, wurde mit kleinen Kellen drübergeputzt. So blieb die Originaltextur erhalten. Der Holzrahmen, der einst kunststoffbespannte Klappsitze hielt, trägt noch die Spuren von Filzstiften und Kulis aus vergangenen Jahrzehnten. Nur die Kunststoffbespannung ist weg und durch einen Lack in derselben Farbe ersetzt.
Am Dienstag haben die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (FDP) und TU-Präsident Hans Jürgen Prömel den Hörsaal an der Hochschulstraße offiziell wiedereröffnet. Zwar finden dort schon seit Vorlesungsbeginn wieder 250 Studenten auf regulären Klappsitzen und 80 Studenten auf Notsitzen Platz, doch erst jetzt ist das gesamte Gebäude fertig.
Der karge, dreigeschossige Bau mit seinen Natursteinwänden und der Fensterfront ersetzte 1955 das im Krieg zerstörte alte Hörsaalgebäude. Die Architekten verzichteten bewusst auf Monumentalarchitektur und vermieden jeden Bezug auf die problematische Vergangenheit, führte Architekt Jürgen Hamm aus.
Ihm ging es darum, „die Eigenheiten und Stärken des Gebäudes zu kennen und mit den veränderten technischen Parametern in die Gegenwart zu holen“. So finden sich an den Seitenwänden wieder Paneele mit Fichtenfurnier, dahinter ist alles neu. „Gefühlte Kilometer von Kabeln und Leitungen“ verschwanden in den Wänden, sagte Architekt Hamm. Denn der Hörsaal für experimentelle Physik ist vollgestopft mit Technik. Die zahlreichen Nebenräume dienen vor allem als Lager für Versuchsanordnungen und Material.
Lob für gute Akustik
Die Sanierung wurde zum größten Teil über das Konjunkturpaket II des Landes finanziert. Angesichts der stark gestiegenen Studentenzahlen spiele die Sanierung des großen Hörsaals eine „zentrale Rolle“, sagte Prömel. Hier gebe es nicht nur Experimentalphysik für Studenten, sondern auch die „Saturday Morning Physics“-Reihe für Schüler, Vorlesungen anderer Fachbereiche, Klausuren und sogar Konzerte, zählte Dekanin Barbara Drossel auf. Der Saal sei schall- und erschütterungsisoliert.
Von der „sehr sehr guten Akustik“ hatte auch die Wissenschaftsministerin schon gehört, die das Baumanagement der in diesem Bereich autonomen TU Darmstadt ausdrücklich dafür lobte, dass alle Maßnahmen immer im Zeit- und Kostenrahmen und für die Nutzer optimiert umgesetzt würden.
Von den 114 Sanierungsprojekten aus dem Konjunkturpaket II sind sieben in Darmstadt angesiedelt, unter anderem das Hochschulbad, zwei Mensen und die Ernst-Neufert-Halle. Da das Geld zeitlich befristet zur Verfügung steht, war es wichtig, dass das Physikhörsaalgebäude noch in diesem Jahr fertig und abgerechnet wird – das hat geklappt. (rwb.)

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