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Türkisch-Olympiade: Finish vor der Kamera

In Darmstadt kämpfen die deutschen Teilnehmer an der internationalen Türkisch-Olympiade um den Einzug ins Finale. Zur Endausscheidung Ende Mai in der Türkei werden rund 300.000 Besucher erwartet.

Großer Auftritt auf der Bühne des Darmstadtiums.
Großer Auftritt auf der Bühne des Darmstadtiums.
Foto: Oeser/FR

Über drei Stunden Fernseh- Live-Übertragung aus Darmstadt - das ist ja fast wie bei Gottschalk! Nur, dass der Unterhaltungsstar des ZDF (Wetten dass?) wegen zu geringer Platzkapazität nie ins Darmstadtium, den neuen Kongresstempel, nach Darmstadt kommen würde.

Dennoch wurde jetzt drei Stunden lang gesendet. Die Bilder dürften zwar weitgehend an den Darmstädtern und Hessen vorbeigeflimmert sein. Dafür liefen sie zur besten Primetime über türkische Bildschirme und hinterließen ihre Spuren auch bei denjenigen, die in Deutschland den türkischen Sender STV via Satellit empfangen können oder im Internet der Übertragung zuschauten. Einige Zehntausend werden das wohl gewesen sein.

Sprachtest und Bühnenshow

Zum siebten Mal wird die Türkisch- Olympiade für Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren ausgetragen - weltweit in 110 Ländern.

In Deutschland nahmen rund 2500 Jugendliche, türkische Muttersprachler und Nicht-Muttersprachler, an den zehn Vorrunden und zwei Halbfinalen in Berlin und Wuppertal teil.

Entscheidungen fielen in den Disziplinen: Liedvortrag, Gedichtvortrag, Bühnenperformance, Sprachgebrauch und Aufsatz.

Teilnehmer des Wettbewerbs werden einem nach Altersstufen differenzierten Türkisch-Sprachtest unterzogen.

Gefordert ist eine schriftliche Türkisch-Prüfung, die über die Teilnahme am weiteren Wettbewerb entscheidet. Ausrichter in Deutschland: Academy - Verein für Bildungsberatung.


Foto: Oeser

Das Ereignis interessiert die türkische Gemeinde bundesweit. Türkisch-Olympiade nennt sich der Wettbewerb - zum siebten Mal ausgetragen - der in 110 Ländern läuft und seinen Höhepunkt Ende Mai in der Türkei erreicht. Ein Wettstreit mit Liedern, Gedichten, Aufsätzen, mit Tanz und Performance. Eine Werbung für die türkische Sprache. Die Moderatoren kommen aus der Türkei. Kemal Gülen gilt als durchaus prominent. Aylin Hendik assistiert ihm.

"Wir haben schon vorher all unsere Freunde, Verwandten und Bekannten darauf aufmerksam gemacht, dass die Sendung im Internet läuft". Philipe Gomes und Andreas Trippel, der eine portugiesischer Abstammung, der andere Russland-Deutscher, beide des Türkischen mächtig, sprechen für Zuschauer und Teilnehmer.


Foto: Rolf Oeser

Die Bedeutung der Sprache als Grundlage interkultureller Kommunikation wird allgemein betont. Aber das Türkisch, das beim Wettbewerb gesprochen wurde, ist nicht die Sprache für den alltäglichen Umgang in Deutschland, das war wohl allen klar.

Zur Endausscheidung Ende Mai in der Türkei erwartet der Sender rund 300.000 Besucher. Es verspricht ein Event zu werden, wieder mit Live-Übertragung, wieder mit Sponsorenehrung und Urkundenverleihung an die besten. Unter den Finalisten könnten sich, wie 2008 auch, einige Deutsche befinden. Kanzlerin Angela Merkel hatte den Teilnehmern und späteren Siegern gewünscht, dass sie beim Kulturfestival in der Türkei "gute Botschafter Deutschlands" sein sollen. Der Brief wurde ins Türkische übersetzt. Die Kopfhörer für die Simultan-Dolmetscher wurden kaum gebraucht. Türkisch war auch die Sprache der 1500 Zuschauer im Darmstadtium.


Foto: Oeser

Schlussbild mit Flaggen

Zum Schluss zelebrierte man die Veranstaltung als deutsch-türkisches Event. Nachdem die jungen Teilnehmer zuerst allein mit der türkischen Flagge unter dem Jubel der Zuschauer für das Schlussbild auf die Bühne gezogen waren, reichten eifrige Helfer schnell die schwarz-rot-goldenen Banner nach. Die lagen griffbereit. Man hatte es im ersten Moment versäumt, sie den Teilnehmern in die Hand zu drücken. Ein Regiefehler, der schnell korrigiert wurde. Die Fahnenmischung stimmte wieder.


Foto: Oeser

Die Nervosität der jungen Teilnehmer hatte sich gelegt. Helfer Enes Kartal, Lehramts-Student für Englisch und Politik an der Frankfurter Universität, war zufrieden. Es hatte geklappt, Sänger und Tänzer rechtzeitig einzusammeln und zur Bühne zu geleiten. "Wir sind Kinder dieser Welt" hatte eine Gruppe aus Wuppertal gesungen - auf Türkisch und auf Deutsch, in weißen T-Shirts mit dem Logo der "Olympiade" bedruckt.

Vier Teilnehmer im Kurzporträt

Andreas Trippel

Aus Rüsselsheim kommt der 18-Jährige, ist dort Schüler der Werner-Heisenberg-Schule. Trippel ist Russland-Deutscher und spricht auch Russisch.

"An meiner Schule wird kein Türkisch angeboten. Aber ich habe mich für die Sprache interessiert. Ich glaube, das begann mit Nachhilfekursen, wo wir türkisch-stämmigen Mitschülern geholfen haben. Dabei habe ich festgestellt, dass es in der türkischen Sprache von der Betonung manche Gemeinsamkeiten mit dem Russischen gibt. Aber trotz des hohen Ausländeranteils wird Türkisch an unserer Schule in Rüsselsheim nicht angeboten. ,Meine Mutter kam...' heißt mein Vortrag".

Lotti Gerischer

Die 14-Jährige mit Wurzeln in Bayern und Köln lebt im Berliner Stadtteil Kreuzberg - Szenetreff und multikultureller Brennpunkt.

"Es war an der Gesangsschule. Meine Musiklehrerin hat mir das Türkische nahegebracht. Ich habe es vorher nicht gelernt - bis auf ein paar Floskeln. Aber ich mag die Sprache. Sie ist sehr melodisch... Ich persönlich gehe auf ein französisches Gymnasium. Angesichts der Nähe und dem engen Zusammenleben der Nationalitäten, gerade in unserem Berliner Stadtteil, fand ich es schon erschreckend, dass ich die Sprache der anderen nicht verstand. Sprache ist schließlich Kommunikation."

Irem Alma

Die 12-Jährige aus Esslingen hatte beim Wettbewerb ein Handicap. Als türkische Muttersprachlerin hat sie keine Chance, in der Türkei Deutschland zu vertreten. Das ist vom Reglement her ausgeschlossen.

"Nein, Schwäbisch spreche ich nicht. Türkisch ist meine Muttersprache und Deutsch habe ich gelernt und spreche ich auch. Ich helfe sogar meinem kleinen Bruder - korrigiere seine deutsche Aussprache. Er sagt immer - Ich gingte. An der Schule lerne ich Französisch. Ganz klar: Beim Wettbewerb singe ich auf Türkisch. Das Lied heißt ,Mein Freund'. Es macht mir Spaß, vor so vielen Leuten aufzutreten und mit anderen Jugendlichen Kontakt zu haben."

Mehmet Canlar

Der 16-jährige Offenbacher ist Schüler an der Friedrich-Ebert-Schule Mülheim. Auch er ist türkischer Muttersprachler mit Aufenthaltsgenehmigung und türkischem Ausweis.

"Ich bin stolz, dass ich an dieser Endausscheidung teilnehmen kann. atürlich habe ich alle meine Freunde und Verwandten über die Türkisch-Olympiade informiert, damit sie heute Fernsehen gucken, wenn ich auftrete. Es ist aber auch wichtig, dass es ein deutscher Wettbewerb ist, der in Deutschland von der Türkei veranstaltet wird. Natürlich hat sich meine Klasse dafür interessiert, was ich hier so mache und ich habe auch vor der Klasse gesungen."

Autor:  MICHAEL GRABENSTRÖER
Datum:  23 | 3 | 2009
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