Der Weiterstädter Marktplatz erhält ein neues Gesicht. Der Grundstein dafür wurde am Dienstag gelegt. Für 4,2 Millionen Euro errichtet die Stadt am östlichen Rand ein dreigeschossiges Multifunktionsgebäude, in dem Stadtbüro und Bibliothek untergebracht werden sollen - das sogenannte Medienschiff.
Die Kontroversen um die richtige Gestalt mitten im Herzen von Weiterstadt waren heftig, schließlich erhielt der Entwurf vom Architektenbüro Lengfeld und Wilisch aus Darmstadt den Zuschlag. Entstehen wird nun ein Gebäude in schiffartiger Form, das sich mit viel Glas nach vorn zur Darmstädter Straße öffnet. "Ein mutiger Schritt" sei die Auswahl gewesen, blickt Bürgermeister Peter Rohrbach bei der Grundsteinlegung zurück.
Dachterrasse als Lesegarten
Letztendlich habe man sich für ein "Gebäude mit Charakter" entschieden, einen Solitär, der das Stadtbild präge. "Es wird ein Merkmal für Weiterstadt werden", ist er sich sicher. Ebenso sicher ist er auch, dass nun, wenn die Weiterstädter ihr Medienschiff wachsen sehen, die Gestaltung weiter Gesprächsthema sein wird. "Architektur ist immer dazu da, Diskussionen auszulösen." Über eine Sache allerdings soll es keine Debatten geben: übers Geld. "Eine Kostendiskussion werden wir nicht führen müssen", schätzt Architekt Matthias Lengfeld.
Würde man alle Bücher nebeneinanderreihen, die in der neuen Bibliothek Raum finden sollen, ergäbe das eine Strecke von einem Kilometer. Zur Bibliothek kommt eine Dachterrasse, vom Architekten Lesegarten genannt, die sich auf 310 Quadratmeter erstreckt und auch für Empfänge und Veranstaltungen genutzt werden könne.
Zweiter großer Baustein für die Nutzung ist das Stadtbüro, das bisher am Dalles nahe der evangelischen Kirche seinen Sitz hat. Ob neuer Reisepass oder Gelber Sack - künftig sollen die Bürger fast alle städtischen Leistungen im Medienschiff nachfragen können. Gleich zwei Cafés sollen Besucher locken: ein kleines im Erdgeschoss der Bibliothek und ein zweites im Querriegel direkt nebenan, bei dem auch Außenbewirtung vorgesehen ist. Im Frühjahr soll der Rohbau stehen, bezugsfertig wird das Medienschiff voraussichtlich Ende kommenden Jahres.
Die Folgekosten für den Dauerbetrieb sollen dem Projekt nicht das Genick brechen: Der Neubau, sagt Lengfeld, sei energieeffizient, entspreche fast einem Passivhaus-Standard. Es gebe keine Klimaanlage, ein "intelligentes Kühlsystem" sorge stattdessen für die Nachtauskühlung und senke so Temperatur und Kosten.
Die Stadt wird auf dem Dach eine Solaranlage errichten, die Strom ins Netz einspeist. Viel Tageslicht soll durch die Glasflächen fluten und die Beleuchtungskosten drosseln. (pia)

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