Das Geburtshaus des Darmstädter Mundartdichters Robert Schneider soll abgerissen werden und auf dem Grundstück Wohnbebauung entstehen. Doch dagegen regt sich Widerstand.
„Wir wenden uns gegen den Ausverkauf des Schlossgartenplatzes mit seinem besonderen Flair“, heißt es auf der im Quartier kursierenden Unterschriftenliste der frisch gegründeten Bürgerinitiative „Lebendiges Martinsviertel“, in die sich innerhalb weniger Wochen mehr als 700 Unterstützer eingetragen haben. Gefordert wird zudem der Erhalt des typischen Straßenbildes der angrenzenden Robert-Schneider-Straße.
Der Gruppe aus Anwohnern und Besuchern der belebten Ecke mit ihren kleinen Cafés und Läden geht es nicht darum, die Neubebauung gänzlich zu verhindern. Doch sie wollen, dass sie mit Sensibilität umgesetzt wird. „Es soll sich ja dort was entwickeln“, betont Ulrich Ritter. „Aber es gibt Kriterien, die wir eingehalten sehen wollen.“ Er habe als Eigentümer über Anliegerbeiträge gerne mitbezahlt für die Quartiersanierung. „Aber ich leite daraus auch einen Anspruch ab.“
Ein Dorn im Auge ist ihm und seinen Mitstreitern vor allem, dass der Investor das Wohnhaus ihrer Kenntnis nach in Form eines blockartigen Riegels entlang der Robert-Schneider-Straße plant. Das widerspreche dem dörflichen Charakter dort. Die BI schlägt stattdessen eine offene Bauweise mit mehreren kleineren Häusern vor.
20 Parkplätze fallen weg
Ein anderer Stein des Anstoßes ist, dass auf dem Baugrund 20 derzeit von Anwohnern gemietete Parkplätze wegfallen würden. „Ein Wegfall von Parkplätzen in einer Gasse, in der im Straßenraum nicht geparkt werden darf, kann von der Stadt nicht ernsthaft erwogen werden“, schrieb BI-Mitglied Roswitha Hilse Ende Juni an Baudezernentin Brigitte Lindscheid (Grüne). Man fühle sich nach ersten Gesprächen mit der Stadt nicht ernst genommen.
In einem Antwortschreiben vom 20. Juli betonte Dezernentin Lindscheid, dass sie die Bedenken sehr wohl ernst nehme und auch prüfen lasse. „Bislang wurde jedoch noch keine Entscheidung getroffen, ob das Grundstück verkauft werden soll“, betonte sie. „Die Anfrage ist noch in Bearbeitung.“
Bislang liege lediglich eine Kaufanfrage für das Grundstück vor, sagt auch die städtische Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel. „Es ist noch nichts Endgültiges auf dem Tisch.“ Anregungen und Kritik von Bürgern wolle man einbeziehen und eventuell auch in Richtung des Investors einfließen lassen.
Dieser teilt mit, dass es noch gar keine endgültige Planung gebe und alles noch recht offen sei. „Wir sind noch in der Entwurfsphase“, sagt Holger Lentzen vom Höchster Investorenbüro Jöckel. Mit dem Baubeginn sei nicht vor Winter zu rechnen – auch wenn sie bereits jetzt, noch vor Anlaufen der eigentlichen Vermarktung, mehr Anfragen hätten als Wohnungen geplant seien. Entstehen sollen dort zehn bis zwölf Wohnungen.
„Uns ist natürlich bewusst, dass wir da an einer sehr sensiblen Ecke sind“, sagt Lentzen, selbst seit vielen Jahren im Martinsviertel ansässig. Mit den Anliegern habe es bereits Gespräche gegeben. Natürlich gehe es immer auch um Wirtschaftlichkeit. „Aber wir sind sehr bemüht, etwas zu bauen, was da auch hinpasst.“ Robert Schneiders Geburtshaus indes ist nicht mehr zu retten. (aw.)

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