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Kroatien: Das Klappern an der Save

In Čigoć leben mehr Störche als Menschen. Die Auen der Save bieten ihnen reichlich Futter. Foto: AFP

Die Save-Auen in Kroatien bieten ein Schlaraffenland für Störche. Auch Eisvögel, Kühe, Pferde und Turopolje Schweine tümmeln sich hier. Das größte Auengebiet Europas bietet nicht nur den Tieren einen Lebensraum, sondern schützt auch die Menschen vor Hochwasser.

Der Pfad hüllt sich in ein Tarnmuster aus Grün und Braun, aus Sonnenflecken und Baumschatten. Nichts Ungewöhnliches für einen Waldweg. Doch plötzlich fängt der Boden an zu leben. Bei jedem Schritt springen Dutzende von kleinen Gestalten auf und bringen sich vor den Füßen der Wanderer in Sicherheit. Die Save hat ihren Besuchern an diesem heißen Sommertag einen grünen Teppich ausgerollt. Einen Teppich aus Fröschen.

Ein wässriger Schatz

Die 940 Kilometer lange Save entspringt in den Julischen Alpen in der Nähe der Grenze zwischen Österreich und Slowenien und mündet bei Belgrad in die Donau. Sie ist der wasserreichste Nebenfluss dieses großen europäischen Stroms.

Ihre Auen gelten unter Naturschützern als Juwelen unter den europäischen Flusslandschaften. Zahlreiche bedrohte Arten kommen hier vor, vor allem die Vogelwelt ist reich vertreten. In den Wäldern geht der metallisch schillernde Schwarzstorch auf Nahrungssuche, Seeadler hocken in den Uferbäumen, Schreiadler kreisen am Himmel. Am Altarm Krapje Dol brüten fünf Arten von Reihern und die dortige Löfflerkolonie gehört mit bis zu 150 Brutpaaren zu den größten in Mitteleuropa.

Der Naturpark im Internet:
www.pp-lonjsko-polje.hr

Martin Schneider-Jacoby strahlt. Er kennt den kroatischen Fluss seit 25 Jahren, doch so ein Bild hat auch er noch nicht oft gesehen. „Das ist ein perfektes Symbol für den Reichtum von Auenlandschaften“, findet der Biologe, der für die Naturschutzstiftung Euronatur in Radolfzell am Bodensee arbeitet.

Als Vogelkundler fällt es ihm nicht schwer, das grüne Gewimmel aus der Perspektive eines Storchs zu betrachten: ein Schlaraffenland! Hier jeden Tag ein Pfund Frösche und andere Kleintiere für den ewig hungrigen Nachwuchs zusammenzubekommen, dürfte kein Problem sein. Entsprechend klappern die roten Schnäbel an allen Ecken. Im kleinen Ort Čigoć, den Euronatur 1994 zum „Europäischen Storchendorf“ gekürt hat, leben mehr Störche als Einwohner. In fast jedem der 29 Nester auf den Dächern stehen derzeit mindestens drei fast erwachsene Jungvögel und machen Flugversuche.

Die Save-Aue: ein grüner Juwel

Doch auch wenn man weder Storch noch Vogelkundler ist, hat die Save südöstlich der kroatischen Hauptstadt Zagreb einen ungewöhnlichen Reiz. Schließlich ist sie einer der wenigen mitteleuropäischen Flüsse, denen der Mensch noch kein Korsett aus Dämmen, Steinen und Beton verpasst hat. „Die Save-Auen gehören deshalb zu den wertvollsten Landschaften Europas“, sagt Euronatur-Geschäftsführer Gabriel Schwaderer. Grund genug für seine Organisation, sich mit Unterstützung der Lufthansa für den Schutz und die Erforschung des grünlichen Juwels einzusetzen.

„Wir können von diesem Gewässer sehr viel lernen“, meint der Geograf. Zum Beispiel über die Gestaltungskräfte eines natürlichen Flusslaufs. In weiten Bögen schlängelt sich die Save durch die Landschaft, raspelt Ufer zu fast senkrechten Hängen und lädt das dort weggerissene Material an anderen Stellen wieder ab.

Durch solche Prozesse verlagert sie ihren Lauf um bis zu zwei Meter pro Jahr. Dabei schafft sie flache Strände, an denen Flussuferläufer über den Schlick eilen und Seidenreiher das seichte Wasser nach Nahrung durchkämmen. In den Steilwänden dagegen nistet alle eineinhalb Kilometer ein blau schillerndes Eisvogelpaar und auch die Hälfte aller kroatischen Uferschwalben gräbt hier ihre Bruthöhlen.

Für Menschen hat so ein vagabundierender Fluss allerdings seine Tücken. Was tun, wenn sein Lauf immer näher an die eigene Tür rückt? „Ganz einfach: Man verschiebt sein Haus“, sagt Goran Gugic lächelnd. Der Forstwissenschaftler leitet den Naturpark Lonjsko Polje, der mehr als 500 Quadratkilometer Hektar Save-Auen südöstlich von Zagreb schützt. In den Dörfern des Schutzgebietes stehen noch die traditionellen Häuser aus dem Holz der Auwald-Eichen, die man bei Bedarf einfach auseinandernehmen und woanders wieder aufbauen konnte. „Manchmal haben die Leute auch nur ein paar Stämme untergelegt und das gesamte Heim dann mit Ochsengespannen ein Stück weitergezogen“, erklärt Goran Gugic.

Der Save droht ein Korsett

Diese Jahrhunderte alte Lösung ist heute allerdings nicht mehr so recht praktikabel. Auch in den Save-Auen baut man inzwischen keine mobilen Gebäude mehr und die liebevoll restaurierten alten Holzhäuser sind mittlerweile auch mit Nägeln und Schrauben fixiert. Also schützt man die Orte zum Beispiel mit „Buhnen“ genannten Steinkonstruktionen, die an kritischen Stellen ins Wasser ragen und die raspelnde Strömung umlenken. „Wenn sie richtig geplant werden, ist gegen solche kleineren Baumaßnahmen auch nichts zu sagen“, so Martin Schneider-Jacoby.

Allerhand zu sagen hat er dagegen über die Pläne, die beim Büro der Kroatischen Wasserwirtschaft in der Schublade liegen. Demnach soll der Fluss zwischen Sisak und Belgrad in großem Stil ausgebaut werden, damit Schiffe das ganze Jahr hindurch freie Fahrt haben. Mit anderen Worten: Auch der Save droht das Korsett. „Das würde in dieser einzigartigen Landschaft so vieles zerstören“, kritisiert der Biologe kopfschüttelnd. „Und das für nicht einmal 200 Schiffe, die diese Strecke im Jahr befahren.“

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Autor:  Kerstin Viering
Datum:  2 | 8 | 2011
Seiten:  1 2
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